U Band VII.
III. Abschnitt: Veränderungen an den Knochen.
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igemgm-lksîksamDieen.
Dritter Abschnitt.Veränderungen an den Knochen.
Neuerdings hat J. Wolff in einem in der Berlinerklinischen Wochenschrift zum Abdrucke gelangten Vortrage:„Ueber trophische Störungen bei primären Gelenkleiden"die Behauptung aufgestellt, dass die Gelenkerkrankungenaussei- den von ihm nachgewiesenen kutanen und den durchVal tat gefundenen muskulären noch ossäre Tropho-neurosen bewirken können, welche sich durch Verkürzungoder durch Verlängerung der Gliedmaassen und zwar ge-wöhnlich in den vom verletzten Gelenke am weitestenentfernten Theilen, also vor Allem an Händen und Füssen,beispielsweise nach Hüftgelenksaffektion am entsprechendenFusse, kundgeben. Die Rapidität, mit welcher die Ver-kürzung gleich im Beginn der Erkrankung auftritt, scheintihm der sicherste Beweis, dass es sich nicht um eineInaktivitätsatrophie handelt, denn diese lässt erst nachJahrelanger Dauer ein am Lebenden messbares Resultat zuStande kommen. Wolff glaubt, dass die ossären Tropho-neurosen bei primärem Gelenkleiden wenigstens nicht inallen Fällen einfach durch Neuritis bedingt sind, sondernlass sie möglicherweise auf reflektorischem Wege entstehen(Valtat-Charcot).
Die Verkürzungen der Gliedmaassen kommen anterden obwaltenden Bedingungen nach den ErfahrungenWolff's nicht bloss bei jugendlichen Personen und un-vollendetem Wachsthum vor, obwohl sie hier am aus-gesprochensten sind, sondern auch bei ausgewachsenenIndividuen. In letzterem Falle sind sie zwar quantitativgering, aber doch zu dem Beweise ausreichend, dass voll-kommen fertige Röhrenknochen sowohl, wie bekannt, inihrem Dickendurchmesser als auch in ihrer Längsrichtungdurch interstitielle Vorgänge zusammenschrumpfen können.Die Verkürzung und Verdünnung des Knochens ist alsopicht der reine Ausdruck einer Wachsthumshemmung und.Oberflächenresorption, sondern zugleich einer unter derErkrankung trophischer Nerven und Centren zur Ent-wicklung gelangten Schrumpfung des fertigen Knochen-gewebes in der Längs- und Querrichtung.
Bisher hatte man die der Gelenksentzündung folgendeVerkürzung durch die Miterkrankung der in den Gelenks-enden gelegenen epiphysären Knorpelfugen und ihrer
theilweisen oder gänzlichen durch Eiterung oder Ope-ration herbeigeführten Zerstörung und, wo dies nichtging, wie z. B. dann, wenn nicht die an der Entzündungdirekt betheiligten Knochen sondern entferntere mitgesunden Knorpelfugen versehene Nachbarknochen ver-kürzt blieben, durch die Unthätigkeit des erkranktenGliedes zu erklären gesucht. Die Hinfälligkeit dieserDeduktion ergab sich aber ohne weiteres für diejenigenFälle, in denen man die Gelenksentzündung nicht, wiegewöhnlich, zur Verkürzung, sondern vielmehr zur Ver-längerung der betreffenden Extremitäten die Veranlassungwerden sah.
So beobachteten, wie Wolff augiebt, nach einer chroni-schen Kniegelenksentzündung Weinlechner und Schotteine Verlängerung des Femur um 1 cm, Howard Marsh um1,5 cm. H. Fischer berichtete über einen Fall von Tumoralbus genu mit Ausgang in Ankylose, in welchem nachzwei Jahren das Femur eine Verlängerung von 1,6 cmzeigte bei gleichzeitiger Verkürzung der Tibia um 0,6 ein.v. Langenbeck sah bei einem 9 3 /* Jahre alten Mädchen,welches seit 4 Jahren an rechtsseitiger Ellenbogengelenks-entzündung gelitten hatte, eine Verlängerung des rechtenHumerus um IV2 cm, während die Vorderarmknochen aubeiden Extremitäten gleich lang waren.
Gurlt erzählt, dass Oberstabsarzt Born an dem inder Schlacht bei Königgrätz verwundeten 23 jährigenMusketier Bauske, welchem von Busch das linke Fuss-gelenk resezirt war, eine Verkürzung des Fusses von 7 /s Zollkonstatirte. Er selbst fand bei dem im Alter von 21 Jahrenan demselben Tage verwundeten Unteroffizier Witt mit par-tieller Resektion des linken Fussgelenks 8 Jahre spätereine Verkürzung um 4 cm. Wolff untersuchte 1876 denim Schleswigschen Feldzuge 1864 im Alter von 24 Jahrenverwundeten Tambour Werkmeister, bei welchem 13 Tagenach der Verletzung durch v. Langenbeck 7 cm von Tibiaund Fibula nebst der oberen Gelenkfläche des Talus sub-periostal resezirt waren, und wies eine Verkürzung deslinken Fusses um IV2 cm nach.
Aus dem Kriege 1870/71 führt er folgende hierhergehörige Beobachtungen an:
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