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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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II. Kapitel: Trophoneurosen nach peripheren Verletzungen.

Band Vît

Heilung des Schusskanals. Fünfwöchentliche Anwendung derElektrizität, doch am 21. Januar 1871 noch keine Besserung.Auch im August 1871 Paralysis completa, aber keine Atrophie.5. Juli 1872: Klagen über Schwäche im rechten Arme.Keine objektiven Funktionsstörungen. N. wurde am 23. Juni1873 als Landbriefträger angestellt.

XLVI. Wilhelm Schoenemann, im 1. Nassauischen In-fanterie-Regiment No. 87, wurde am 6. August 1870 bei Wörthverwundet. Schuss durch die linke Seite des Halses mit der Ein-gangsöffnung über dem Schlüsselbein und mit der Ausgangs-öffhung 3 cm links vom 3. Brustwirbel. Vollkommene Lähmungder Motilität und Sensibilität am linken Arme.

10. Januar 1871: Keine Atrophie, Lähmung unverändert.

1872: Linker Arm nicht abgemagert; Schulter etwas tieferstehend; Bewegungen des Armes von geringer Kraft. Sensi-

bilität noch nicht vollständig normal, besonders an Schultetund an der Streckseite der Finger; Gefühl von Ameisenkrieclienan der Schulter.

1874: Schwächegefühl im Arme.

XLVIL Ernst Ehlert, Gefreiter im Garde - Schützen-Bataillon, wurde am 18. August 1870 bei Gravelotte von einemGeschoss getroffen, dessen Weg durch die linke Achselhöhleging. Paralysis completa brachii sinist.

3. Dezember 1870: Keine Atrophie, aber völlige motorischeLähmung der linken Hand.

18. September 1871: Finger beweglich.

31. Oktober 1872: Nur noch beeinträchtigte Beweglichkeitim linken Daumen.

29. Juni 1876: Geringe Umfangsdifferenz zwischen rechterund linker Oberextremität. Keine Bewegungs- und Empfindungs-störungen.

Band VI

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IL Progressive Atrophie.

Sehr selten entwickelt sich nach peripheren Traumendie progressive Muskelatrophie. Friedreich sah nacheiner Quetschung der Hand eine progressive über den ganzenArm sich verbreitende Atrophie, welche sich mit Bulbär-paralyse komplizirte. Poncet beschrieb einen Fall, beiwelchem nach einer Schusswunde der rechten Brusthälfte zu-erst Lähmung des Armes, später Atrophie hier und in denMuskeln des linken Armes von der Schulter abwärts, sowieSchwäche der Unterextremitäten entstanden war. Eulen-burg beobachtete einen Verwundeten, welcher nach einemSchuss in den linken Oberarm Schwäche der Hand undneuralgische Beschwerden, darauf einehochgradige undbedeutende Atrophie der symmetrischen anderseitigen Arm-und Schultermuskeln bekam, welche sogar an Umfangund Intensität die der verletzten Seite weit übertraf". Insolchen und ähnlichen Fällen liegt es, wie Eulenburg her-vorhebt, nahe, an eine aszendirende Neuritis und einekonsekutive Poliomyelitis anterior zu denken. Wohl zuunterscheiden hiervon ist das durch Myopathia propagataerzeugte Krankheitsbild. In den Invalidenakten wurdennur zwei Beobachtungen von progressiver Muskelatrophienach einem Sturz vom Pferde, durch welchen in demzweiten Falle das Schlüsselbein frakturirt war, aufgefunden.Beide Kranke erlagen in relativ kurzer Zeit ihrem Leiden.Sollte nicht bei Hoye (XL VIII) der primäre Sitz der Er-krankung in der grauen Substanz zu suchen sein?

XL VIII. Der Dragoner der 1. Eskadron OldenburgischeiDragoner-Regiments No. 19 Johann Heinrich Hoye stürztebei Mars la Tour am 16. August 1870 mit dem Pferde unischlug mit der ganzen rechten Körperseite hart auf den Bodenauf. Gleich darauf fühlte er sich an der rechten Körperhälfttwie gelähmt. Er konnte zwar den rechten Arm gebrauche«,aber alle Bewegungen waren macht- und energielos, das Beilwar so kraftlos, dass er nur mühsam den Fuss schleppen!gehen und stehen konnte. Ein sechswöchentlicher Aufenthaltim Lazareth besserte die Funktionsstörung der UnterextremitätDie Gebrauchsfähigkeit des Armes verschlechterte sich dagegenmehr und mehr. Trotz langer Anwendung des induzirteiStromes trat eine Atrophie seiner Muskulatur ein, welche inden Daumen- und Kleinfingerballen begann, auf die Zwischen-knochenmuskeln der Hand, demnächst auf die Beugemuskekdes Vorder- und Oberarms übergriff. Im April 1871 fand sielder rechte Vorderarm 3 cm dünner, als der linke, zwischen denMittelhandknochen waren tiefe Furchen zu sehen. Auch ditSchulter- und Brustmuskeln waren abgemagert und in ihrenFunktionen beschränkt. Hoye starb am 3. Oktober 1871seinem Leiden.

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XLIX. Sturz mit dem Pferde. Bruch des Schlüsselbeins.Progressive Muskelatrophie. Tod.

Am 15. November 1870 erlitt der Dragoner der 3. Ei-kadron Ostpreussischen Dragoner-Regiments No. 10 HermannSchröder auf dem Marsche durch Sturz mit dem Pferde einenBruch des rechten Schlüsselbeines an der Grenze des mittlerenund äusseren Dritttheils. Die Fraktur heilte, die gleichzeitig

Sanitä