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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
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Band VII.

II. Abschnitt: Chirurgische Behandlung traumatischer Epilepsie.

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noch eine linsengrosse, leicht eiternde, von der Operation her-rührende Geschwürsfläche. Die früher angeblich stark ge-wulstete Schussnarbe soll von Dr. Brauns exzidirt sein. Diejetzige ist ziemlich glatt. Auf Druck ist sie empfindlich, ebensodie obere Wand der Augenhöhle. S. rechts = 5 /*¡- Das rechteAuge soll leicht ermüden. Narbe au der Zunge.

Letzter epileptischer Anfall am 14. Dezember 1881 nachAussage des Krauken und eines glaubwürdigen Mannes seinesHeiinathsortes.

Seit Januar 1882 fehlen Nachrichten über B., welcher iuHerleshauseu lebt. Dass es sich bei ihm um epileptische An-fälle handelt, ist durch die eigene Wahrnehmung der Dr .Dr.Dux, Spaugenberg, Wolff, Henueuhofer nachgewiesen.

LX. Schuss durch die linke Brust. Epilepsie S 1 /« Jahre

nach der Verwundung, wahrscheinlich herbeigeführt durch

Druck der zurückgebliebenen Kugel auf einen Interkostal-

nerven. Extraktion der Kugel ohne Erfolg.

Gustav Hermann, geboren am 11. September 184G,hereditär nicht belastet und vor seiner Indienststellung alsMusketier 2. Niederschlesischeu Infanterie-Regiments No. 47von Epilepsie frei, wurde am 6. August 1870 bei Wörth durchdie Brust geschossen. Die Kugel drang dicht unterhalb derMitte des linken Schlüsselbeins ein und war nicht ausgetreten.In den Lazarethen zu Hanau und Görlitz lag II. an einer links-seitigen Brustfellentzündung krank. Nach seiner Heilung4. April 1871 machten sich als Folgezustände der Kriegs-beschädigung motorische Störungen des linken Armes undSchmerzen im linken Schulterblatte bemerklich. Am 20. Juni 1872konnte die Kugel unter dem unteren Winkel des linken Schulter-blattes deutlich gefühlt werden. Die Herausnahme des Geschosseswurde verweigert. Ein Jahr später hatte sich die Gebrauchs-fähigkeit des Armes so weit gebessert, dass die Erwerbsfähigkeitnur wenig beeinträchtigt schien. Am 7. Februar 1874 trat H.mit der Behauptung auf, dass er seit einiger Zeit an Fallsuchtleide, und wurde er zur Feststellung dieser Krankheit am18. März 1874 in das Lazareth zu Görlitz aufgenommen. Kurznach der Aufnahme in Gegenwart des wachthabenden Arztesein heftiger epileptischer Krampfanfall. Noch an demselbenTage extrahirte man die in einer festen Kapsel liegende Kugel.Eine Viertelstunde nachher folgte ein Anfall von gleicher Heftig-keit wie der erste, am Nachmittage ein schwächerer. Dernächste ärztlich nicht konstatirte epileptische Insult sollte denKrauken in der Nacht vom 12. zum 13. April betroffen haben.Im Uebrigen war er im Lazareth bis zum 10. Mai frei vonseinem Leiden. Aber nach seiner Entlassung hatte schon am2. Juni 1874 ein Civilarzt Gelegenheit, sich von dem Fort-bestehen der Krämpfe zu überzeugen. Während der Jahre1875 und 1876 folgten sich die Anfälle in Zwischenräumen von814 Tagen.

LXI. Schuss durch die linke Schulter am 18. August 1870.Epilepsie, durch Aura von der verwundeten Schulter ein-geleitet. Excision der Narbe der Ausschussöffnung imAugust 1882. Heilung?

