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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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II. Kapitel: Trophoneurosen nach peripheren Verletzungen.

Band VII.

und J. Putnam resezirte ein einviertel Zoll langes Stückaus jedem Daumenzweige des n. medianus, worauf die ohnevorhergegangenes Trauma sich immer wiederholenden Pustel-bildungen an der Daumenkuppe aufhörten (Samuel). Auchin den Feldlazarethberichten aus dem Deutsch-FranzösischenKriege haben sich zwei eklatante Fälle gefunden, bei denenmit dem Nachlassen der neuralgischen Beschwerdendie Hautaffektion rückgängig wurde. In dem erstenFalle beschränkten sich die Hautveränderungen auf dasInnervationsgebiet des n. medianus, den das Geschoss ver-letzte, in dem zweiten auf das Gebiet des n. ulnaris, dessenBahn von den Schmerzen ergriffen war. Besonders interessantist die zweite Beobachtung noch dadurch, dass mit einemBecidiv der Neuralgie auch die Blasenbildung an der Hautwiederkehrte.

I. v. St., Lieutenant. Verwundet am 6. Dezember 1870durch eine Kugel, welche an der Innenseite des rechten Oberarmsdrei Querfinger breit über dem condylus int. hum. eintrat, denKnochen nicht verletzte, unter der Sehne des biceps durch undnach Aussen ging. Aufnahme ins 6. Feldlazareth IV. Armeekorps.

7. Dezember: Die ganze Radialseite der Volarfläche desVorderarms und der Hand bis zu den Fingerspitzen im höchstenGrade empfindlich.

9. Dezember: Profuse arterielle Blutung aus der Eingangs-öffnung.

II. Dezember: Wiederum starke Hämorrhagie, Unter-bindung der arteria brachialis.

12. und 13. Dezember: Wiederholte Blutungen aus demperipheren Ende der Arterie. Tamponade. Darauf keineBlutungen mehr. Die nach denselben geschwundenen Schmerzenin Hand und Fingern kehren am 16. Dezember in solcher Heftig-keit zurück, dass die leisesten Berührungen nicht ertragen werden.

17. Dezember: An der Volarfläche der drei ersten Fingererscheinen runde Blasen, deren Inhalt anfangs klar und serös,später trüb und eitrig wurde.

18. Dezember: Auch die Radialseite der Volarfläche desvierten Fingers nimmt an der Blasenbildung Theil. Vollkommenverschont ist die Ulnarseite dieses Fingers sowie der ganzefünfte Finger.

28. Dezember: Schmerzen geschwunden, die Bläschen ge-heilt, die Haut schält sich an den ergriffenen Fingern ab.

II. Grenadier Friedrich Zaun erhielt bei St. Privat inliegender Stellung eine feindliche Kugel, welche drei Querfingervon dem linken Unterkieferwinkel sich in den Hals bohrte undden Körper nicht verliess. Bluthusten und Lähmung des linkenArmes waren die nächsten Folgen.

28. September: Die Lähmung hat sich bedeutend gebessert.Pleuritis sin. et pericarditis. Hohes Fieber, kleiner schneller Puls.

14. Oktober: Heftige Neuralgie in der Bahn des n.ulnaris. sin. Enorme Schmerzen in den drei letzten Fingern derlinken Hand und Blasenbildung.

9. November: Fieberfrei.

2. Dezember: Druck auf den plex. brach, sin. schmerzhaft.Die Neuralgie ist so erheblich, dass Patient wiederholt vorSchmerz aus dem Bette springt und absolut schlaflos ist.

Morphium, Chloral, Kataplasmata.

21. Dezember: Abnahme der Schmerzen. Eintrocknungder Blasen.

28. April 1871: Neuralgie wieder eingetreten. Auch dieBlasen erscheinen von Neuem.

12. Mai 1871 : Schmerzen verschwunden, keine Blasen mehr.Seitdem ist von der Nervenaffektion in den Akten nicht mehrdie Rede.

Fischer in Breslau machte alsbald nach dem Kriegein der Berliner medizinischen Gesellschaft Mittheilung vonseinen Beobachtungen, welche sich auch über das zeitlicheAuftreten der trophischen Störungen nach peripheren Nerven-verletzungen verbreiteten. Die Haut und die mit ihr ver-bundenen Horngebilde erkranken hiernach am frühesten.Drei bis vier Tage nach der Verletzung stellt sich an denvon den getroffenen Nerven innervirten Theilen eine öde-matöse Schwellung ein; einige Zeit später gesellt sich dazueine rosige Röthe. Diese ist an der Rückenfläche derHand, des Fusses, der Finger und Zehen, an welchenTheilen sie fast ausschliesslich erscheint, beträchtlicher alsan der Innenfläche. Sie wird begleitet von den heftigstenSchmerzen, welche nur durch feuchte Kälte zu lindernsind. Als Ursache dieser Neuralgie konnte Fischer inzwei Fällen eine Neuritis nicht entdecken. Unmittelbar andiese Hautveränderungen reihen sich Veränderungen derNägel. Sie wachsen nicht mehr oder sehr langsam, fallenaus und ersetzen sich nicht, werden verunstaltet, rissig,geschrumpft, verdickt, lamellös zerklüftet, gezackt und un-regelmässig. Um dieselbe Zeit wuchern die Haare, werdenlang und üppig, sodann fallen sie aus und wachsen nichtwieder. Erst in späteren Zeiten treten Exanthembildungen,am häufigsten Ekzem mit kleinen Geschwüren auf, seltenEkthyma und Desquamationsprozesse, welche die Haut ingrossen Fetzen abheben oder sie kleienförmig abstossen.Herpes hat Fischer nie beobachtet. Das Endglied derKette der trophischen Störungen an der Haut bildet dieneuroparalytische Verschwärung. Sie tritt nicht früher alsMonate und Jahre nach dem Eintritt der ersten Ver-änderungen auf und ist wenigstens zum Theil traumatischenUrsprungs. In der Erklärung der Erscheinungen stehtFischer mit Samuel auf demselben Boden.

Schiefferdecker studirte im Winter 1870/71 an sechsVerwundeten, welche aus den Schlachten und Gefechtendes August und des ersten Septembertages 1870 stammten,die trophischen Veränderungen der Haut. Durchgängigfand sich eine erheblich grössere Dicke und Derbheit, einvermehrtes Haarwachsthum und eine eigenthümliche Nagel-deformität, welche dem Nagel bald eine grössere Wölbungverlieh, bald ihn in querverlaufende Terrassen, Thäler undWälle theilte. Als inkonstant zeigte sich eine intensiverePigmentirung und eine Abschuppung der Epidermis. Allediese Störungen bestanden aber nur bei Kranken, welchezugleich eine deutliche wenn auch verschiedene hochgradigeAtrophie der Muskeln erkennen Hessen. Schiefferdeckerneigt sich zu derselben Erklärung hin, welche Leyden fürdie wahrscheinlichste hält. Sie ist in Kürze folgende:Es