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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
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Band VIL

I. Abschnitt: Veränderungen an der Haut und deren Adnexen.

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III. Dystrophien an der Haut.

Am Anfang dieses Kapitels sind bereits zwei Fälle be-schrieben, in denen das Auftreten von Blasenbildung an dieExistenz einer Neuralgie gebunden war. Die Lazarethberichteund Invalidenakten erwähnen Dystrophien an der Hautausserdem noch in den acht nachstehenden Fällen. Bei Burg-hardt (XIII), der einen Schuss durch die Achselhöhle be-kommen hatte, trat die Blasenbildung an den Fingern unterdem gleichzeitigen Bestehen einer Neuralgie auf, ebenso beiJanssen (XIV) neben einer Ischias und bei Keller (XV)neben einer Neuralgie des Ulnaris. Reizerscheinungen be-standen auch bei Grolisch (XVI), Tietze (XVII) undBrems (XVIII). Nur in den beiden letzten Beobachtungenist nichts davon zu lesen, womit ihre Abwesenheit alserwiesen jedoch nicht zu betrachten ist. Mit den entzünd-lichen Veränderungen an der Haut ging mehrmals eineAtrophie der Muskeln einher, die, wie bei Burghardt undJanssen, nicht auf die Inaktivität zurückzuführen war, dasie schon nach 4 "Wochen bezw. unter dem Gebrauche derExtremität sichtbar wurde. Um eine als Elephantiasis be-zeichnete Erkrankung der Haut und des subkutanen Binde-gewebes, welche nach einer Kontusion der Schulter unddes Ellenbogens unter periodisch auftretenden entzündlichenSchwellungen eine monströse Vergrösserung der Hand ver-anlasste, handelte es sich in dem Falle Brems (XVIII).Während des Krankheitsverlaufs entwickelte sich einePeriostitis der Endphalanx des Zeigefingers mit Ausgangin Knochennekrose. Eulenburg sah nach Nervenver-letzungen der Extremitäten ganz dieselben Erscheinungenan der Knochenhaut, und Rosenthal erzählt, dassin einem ihm durch Dr. Herzog bekannten Falle ausdem Deutsch - Französischen Kriege nach einer Schuss-verletzung des n. peroneus an den Nagelgliedem ober-flächliche Gangrän der Weichtheile eintrat. Das malperforant du pied, welches sich bei Dostert (XX) nacheiner Ischiadicusverletzung einstellte, deuteten nach derAngabe Samuels/die Französischen Autoren Duplay undMo rat zuerst als Trophoneurose.Neuerdings ist in dieserKrankheit eine Neuritis peripherer Nervenäste direkt ge-sehen worden." Bei unserem Kranken bestand zugleicheine beträchtliche Blutstauung am Fusse.

Von einer symmetrischen Dystrophie ist, soviel be-kannt, bisher nur ein einziger Fall von S. Pozzi beschriebenworden. Nach einem Referat Bernhardt's handelte essich um einen Fall auf den rechten Ellenbogen mit gleich-zeitiger Luxation des rechten Oberarms. Hiernach stelltesich Lähmung der Muskulatur der rechten oberen Extremitätin verschiedenem Grade und verschiedenen Muskeln ein.

Neben diesen Erscheinungen und denen der Sensibilitäts-störung zeigten sich an den Fingern und der Hand rechtsauch trophische Störungen dünne, glänzende Haut, ge-krümmte Nägel, Bläschen-Eruption. Interessant war,dass auch an den Fingern und der Hand der linkenSeite, welche selbst ganz unverletzt geblieben war, eineeben solche Bläschenbildung, wie rechts, auftrat. Pozzileitet die Erscheinung von einem in Folge des Traumasim Rückenmark entstandenen Reizzustand ab, der sich auchüber die zunächst betheiligten Regionen derselben Seite hin-aus fortgepflanzt habe. (Centralblatt für die medizinischenWissenschaften, 1884, No. 8.)

XIII. Schuss durch die Achselhöhle. Neuralgie. Sehrbald Atrophie der Hand und ihrer Haut. Bläschenbildung.Fortbestand der Neuralgie. Bei totaler Armlähmung auchzwei Jahre später noch keine auffallende Atrophie desOber- und Vorderarms.

Hermann Burghardt, Gefreiter im 3. Hessischen In-fanterie-Regiment No. 83, erhielt am 21. November 1870 beiBrétoncelles einen Schuss durch die linke Achselhöhle.

Dezember 1870: Linke Hand sehr abgemagert, von bläu-licher Farbe, mit glänzender papierdünner Haut und mitBläschen an der Streckseite der Finger, der übrige Arm hatin der Ernährung nicht auffallend gelitten. Arm in allen seinenTheilen gelähmt. Neuralgie im Bereiche des plexus brachialis.

Februar 1871: Unerträgliche Schmerzen in der linkenHand. Morphium, Atropin, Eis, Wärme, Chloroform, Pulvérisa-teur alles nur mit temporärem Erfolge.

Da, wenn der Schmerz aufhört, der Mann einen vollkommenbrauchbaren Arm erhält, so konnte man sich weder zur Re-sektion des nerv, median, noch zur Exartikulation des Armesentschliessen."

Lazarethaufhahme am 2. Dezember 1871 : Ernährung deslinken Armes nicht auffallend gelitten, nur die linke Hand sehrabgemagert, bläulich gefärbt und mit papierdünner Haut. Armtotal gelähmt. Fortbestehende Neuralgie. Konstanter Stromohne Erfolg. Entlassen 2. Februar 1872.

XIV. Ischias traumatica mit herpesähnlichem Ekzem.

Johann Janssen, Unteroffizier im Oldenburgisehen In-fanterie-Regiment No. 91, verwundet am 16. August 1870 beiMars la Tour. Die Kugel drang an der äusseren Seite oberhalbdes linken Wadenbeins 5 Zoll unterhalb des Gelenks ein undging in derselben Höhe, nachdem sie einen 3 Zoll langenKanal gebildet, mitten in der Wade wieder heraus. Währendder Heilung, die bis zum 1. November dauerte, hatte J. dieersten 1'/a Monate heftig ziehende Schmerzen im Ober-undUnterschenkel, zuweilen auch im Fusse; es lag also wahr-scheinlich eine Verletzung des nerv, peroneus ext. vor.