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Traumatische, idiopathische und nach Infektionskrankheiten beobachtete Erkrankungen des Nervensystems bei den Deutschen Heeren in Kriegs gegen Frankreich 1870/71
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I. Kapitel: Traumatische Epilepsie.

Band VII.

verriethen, ist aus den vorliegenden Berichten nicht zu er-sehen.

Etwas häufiger als diese Form war Epilepsie imGefolge von Schädelverwundungen, welche zur Entwickelungcircumscripter, schwerer, chronischer Krankheitsprozesse desHirns und seiner nächsten Umgebung Veranlassung gegebenhatten. Wenn auch über die Natur der anatomischen Ver-änderungenbeideniMangel vollkommener Krankengeschichtenund Obduktionsberichte kaum mehr als Vermuthungen vonbald grösserer bald geringerer Wahrscheinlichkeit erlaubtsind, so fällt doch dieser Uebelstand darum nicht allzusehrins Gewicht, weil die wissenschaftliche Erfahrung verbürgt,dass eben alle Destruktionen und Neubildungen im Schädel-innern, Exostosen der inneren Knochentafel, Auflagerungenund Verdickungen der harten Hirnhaut, Tumoren, Blutergüsseund Erweichungsherde des Hirns mit epileptischen Zufällensich verbinden können. Ebenso gewiss erscheint es, dass allediese pathologischen Prozesse nicht selten den mechanischenSchädelverletzungen ihren Ursprung verdanken. Man istgewohnt, die mit Bewusstseinsverlust verbundenen Kon-vulsionen, welche die lokalisirten schweren Hirnleiden be-gleiten, in den klinischen Symptomenkomplex der Krankheiteinzureihen und spricht daher in solchen Fällen von einersymptomatischen Epilepsie". Aus der Feldzugskasuistikfallen in diese Kategorie nachstehende Beobachtungen:

IX. Granatsplitter gegen das rechte Scheitelbein am6. August 1870. Ausbruch der Epilepsie zwischen 19. Au-gust bis 13. Oktober 1870. Scheinbar leichte Verwundung.

Am 6. August erhielt der Musketier 3. NiederschlesischenInfanterie-Regiments No. 50 Franz Gladisch, geboren den26. September 1845, einen Granatsplitter gegen das rechteScheitelbein und einen Fleischschuss durch den linken Ober-schenkel. Während seines Lazarethaufenthaltes in Birstein vom19. August bis 13. Oktober desselben Jahres suchten ihn, nachdemer schon vorher von Schwindel geplagt war, die ersten epilepti-formen Krampfanfälle heim. Die Narbe am rechten Scheitelbeinerwies sich bei einer späteren Untersuchung klein und voll-kommen beweglich, die des rechten Oberschenkels ohne Bedeu-tung. Die Häufigkeit der Anfälle hat im Beginn der 80 erJahre zugenommen, so dass GL, welcher in Alt-Schliesa, KreisBreslau, lebt, nur zu leichter Arbeit fähig ist.

Nachträglich ist noch ermittelt, dass vor Eintritt der erstenepileptischen Anfälle das Allgemeinbefinden sich verschlechterte.Patient klagte über dumpfen Kopfschmerz, war unruhig undschlaflos. Die Pulsfrequenz war herabgesetzt und betrug wäh-rend mehrerer Tage 5865 Schläge in der Minute. Anti-phlogistische Behandlung.

Nach der Meinung des ordinirenden Arztes handelte essich um Hirndruck aus Anlass eines Exsudats auf der Oberflächedes Hirns bezw. seiner Häute unter dem rechten Scheitelbein.

X. Schuss gegen das linke Stirnbein. Knochendepression.Pachymeningitis externa purulenta. Heilung der Wundemit Knochendefekt. Schwindelanfälle. l'A Jahre nachher

Epilepsie.

