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I. Kapitel: Traumatische Epilepsie.
Band VII.
der Narbe der Einschussöffnung und dem Knie Anästhesie. DerMann wurde am 3. Juni 1875 in das Garnisonlazareth Lötzenaufgenommen, weil er behauptete, seit einiger Zeit in Intervallenvon 2 bis 4 Wochen tonische und klonische Krämpfe der linkenKörperhälfte zu verspüren. Da er aber bis Ende des Monats vonKrämpfen freiblieb, erfolgte seine Entlassung. Am 7. April 1877wurde seine Wiederaufnahme verfügt und in der Nacht vom11. zum 12. April, am Morgen des 20. April und am 2. Mai 1877je ein ausgesprochener epileptischer Anfall koustatirt. DerKranke verweigerte die Exzision der Narben.
LT. Kontusion des rechten Unterschenkels durch Granat-splitter. Krämpfe in der Muskulatur des kontundirtenGliedes, welchen später allgemeine Krämpfe mit Verlustdes Bewusstseins folgen.
Der Musketier Friedrich ülzog, 8. Kompagnie 2. Posen-schen Infanterie-Regiments No. 19, wurde im Alter von 26 Jahrenvor Metz am 1. September 1870 durch einen Granatsplitter anden rechten Unterschenkel getroffen. Nach ernem militärärzt-lichen Atteste vom 5. Juni 1871 hatte er in Folge dieser Kon-tusion zunächst Krämpfe im rechten Fusse, welche sich nachund nach dem übrigen Körper mittheilten, bis sie endlich dasBild eines vollständigen epileptischen Anfalles annahmen. Der-gleichen Anfälle wurden 1871 zuerst im Lazareth zu Schlaweam 27. April, dann im Reservelazareth zu Stolp und im Garnison-lazareth zu Kolberg beobachtet.
Abgesehen davon, dass Mitte 1875 das Leiden die Erwerbs-fähigkeit des Mannes völlig aufgehoben hatte, demnach gewissin schwerer Form vorhanden war, und dass 0. noch heute inGrünewiese, Kreis Pleschen, lebt, ist aus den Akten nichts Ge-naueres über den Krankheitsfall zu ersehen.
LVI. Weichtheilschuss des linken Unterschenkels. 5 Monate
nachher erster epileptischer Anfall. Schwere Form der
Epilepsie mit Aura von der Wundgegend. Geringe
Besserung durch Kali bromat.
Am 7.Dezember 1870 traf den Füsilier Johann Kämpfer,Grossherzoglich Mecklenburgischen Füsilier-Regiments No. 90,eine feindliche Kugel in die Weichtheile des linken Unter-schenkels. Er wurde nach Heilung der Wunde mit einer durchXarbenkontraktur und Sehnenverwachsuug herbeigeführtenpartiellen Unbeweglichkeit des Fusses am 4. April 1871 aufUrlaub aus dem Lazareth entlassen. Bald darauf stellte sicheine Eitergeschwulst an der verwundeten Stelle ein, welcheinzidirt wurde. Am nächsten Tage, den 8. April 1871, ersterepileptischer Aufall. Die Krämpfe folgten sich anfangs instündlichen, später in täglichen Zwischenräumen und leitetensich durch ein Ziehen ein, welches von der Wunde bis in denUnterleib verspürt wurde. Im Mai 1871 fand Patient Auf-nahme im Garnisonlazareth zu Rostock. Auch hier kehrtendie Anfälle täglich wieder. Erst mit dem Gebrauch des Kalibromat. waren Intervalle von 3 bis 5 Tagen zwischen deneinzelnen Krampfanfällen. Im September 1871 war in Bezugauf die Häufigkeit derselben eine weitere Aenderung nicht ein-getreten. Daneben Funktionsstörungen des linken Fusses,lähmungsartige Schwäche, welche sich im Sitzen durch Gefühlvon Taubheit und Einschlafen des Fusses, im Stehen und Gehendurch Schmerz, diffuses Anschwellen des Gliedes unterhalbder Verwundungsstelle und leichtes Einknicken des Fusses,durch Gefühllosigkeit gegen Nadelstiche und niedrige Temperaturkuudgiebt. Die Strecksehuen der Zehen etwas verkürzt, dieBeweglichkeit im Fussgelenk beschränkt.
Zweiter Abschnitt.Chirurgische Behandlung traumatischer Epilepsie.
Das Interesse, welches sich an die chirurgische Be-handlung der Beflexepilepsie knüpft, lässt es gerechtfertigterscheinen, den operativen Fällen einen eigenen Abschnittdieser Abhandlung zu widmen. Die Geschichte der Epi-lepsie berichtet eine grosse Menge von Beispielen, dassdurch die Exzision einer Narbe, die Loslösung des narbigenGewebes von der zerrenden Umgebung, die Extraktion vonFremdkörpern, die Dehnung des gereizten Nervenstammes,seine Durch- und Ausschneidung die Krankheit geheilt seinsoll. Den in früheren Zeiten meist unglücklich verlaufenenAbsetzungen grösserer Glieder zur Beseitigung der Epilepsie
begegnet man in der neueren Literatur nicht mehr. Aus-gangs des Jahres 1877 theilte Echeverría 5 Fälle trau-matischer Epilepsie mit, welche durch die Trepanation(eine, wie Nothnagel sagt, in alten Zeiten in ausgedehn-tester Weise bei jeder der medikamentösen Behandlungwiderstehenden Epilepsie in Gebrauch gewesene Operation)entweder von den Anfallen befreit oder gebessert waren.Er erklärt den Trepan als das beste Mittel gegen die aufwirklichen Schädeltraumen beruhenden Formen der Epi-lepsie, während es bei den blossen Verletzungen der Weich-theile des Kopfes nach seiner Ansicht nur eines einfachen