Band VIL
II. Abschnitt: Veränderungen der Muskeln.
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Vionville durch Gewehrkugel, welche von der Mitte der Vorder-fläche des linken Oberschenkels in schräger Richtung nachoben und hinten das Muskelfleisch durchbohrte. NeuralgischeSchinerzen im Unterschenkel und Fuss.
31. Dezember 1870: Schusskanal geschlossen. Der Umfangdes linken Oberschenkels beträgt in der Mitte 11, im unterstenDritttheil 8, der linken Wade 5, über den Knöcheln 1 cm wenigerals rechts. Fuss gefühllos. Spitzfussstellung.
26. Oktober 1871: Dasselbe Befinden.
Später gebrauchte der Kranke eine dreimonatliche elek-trische Kur ohne Verbesserung der Funktions- und Ernährungs-störungen.
15. Januar 1884: Zehen nur wenig beweglich, Fussgelenkbesser.
Umfang in der Mitte des linken Oberschenkels 48 cm,„ „ „ „ „ rechten „ 4y „
„ ,, „ „ der linken "Wade 32 „
„ „ „ „ „ rechten „ 33 „
Der Invalide hat keine weiteren Kuren gebraucht undschreibt die Verbesserung der gleichmässig fortgesetzten Uebungder Extremität zu.
XXII. Ischias traumatica mit bedeutender Muskelatrophie.
Heilung.
Theodor Kruse vom 7. Königlich Sächsischen Infanterie-Regiment Prinz Georg No. 106 erhielt am 30. November 1870einen Schuss durch den rechten Oberschenkel. Eingang 7 cmunterhalb der rechten Hinterbacke in der Mittellinie der hinterenFläche des rechten Oberschenkels. Ausgang 10 cm unterhalbder Schenkelbeuge innen vorne.
27. Oktober 1871: Unter fortdauernden Schmerzen, dievon der Hüfte an der Hinterfläche des rechten Oberschenkelsdurch die Kniekehle bis zur Fusssohle sich erstreckten, hatsich ein Schwund des rechten Beines um 2 bis 4.5 cm entwickelt.
September 1872: Keine Umfangsdifferenz, keine Schmerzen.
XXIII. Plexusverletzung, Paralyse des Armes ohne
Atrophie. Nach zweijährigem Bestände Neuralgie und
Abmagerung.
Heinrich Werner, Musketier im 7. BrandenburgischenInfanterie-Regiment No. 60, erhielt am 25. Januar 1871 einenGewehrschuss mit Eingangsöffnung in der Mitte des Bauchesdes rechten Kopfnickers, mit Ausgangsöffnung hinten in gleicherHöhe zwei Finger breit von der Halswirbelsäule. Bei dernächsten Tags erfolgten Aufnahme in das Lazareth zu Grayzeigte sich eine totale motorische Lähmung des rechten Armes.
5. Juni 1871: Schusskanal geheilt. Die Narben behinderndie Beweglichkeit des Kopfes in geringem Grade. Unmöglich-keit, den Arm bis zur Horizontalen zu bringen. Hand- undFingerbewegungen frei.
4. Juli 1872: Aktive Unbeweglichkeit des Handgelenksund der Fingergelenke. Hebung des Armes bis zu einemWinkel von etwa 75°. Keine Atrophie.
8. Juli 1873: Patient hat seit längerer Zeit an heftigerNeuralgie im Arme gelitten. Abmagerung der rechten Ober-extremität um 3 cm. Kontraktur des biceps, so dass der Vorder-arm nicht gestreckt werden kann. Hebung des Armes bis nahezur Wagrechten.
XXIV. Schussverletzung des n. ischiadicus. Ischias.
Erhebliche Muskelatrophic, welche beim Gebrauch des
Beines, aber unveränderter Neuralgie fortbesteht.
Wilhelm Thess im Rheinischen Ulanen-Regiment No. 7,Ulan, erhielt am 13. Januar 1871 bei Bapaume einen Gewehr-schuss durch die Weichtheile der Hinterfläche des rechten Ober-schenkels im oberen Dritttheil.
18. Oktober 1871: Umfang des rechten Oberschenkels um7, der rechten Wade um 6 cm geringer als links. Motilitätgänzlich vernichtet, Sensibilität abgestumpft.
13. Juli 1872: Nur Schwäche des rechten Beines undAtrophie.
21. Juli 1873: Umfangsdifferenz 4 cm. Parese des Beines.Unterschenkel aktiv nicht zu beugen.
17. Februar 1875: Gehen am Stock. Neuralgische Schmerzenim Verlaufe des n. ischiadicus dext. Atrophie im Mittel um6 cm.
XXV. Schuss durch die Achselhöhle. Neuralgie, unter
deren Fortbestand sich eine hochgradige Atrophie der
Extremität entwickelt.
Christian Gribbohm, Musketier im Holsteinischen In-fanterie-Regiment No. 85, wurde am 18. August 1870 durcheinen Gewehrschuss verwundet. Der Schusskanal beginnt inder port. ext. muscul. tricipt. brachii dext., verläuft durch dieAchselhöhle und endigt 2 cm nach innen von der rechten Brust-warze.
25. August 1870: Parese des Armes. Heftige Neuralgiein Vorderarm und Hand. Morphium.
September und Oktober 1870: Neuralgie fortbestehend.
10. Dezember 1870: Die Schmerzen haben nachgelassen,auch die Parese bessert sich.
14. Februar 1871 : Von Neuem Neuralgie. Ungt. hydrargyr.ein. Morphium.
Anfang März bis Mitte April 1871: Trotz Elektrizität zu-nehmende Schwäche des Armes und dauernde Schmerzhaftigkeit.
25. Mai 1871: Atrophie des linken Armes.
31. Juli 1871: Totale Paralyse und hochgradrige Atrophieder Extremität.
XXVI. Schuss durch den Oberarm. 1876: Neuralgie undAtrophie ohne Bewegungsstörungen.
Gustav Winkler im 6. Königlich Sächsischen Infanterie-Regiment No. 105 hatte nach einer am 18. August 1870 er-littenen Verwundung des linken Oberarms heftige neuralgischeSchmerzen, bis aus dem Wundkanal, welcher vom Ansatz desm. deltoideus bis dicht über das olecranon führte, ein Tuch-fetzen entfernt war. Nach dem Feldzuge arbeitete er wiederals Tagelöhner, hatte wohl ab und zu unangenehme Empfin-dungen im verletzten Arme, war aber im Allgemeinen leistungs-fähig. Erst mit dem Jahre 1876 entwickelte sich von Neuemeine Neuralgie im Gebiete des nerv, radialis. Motilitäts- undSensibilitätsstörungen im Bereiche des Nerven fehlten. Ab-normitäten im Verlauf des Schusskanals waren nicht vorhanden.Es bestand aber eine geringe Atrophie des ganzen Armes undzwar derart, dass die Umfangsdifferenz auf der Höhe deszweiköpfigen Muskels 2, am Vorderarm 1 cm zu Ungunsten deslinken betrug. Diese Atrophie war früher nicht vorhanden ge-wesen. Ortspolizeiliche Recherchen ergaben auch 1880 dasFortbestehen der Neuralgie.
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