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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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I. Kapitel: Traumatische Epilepsie.

Band VII.

XXIV. Schusswunde des rechten Schläfenheins. Kopf-schmerz und Schwindel. 3 Jahre später Epilepsie.

Georg Sostmann, geboren am 7. Januar 1848, wurdeals Grenadier der 8. Kompagnie Kaiser Franz-Garde-Grenadier-Regirnents No. 2 in der Sehlacht bei GravelotteSt. Privat am18. August 1870 von einem Projektil in der Höhe des Supra-orbitalrandes an den Schuppentheil des rechten Schläfenbeins ge-troffen. Die Kugel, dicht hinter dem rechten Ohr, schnitt manim Lazareth zu Leipzig aus. Die Heilung erfolgte nach Ab-stossung vieler Splitter des verletzten Knochens. Die Narbewar spontan und bei Druck sehr schmerzhaft. S. klagte überKopfschmerz und Schwindel. Anfang 1873 scheint dieWunde wieder aufgebrochen zu sein, denn nach einem ärzt-lichen Attest vom 1. Oktober des Jahres heisst es:DieWunde in der Schläfengegend ist bis heute noch offen undzeigt wallförraige Granulationen. Die Sonde stösst auf rauhen,höckerigen Knochen." Ausserdem hatte der Verletzte in demJahre wiederholt ganz plötzlich das Bewusstsein verloren undwar unter Krampfanfällen zu Boden gestürzt.

XXV. Streifschuss am Hinterhaupt. Schwindel.Gedächtnissschwäche. Epilepsie. Tod.

Von einem am 31. August bei Remilly erlittenen Streif-schuss am Hinterhaupt war bei dem Jäger Joseph Saal4. Bayerisches Jäger-Bataillon auf der Höhe dieses Knochenseine schräg nach rechts verlaufende, 2 cm lange, wulstige, un-behaarte , bei Druck schmerzhafte Narbe zurückgeblieben.Ende 1872 oder Anfang 1873 erster epileptischer Anfall.Oktober 1873: Fortwährend Schwindel, Gedächtnissschwäche,periodischer Verlust des Bewusstseins, epileptische Anfälle.

Februar 1877: Zustand unverändert.

Tod am 18. Dezember 1877.

XXVI. Granatverletzung des rechten Scheitelbeins.Kopfschmerz und Schwindel und 1 Jahr darauf Epilepsie.

Der Gefreite 4. Thüringischen Infanterie-Regiments No. 72,Friedrich Albert Sckaupt, 28 Jahre alt, bekam am 9. Februar1871 bei Beifort einen Granatsplitter gegen den hinterenunteren Winkel des rechten Scheitelbeins, in Folge dessen einSubstanzverlust des Knochens und eine demselben anhaftendeschmerzhafte Narbe zurückblieb. Nachdem während desJahres 1871 über Schwindel und Kopfschmerzen geklagt war,trat mit dem Beginn des Jahres 1872 konstatirte Epilepsie auf.

XXVII. Kontusion des Schädels durch einen Granat-splitter. Verdickung des Pericraniums. Epilepsie. Be-ginn derselben mit Schmerzen an der kontundirten Stelle.

Friedrich Harby, Musketier des Ersatz - BataillonsOstfriesischen Infanterie-Regiments No. 78, geboren am 2. Juli1846, war nach beigebrachten glaubwürdigen Zeugnissen vordem Feldzuge niemals epileptisch. Während der Belagerungvon Metz traf ihn ein Granatsplitter an das rechte Scheitel-bein. An dem locus affectus fühlte man später eine demKnochen aufliegende, konsistente, bei Druck sehr empfindlicheVerdickung. Sie schmerzte auch jedesmal vor Beginn derepileptischen Konvulsionen, welche durch ärztliches Attest desstellvertretenden Bataillonsarztes Dr. Tag vom 30. September1870 konstatirt waren. H., welcher noch (1883) an Epilepsieleidet und in Aurich lebt, will seit 1877 eine Abnahme desGedächtnisses verspüren.