Bei Gravelotte am 18. August 1870 traf den Gefreitendes 3. Rheinischen Infanterie-Regiments No. 29 Bernhard

Schmidt, 24 Jahre alt, ein feindliches Geschoss an den linkenStirnhöcker, zertrümmerte das Stirnbein dergestalt, dass dieFragmente die harte Hirnhaut verletzten und auf das Gehirnselbst einen Druck ausübten. Eine Zeit lang anhaltender Sopordeutete wenigstens auch auf Hirndruck hin. Als sich der Zu-stand unter Fieber verschlechterte, nahm man die Elevation derKnochensplitter vor und entleerte hiermit eine erhebliche Mengevon Eiter. Nach Entfernung des Eiters besserte sich Patient,die Wunde heilte allmälig mit Hinterlassung einer etwagroschengrossen strahligen Narbe, unter welcher man diePulsationen des Gehirns fühlte. Im Oktober 1871 klagte derKranke über Schwindelanfälle, welche ihn besonders nach Vorn-überbeugen des Kopfes befielen. Frühjahr 1872 die erstenepileptischen Anfälle. Weitere Daten unbekannt.

XI. Schussverletzung des rechten Scheitelbeins. Tiefe

Knochendepression. Vorübergehende Parese der linken

Körperhälfte. Epilepsie. Tod.

Gefreiter Wilhelm Becker 2. Garde-Regiment z. F.geboren am 17. Februar 1842, wurde am 18. August 1870 beiSt. Privat von einem Projektil an das rechte Scheitelbein getroffen.Das Geschoss hatte eine circumscripte Zertrümmerung deräusseren Knochentafel bewirkt; das rechte Trommelfell warzerrissen. Nach Heilung der Wunde blieb eine drei Zolllange Knochendepression von solcher Breite und Tiefe, dassman mit Leichtigkeit einen Finger hineinlegen konnte, so-wie Schwerhörigkeit, Ohrensausen und Schwindel zurück.Eine lähmungsartige Schwäche der ganzen linken Körperhälftehatte nur sehr kurzen Bestand. Später eine genaue Angabefehlt hier, sicher aber noch während des Jahres 1871 wurdeder Verwundete von Epilepsie befallen und soll im August 1875an dieser Krankheit gestorben sein.

XII. Schussbruch des linken Scheitelbeines. Halbseitige

Parese. Schwindelanfälle. 4 Jahre nachher Epilepsie.

Schwere Form.

Daniel Eigenwillig, geboren am 7. August 1844, rückteals Grenadier des 2. Schlesischen Grenadier-Regiments No. 11in den Krieg und wurde bei Mars la Tour durch ein Gewehr-geschoss am linken Scheitelbein verwundet. Als Folge dieserVerletzung blieb ein Loch in dem knöchernen Schädeldachevon Haselnussgrösse. Die harte Hirnhaut überdeckte hier einedünne, bei Druck sehr schmerzhafte Narbe. R. Arm und R. Beinin geringem Grade paretisch. Kopfschmerzen und häufigeSchwindelanfälle. 1874 Epilepsie.

Die Anfälle sind später so zahlreich geworden, dass E. nachAngabe des Ortsvorstandes 1883 fast täglich zu mehreren Malenvon ihnen heimgesucht wird.

XIII. Schussfraktur des linken Scheitelbeins. HalbseitigeParese. Schwindel. 3 Jahre nachher Epilepsie.

Karl Eduard Flechsig, Soldat des 6. Sächsischen In-fanterie-Regiments No. 105, wurde am 1. September 1870 beiSedan durch eine Kugel in der Mitte des linken Scheitelbeinsgetroffen. Das Geschoss extrahirte man. Der Knochen stiesssich in seiner Totalität ab; das Gehirn lag bloss zu Tage.

Am 17. September 1870 plötzlich heftiger Kopfschmerz.Gefühl von Steifigkeit in der rechten Gesichtshälfte, das Sprechenerschwert, Sprache lallend, Unvermögen zu schlingen, Schmerzenim rechten Beine, Flimmern vor den Augen, Funkensehen. Die