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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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II. Kapitel: Trophoneurosen nach peripheren Verletzungen.

Band VIL

XXVII. SchussSchmerzen. Sehr

in den Oberschenkel. Neuralgischeschneller Muskelschwund. Genesung - .

Jacob KniepNo. 40 erhielt am 6

irn Hohenzollernschen Füsilier-RegimentAugust 1870 bei Spicheren einen Gewehr-schuss in den rechten Oberschenkel. Eingang der Kugel ander Aussenseite, 4 Zoll über dem Kniegelenke. Ausgang innenim oberen Dritttheil. Lähmung des Fusses.

8. November 1870: Fortwährende neuralgische Schmerzen.Schwund der ganzen rechten Unterextremität um reichlich1 Zoll. Lähmung fortbestehend.

August 1871 und 1872: Schwäche und Abmagerung desrechten Fusses.

1873: Gesund.

XXVIII. Gewehrschuss in die linken Nates. Schnelle undstarke Abmagerung - des Beines unter Schmerzen. Genesung.

Heinrich Meyer, Gefreiter im Mecklenburgischen Grena-dier-Regiment No. 89, wurde am 11. Januar 1871 vor Le Mansdurch -einen Gewehrschuss in die linke Hinterbacke verwundet.Projektil nicht aufgefunden.

17. Juli 1871: Starke Atrophie des linken Beines. Patientkann nur mühsam, unter Schmerzen und mit Hilfe von Krückengehen.

Allmälige Besserung, so dass 1876 nur noch von einerbedeutenden Schwäche der linken Unterextremität in den In-validenakten die Rede ist.

XXIX. Schuss durch das Darmbein. Neuralgie undMuskelatrophie. Mit dem Aufhören der Neuralgie Zu-nahme des Muskelvolumens.

Bei dem Jäger Friedrich Mohr, 2. WürttembergischesJäger-Bataillon, hatte eine Kugel in der Schlacht bei Cham-pigny am 2. Dezember 1870 von der Seite des Kreuzbeins herdas rechte Darmbein zuerst contourirt, dann durchlocht undwar bis unter den m. tensor fasciae latae vorgedrungen. DerSchusskanal endete 5 cm unterhalb der spina anterior, inferior.Der rechte Vorderfuss war augenblicklich vollständig gelähmt.Es traten die qualvollsten Schmerzen ein, die nur durch zahl-reiche Einspritzungen mit Morphium gemildert werden konnten.

Am 18. März 1871 konnte Patient nur an zwei Krückengehen, klagte über bedeutende Schmerzen in der ganzen Ex-tremität, der Vorderfuss war stark geschwollen, seine Lähmungeine totale, die Muskulatur abgemagert. Knie flektirt und nichtvollkommen streckbar. Sensibilität in den Zehen sehr herab-gesetzt. Das Gefühl ist nicht ganz erloschen, doch kann Patientbei geschlossenen Augen die einzelnen Zehen nicht angeben.Extensoren abgemagert, ohne Reaktion auf konstanten und In-duktionsstrom. In der orthopädischen Anstalt zu Cannstatt,wo Wannenbäder und der konstante Strom in Anwendungkamen, nahmen die Muskeln an Umfang zu, die Schmerzenhörten auf, der Verletzte lernte ohne Stock und ohne jedemechanische Vorrichtung gehen, leichte aktive Bewegung imFussgelenk, was übrigens schlaff blieb, und in den Zehen stelltesich ein. So blieb der Zustand und war noch so im Jahre 1875.

XXX. Ischiadicus- Kontusion. Lähmung. Trotz Anwen-dung der Elektrizität rasch zunehmender Muskelschwund.Besserung der Lähmung bei fortbestehender Atrophie.

Später Paralysis completa.

Heinrich Böseneilers, Füsilier der 10. KompagnieOldenburgischen Infanterie-Regiments No. 91, verwundet bei

Ladon am 24. November 1870. Der Schuss ging an der Aussen-seite des rechten Oberschenkels 6 Zoll unterhalb des grossenHöckers ein und hinten 1 Zoll tiefer wieder heraus. Die Kugelhatte auf diesem Wege die Weichtheile der hinteren Seite und,da gleich nach der Verletzung die vom nerv, ischiadicus inner-virten Muskeln gelähmt und der Fuss nicht bewegungsfähigwaren, nach der ursprünglichen ärztlichen Annahme auch dengrossen Hüftnerven durchbohrt. Die Heilung der Wunde gingrasch von statten und war Anfang Februar 1871 beendet.Eine darauf eingeleitete 2 /a Monate lange elektrische Behand-lung stellte die Innervation nicht her und hielt den Muskel-schwund nicht auf. Später gebrauchte Bäder waren gleichfallsohne jeden Erfolg. B. musste einen Stiefel tragen, der dasFussgelenk ruhig stellte und ging auf zwei Krücken.

September 1872: Beträchtliche Abmagerung des Beines,aber B. kann alle Bewegungen, Beugung des Unterschenkels,der Zehen, des Fusses vollkommen ausführen, ein Beweis,dass der nerv, ischiad. nicht durchschossen, sondern nur kon-tundirt ist.

1873: Oberschenkel um 4cm geschwunden, Fuss um 2cmim Umfang verkleinert.

1874: Wieder völlige Lähmung.

1878: Rechter Fuss kalt und blauroth, im Gelenk un-beweglich, desgleichen die Zehen. Taubes Gefühl im Unter-schenkel und Fuss. Geht mit Hilfe von zwei Stöcken.

Im Anschluss an obige Fälle finde hier eine Reihevon Beobachtungen Platz, welche der Beschreibung nachebenso geeignet sein können, wie die vorangegangenen,auf die enge Beziehung der neurotischen Muskelatrophiezu dem im Nerven ablaufenden irritativen Prozesse hin-zuweisen, mag eine völlige Trennung oder eine partielleVerletzung oder eine blosse Quetschung seiner Fasern vor-auszusetzen sein. Eine so beträchtliche Abmagerung, wiebei Busse (XXXII) erklärt sich nicht aus der Inaktivität,wohl aber ohne Weiteres aus einer traumatischen deszen-direnden Neuritis. Sie ist um so wahrscheinlicher, als dieLähmung und Atrophie rückgängig wurde. In fast allenFällen finden sich die den irritativen Prozess charakteri-sirenden Sensibilitätsstörungen.

XXXI. Erwin Hassbach, Portepeefähnrich im1. Nassauischen Infanterie - Regiment No. 87, verwundet beiMars la Tour am 16. August 1870. Gewehrschuss. Die Kugel,am oberen Rande des rechten Schulterblattes eindringend,trat unter dem Humeruskopfe am Innenrande des m. biceps aus,

22. April 1871: Sensibilitätsabstumpfung am Daumen undZeigefinger der rechten Hand.

Heftige Neuralgie im ganzen Arme, welche durch grossesubkutane Morphiumdosen nur mit geringem Nutzen bekämpftwird.

20. Juni 1872: Atrophie des rechten Armes, welcher mitzahlreichen sehlechtaussehenden Geschwüren bedeckt ist. DieseGeschwüre rühren von den gegen die fortbestehende Neuralgiegebrauchten Einspritzungen her.

6. März 1874: Tod an Lungenphthisis.

XXXII. Theodor Busse, Unteroffizier im Leib-Grena-dier-Regiment (l. Brandenburgischen) No. 8, verwundet beiSpicheren am 6. August 1870: Schussfraktur des linken Ober-