XXVIII. Schussfraktur des rechten Stirnbeins ; schmerz-hafte Narbe. 1 Jahr 7 Monate später Epilepsie mit einerAura, von der Narbe aus beginnend.

Der 24 Jahre alte Füsilier der 12. Kompagnie 5. Thürin-gischen Infanterie-Regiments No. 94 Christian Karl Ludwigwurde am 8. Dezember 1870 bei Cravant gegen den Kopf ge-schossen und erlitt eine Fraktur des rechten Stirnbeins. NachHeilung dieser schweren Verletzung blieb im oberen Theile desStirnbeins rechterseits ein erheblicher Knochendefekt zurück,welcher das Tragen der militärischen Kopfbedeckung unmöglichmachte. Die Narbe war schmerzhaft. Im Juli 1872 beobachteteDr. Weissler in Pössneck bei dem Manne die ersten epileptischenZufälle, welche mit ziehenden Schmerzen in der Nai'be begannenund auf die Zerrung und den Druck derselben auf die mit ihrverwachsenen Hirnhäute zurückgeführt wurden. OberstabsarztDr. Wuttig fand um dieselbe Zeit die Narbe 4 cm lang, 3 cmbreit mit dünner gerötheter Haut bekleidet und bei Berührungsehr empfindlich. Auch der Amtsphysikus Dr. Münzel konsta-tirte die Krampfanfälle im Beginn des Jahres 1873.

L. lebt noch jetzt (1883) in Weira.

XXIX. Streifschuss am linken Scheitelbein. Schwindelund l'/> Jahre später Epilepsie.

Im Ausfallsgefecht bei La Malmaison am 21. Oktober 1870traf eine Kugel gegen das linke Scheitelbein des MusketiersJohann Obst, welcher bei der 5.KompagnieNiederschlesischenInfanterie-Regiments No. 46 stand. In dem Lazareth konntean demselben Tage eine Knochenverletzung nicht nachgewiesenwerden. Cerebrale Störungen fehlten ganz. AntiphlogistischeBehandlung. Das Allgemeinbefinden war ebenso, wie das Wuud-aussehen, bis zum 5. November ein so ausgezeichnetes geblieben,dass 0. in die Heimath evakuirt wurde.

In Lübeck zeigte sich aber, dass der Knochen doch verletztwar; es wurden hier im Laufe des Dezember 1870 wiederholtgrössere und kleinere Knochenfragmente entfernt. Dann erstschloss sich die Wunde und konnte am 26. Januar 1871 als gutvernarbt betrachtet werden.

Nachträglich hatte der Verwundete angegeben, dass dasgleich nach der Verletzung entstandene taube Gefühl an derrechten Brustseite und der rechten Unterextremität sich nacheinigen Tagen verloren habe.

Am 1. Oktober 1871 fand man am linken Scheitelbeineinen 3 /* Zoll langen und i / ¡ ¿ Zoll tiefen Knochendefekt. DieWunde war fistulös, man fühlte an ihrem Grunde eine rauheKnochentafel. Sehkraft, Hörvermögen und Gedächtniss zeigtenkeine Anomalien. Lähmungserscheinungen fehlten. Sensibilitätüberall normal, nur klagte O. über einen dumpfen ziehendenKopfschmerz an der verletzten Stelle bei Witterungswechselund über Schwindel, besonders beim Arbeiten in gebückterStellung.

Im Juli 1872 konstatirte Epilepsie.

XXX. Streifschuss der linken Stirnseite am 23. Dezember

1870. Aura von der Narbe ausgehend. Ausbruchszeit der

Epilepsie fraglich, wahrscheinlich im Sommer 1872.

Füsilier Ludwig Brandtner 11. Kompagnie Ost-preussischen Füsilier-Regiments No. 33, geboren am 12. August1847, wurde am oben vermerkten Datum bei Amiens durcheinen Streifschuss an der linken Stirnseite verwundet. ImLazareth zu Clermont beschrieb man die Verletzung als eine