Bei der Untersuchung des ehemaligen Unteroffiziers des2. Garde-Regiments z. F. Karl Brinkmann, geboren am'7. Mai 1850, im Juni 1866 in den Militärdienst getreten undwährend dreijähriger Dienstzeit bis 8. Juni 1869 nachweislich

niemals epileptisch krank, angeblich auch früher relativ gesundund zu Nervenleiden durch seine Abkunft nicht prädisponirt,stellte der Stabsarzt des Bezirkskommandos Berlin am 18. Sep-tember 1882 auf Grund eines vorliegenden, die Verwundungbeweisenden Dienstbeschädiguugsattestes Folgendes fest:

B. hat am 18. August 1870 bei St. Privat einen Gewehr-schuss durch die linke Schulter erhalten. Er giebt an, dasssich seit seiner Verwundung Krampfaufälle bei ihm gezeigthaben, früher selten und Nachts, in den letzten Jahren häufigauch bei Tage. Die Anfälle beginnen mit einem deutlichenVorgefühl (Aura) in der verwundeten Schulter, au welches sichzunächst Krämpfe der Schultermuskulatur und dann völligeBewusstlosigkeit auschliesseu. Wegen dieser Zufälle hat B. imhiesigen Königlichen chirurgischen Poliklinikum Hilfe nach-gesucht. Daselbst ist ihm die Ausschneidung der auf der Mittedes linken Schulterblattes gelegenen Narbe der Ausschussöffnuugempfohlen und im August dieses Jahres auch ausgeführt worden.Seitdem sind ausgesprochene Krampfaniälle mit Verlust desBewusstseins nicht mehr aufgetreten ; nur noch zuweileu unan-genehme Empfindungen und krampfhafte Spannung in denMuskeln der verletzten Schulter, wie sie früher die Krampf-aniälle einleiteten. Ferner klagt er über leichte Ermüdungund beim Arbeiten eintretendes Zittern des linken Armes.

Die heutige Untersuchung des grossen, kräftig gebauten,muskulöseu, gesuud aussehenden Mannes, an dessen Brust- undBauchorganen sich nachweisbare krankhafte Veränderungennicht vorfinden, ergiebt kurz dieses: Die Narbe der Einschuss-öffuuug befindet sich auf der Mitte des linken Deltamuskels,ist empfindlich, nicht verdickt und mit den unterliegendenTheilen nicht verwachsen. Auf der Mitte der Rückenfläche deslinken Schulterblattes zeigt sieh eine schräg von oben nachunten und aussen laufende, 6 cm lange, '¡-¿ cm breite, blaurothe,besonders am oberen Ende hart anzufühlende Narbe, umgebenvon den Narben der Stichkanäle der ziemlich weitgreifendenNähte. Diese Narbe und ihre Umgegend ist nicht empfindlich,aber ziemlich stark gespanut uud nur wenig verschiebbar. DieBewegungen des linken Armes sind in allen Gelenken ganzfrei, seiu Umfang ist am Oberarm sowohl als am Unterarml.o cm schwächer als der des rechten.

Um die Dauer der Heilung zu überwachen, wurdeMitte Mai 188B (une erneute Untersuchung des Mannesvorgenommen.

B. behauptet, bis jetzt gesund geblieben zu sein. Die imAnfang dieses Jahres von Neuem auftretenden bedrohlichenZuckungen iu der Muskulatur des linken Oberarms habe er mitErfolg durch feste Umschnürung des Gliedes dicht unter derAchselhöhle mit einem Bindfaden bekämpft. Seit mehrerenMonaten verspüre er aber auch von den Zuckungen nichtsmehr. Der Invalide ist magerer als bei der vorletzten Besich-tigung und blasser; er macht einen verkommenen Eindruck.Für denselben führt er sein armseliges Dasein ohne Beschäftigungan. Dem Alkoholgenuss will er nicht ergeben sein. B. ist abereine sehr erregbare Natur, spricht viel und ungewöhnlich schnell,seine Bewegungen sind hastig und unruhig. Die Leistungs-fähigkeit des linken Armes soll in dem letzten halben Jahreerheblich gesunken sein, er ermüdet bei der Arbeit schnell undfängt an zu zittern. Links fällt der Händedruck bedeutendschwächer als rechts aus. Die kontrahirten Armmuskeln fühlensich links weniger hart und fest als rechts an. Die Umfangs-differeuzen sind dieselben wie am 18. September 1882.