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II. Kapitel: Trophonenrosen nach peripheren Verletzungen.
Band VII.
Nachdem er vom 4. November 1870 bis 4. April 1871ohne Beschwerde den Feldzug überstanden hatte, stellten sichplötzlich beim Beginn der Exerzirübungen neue Schmerzenmit Krämpfen in den Beinen ein. Seit dieser Zeit that er keinenDienst wieder, er wurde eingerieben, zuletzt auch vom Re-giment ins Seebad geschickt: ohne Erfolg. August 1871 klagter über fortwährende Schmerzen im unteren Theile des Ober-schenkels und etwa drei Viertel des Unterschenkels ; der Druckauf die Narbe ist empfindlich, dann aber auch am Köpfchen desWadenbeins, wo der peroneus um dasselbe läuft, dann in derKniekehle, ebenso im ischiadicus zwischen trochanter und tuberischii. Das Bein magerte ab. Periodisch traten herpesähnlicheBläschen an der Haut der Hinterfläche des Oberschenkels auf.
XV. Schussverletzung des n. ulnaris. 1875: Neuralgie,Hautatrophie in seiner Endausbreitung mit Blasenbildung
und schnellem Nagelwachsthum.
Jakob Keller, 4. Garde-Grenadier-Regiment Königin,hatte am 18. August 1870 bei St. Privat einen Gewehrschussbekommen, von welchem am 6. Mai 1872 zwei oberflächlicheNarben herrührten, eine in der Mitte der Streckseite des Vorder-armes, durch die sich ein kleiner Substanzverlust an der Ulnafühlen Hess, die andere einen Zoll unterhalb des Olekranon. Erklagte über Schmerzen in der Hand und in den drei letztenFingern.
1875: Zeitweise auftretende heftige Schmerzen im Verlaufedes n. ulnaris. Auf der Höhe der Anfälle Schwindel und Er-brechen.
Temperatur der rechten Hand 0,9° geringer als die derlinken. Verdünnung der Haut an den beiden letzten Fingernund blaurothe Verfärbung. Blasenbildung am Ulnarrande deskleinen Fingers. Schnelles Nagelwachsthum.
XVI. Schuss durch den Oberarm. Verletzung der art.brachialis, die sich selbst thrombosirt. 1883: Muskel-krämpfe in den Flexoren. Geringe Muskelatrophie.Trockene atrophische Haut der Hand, periodische Blasen-bildung, Wundsein zwischen den Fingern. Schnelles
Nagelwachsthum.
Nach einer bei St. Privat erhaltenen Sehusswunde desrechten Armes, welche nur die Weichtheile betraf und zweimit denselben verwachsene Narben eine Handbreit unter derAchselfalte und eine Handbreit über dem Ellenbogengelenkezurückgelassen hatte, fand sich am Neujahrstage 1871 bei demFeldwebel im 2. Garde-Regiment z. F. Wilhelm Grolischeine Lähmung des ganzen Armes mit Atrophie um 1 '/ä Zoll,objektivem Kältegefühl und livider Verfärbung der Haut. DieFinger waren steif und unbeweglich. Durch eine mehrwöchent-liche elektrische Kur wurde keine Besserung herbeigeführt.
4. Juli 1872: Erhebliche Abmagerung des rechten Vorder-arms, noch mehr der rechten Hand, deren Finger etwas ge-krümmt und aktiv unbeweglich sind.
Ellenbogen und Handgelenk frei beweglich. Von Neuemwar über ein halbes Jahr vergeblich der konstante Strom inGebrauch gezogen.
10. Mai 1883: G. klagt über starkes Kältegefühl, übereisige Kälte in Vorderarm und Hand und trägt dauernd einenwattegefütterten Handschuh. Periodisch treten krampfhafteZuckungen in den Fingern ein, welche in permanenter Krallen-stellung stehen. Bei diesen Zuckungen bohren sich die dickund schnell wachsenden Nägel in die Hohlhand ein, so dass
gewaltiger Schmerz entsteht. Zuweilen, namentlich im Winter,und wenn er die Finger stösst, bilden sich an den Fingern undin der Hohlhand mit Wasser gefüllte Blasen. Augenblicklichlässt sich eine solche eben eingetrocknete Blase am kleinenFinger sehen. Die Haut an der Hand ist verdünnt, blauroth,die Hand trocken und kalt. Patient wird häufig zwischen denFingern wund. Das Gefühl an den drei ersten Fingern er-scheint undeutlich, Berührungen mit dem Nadelkopf könnennicht richtig lokalisirt werden. An den beiden letzten Fingernfehlt das Gefühl ganz. Kitzeln in der Hohlhand ruft intensiveSchmerzempfindung hervor. Umfangsabnahme des Armes um1 bis 1 '/a cm. Die flektirten Finger können passiv ohne Schmerzgestreckt werden. Unterschied im Umfang der Mittelhand 2 cm.Schwund der musc, interossei. Von allen Fingern kann aktiv nurder Daumen zum Anfassen benutzt werden, er steht in leichterBeugestellung. Die arteria radialis ist im Vergleich zu demgleichnamigen Gefässe der andern Seite eng, die Welle in ihräusserst niedrig. Die brachialis war durchschossen und hatsich festgestellter Maassen auf dem Schlachtfelde thrombosirt.
XVII. Schuss durch den Vorderarm. Parese, Tremor,Brennen in den Fingern. Bläschenbildung an der ver-dünnten Haut der Hand.
Moritz Tietze, Oberjäger im Hessischen Jäger-BataillonNo. 11, verwundet bei Worth am 6. August 1870 durch Ge-wehrschuss durch den rechten Vorderarm, 2'/2 Zoll unter demEllenbogengelenk; Eintritt der Kugel an der Volarseite,Streifung der Speiche, Austritt am capitulum radii.
April 1871: Finger mit Ausnahme des Daumens und derRadialseite des Zeigefingers empfindungslos, ihre Beweglichkeitgering, zitternd und krampfhaft. Atrophie des Vorderarms um1 /3 cm. Hand nur langsam und zitternd zu schliessen, sie ver-mag nicht, etwas festzuhalten. Sie ist feucht und kalt, obwohlder Verwundete ein Gefühl von Brennen in ihr hat, ihre Hautverdünnt, geröthet und mit Bläschen bedeckt.
Nach einer elektrischen und Badekur in Wiesbaden keineBesserung.
Juli 1872: Beweglichkeit der vier letzten Finger freier,namentlich die Beugung. Patient vermag Gegenstände zufassen und leidlich festzuhalten. Das Zittern und die Mit-bewegungen beim Ergreifen sind geringer. Ernährung desVorderarms besser.
August 1873: Die Sensibilität in Vorderarm und Handfehlt, die Kraft der Hand gering.
XVIII. Kontusion der linken Schulter und Fall auf denEllenbogen. Schmerzen, häutig eintretende entzündlicheAnschwellungen des Armes. Monströse Vergrösserungder Hand (Elephantiasis). Periostitis und Nekrose einerEndphalanx.
Johann Heinrich Ernst Brems, geboren am 15. März1846, Gefreiter im 2. Pommerschen Dragoner-Regiment No. 9, er-hielt im Feldzuge am 28. Januar 1871 bei Ausübung des Dienstesals Hufschmied einen Hufschlag gegen die linke Schulter, welcherihn so zu Boden warf, dass er auf den linken Ellenbogen fiel.Seitdem konnte er den Arm nicht ordentlich heben und mitder Hand nicht ordentlich festhalten. Er kam ins Lazareth.Als er hier den linken Arm unter Aufbietung seiner Kräfte zugebrauchen versuchte, trat eine starke Anschwellung der Handauf. Man behandelte den Kranken mit Einreibungen und mitdem faradischen Strome und konnte ihn gebessert entlassen.