Band VIL
I. Abschnitt: Vorkommen traumatischer Epilepsie.
besinnlichkeit und melancholischer Verstimmung. Währenddes folgenden Jahres nahm die Zahl der Anfälle ab, die geistigeund körperliche Energie hob sich damit wieder. Ganz ver-schwunden war aber am 13. Juli 1875, an welchem Datum dieletzte militärärztliche Untersuchung des Kranken stattfand, dieEpilepsie nicht. Er lebt augenblicklich (1883) als Restaurateurin Hochfelden.
IV. Hirnerschiitterung durch Sturz; viertägige Bewusst-
losigkeit. Bald nachher Epilepsie bei einem hereditär
nicht belasteten Unteroffizier. Geistige Schwäche.
JohannWilhelmMölck, geboren am 22. September 1844,vorher gesund und ohne erbliche Anlage zu Nervenleiden, ein-gezogen als Lazarethgehilfe beim 4. Feldlazareth IX. Armee-korps, fiel am Abend des 7. April 1871 bei Ausübung desDienstes von einer steinernen Treppe und zog sich durch Auf-schlagen mit dem Kopfe eine Gehirnerschütterung zu, die ihn4 Tage lang bewusstlos machte und nur die eine Folge hinter-liess, dass sich bereits während seines Aufenthalts in ver-schiedenen Feldlazarethen wiederholt Krampfanfälle zeigten.Dieselben suchten ihn dann nach den vorliegenden Zeugen-aussagen auch später häufiger heim und versetzten ihn nachund nach in einen Zustand geistiger Schwäche, so dass er 1876den Eindruck eines beschränkten und stupiden Mannes machte.Er ist unter nicht näher zu ermittelnden Umständen am15. November 1881 gestorben.
V. Fall auf den Kopf.
3 Tage nachher erster epileptischerAnfall.
Der fast 23 jährige Dragoner der 4. Eskadron2. Brandenburgischen Dragoner - Regiments No. 12 JohannGottlieb Fischer fiel am 27. Februar 1871 bei Ausübungdes Reitdienstes auf dem Reitplatz bei Sanzay in Frankreichvom Pferde und mit dem Kopf zu Boden. Da er nach demFalle im Revier verblieb, ist anzunehmen, dass er keine Hirn-erschütterung mit Verlust des Bewusstseins davongetragenhatte. Am 1. März desselben Jahres stellte sich der ersteepileptische Anfall ein. Nach einer Verdickung der Knochen-haut zu schliessen, war durch das Trauma gerade die Höhe desScheitels contundirt. Im weiteren Verlauf der Epilepsie, welcheunzweifelhaft noch Mitte 1875 bestand, entwickelte sich Ge-dächtnissschwäche. F. lebt noch in Züllichau.
Nicht unwahrscheinlich ist es, dass in diese Kategorieauch folgende Beobachtungen gehören:
VII. Fall auf die Brust. Gleich darauf Epilepsie.
Der Unteroffizier Ludwig Masuthe vom 7. Brandenburgi-schen Infanterie-Regiment No. 60, welcher schon den Feldzug1866 mitgemacht hatte und bis zum 18. August 1870 frei vonEpilepsie gewesen war, fiel an diesem Tage heftig auf die linkeBrustseite. Nach dem Falle stellte sich sofort Erbrechen ein,gleich darauf folgten Krampfanfälle. Im Krankendepot No. 1zu Berlin, wohin der Mann evakuirt wurde, wiederholten sich dieKrämpfe fast täglich und wurden ärztlicherseits als epileptischeerkannt. Im letzten Halbjahre 1871 traten sie in längerenIntervallen auf, aber nach der Schilderung des Kranken in der-selben Vollständigkeit als früher. Auch 1872 bestanden siein grösseren Zwischenräumen fort. Im Jahre 1879 untersuchteStabsarzt Dr. Stricker den M. Es war an Zahl und Schwereder epileptischen Anfälle keine Verschlimmerung eingetretenund daher das Allgemeinbefinden ein ziemlich gutes.
Auch am 15. Mai 1883 war der Allgemeinzustand einrecht befriedigender. Die Krämpfe folgen einander angeblichin Intervallen von drei bis vier Wochen und fangen mit Nystagmusan. Die Organe der Brust sind gesund. Von drei Kindern leidetein fünfjähriges an Epilepsie.
VIII. Verletzung des rechten Scheitelbeins mit Depression
des Knochens. 24 Stunden darauf epileptischer Anfall,
später geistige Schwäche.
Den Grenadier Gerd Focken Daenekas, 2. KompagnieErsatz-Bataillons 1 .Garde-Regiments z. F., traf am 18. August 1870bei St. Privat eine Kugel an den Helm. Die Helmschraubeverletzte nur den knöchernen Schädel. Am 19. August 1870erster epileptischer Anfall. Aerztlicherseits wurde das Leidenin Courcelles, Villiers le Bel, Langensalza und Stargard kon-statirt.
Rechts in der Mittellinie auf der Höhe des Schädels fühlteman im Juni 1871 eine unbedeutende Vertiefung in dem Schädel-knochen. Mitte 1876, bis wohin alljährlich eine Untersuchungdes Mannes stattgefunden, konnte das Fortbestehen der Epilepsiebewiesen werden. Der Kranke zeigte zu dieser Zeit ein dummes,stupides Wesen, antwortete zögernd und schwerfällig und schieneine bedeutende Einbusse des Gedächtnisses erfahren zu haben.Er lebt noch jetzt.
VI. Commotio cerebri. 14 Tage später Epilepsie.
Dem Wehrmann Friedrich August Teichmann,früher stets gesund und namentlich niemals von Krämpfenheimgesucht, zerschmetterte am 6. August bei Wörth einGranatsplitter den Vorderhelm. Die dadurch erzeugte Gehirn-erschütterung war so heftig, dass er stundenlang völlig betäubtdalag. Nachher plagten ihn starke Kopfschmerzen. 14 Tagespäter befiel ihn zum ersten Male ein epileptischer Krampfanfall.Diesem folgte bald ein zweiter; ein dritter, Anfang März1871, führte ihn auf drei Wochen in ein Lazareth zu Orléans.Nach seiner Entlassung vom Militär nahm er eine Stellung alsstellvertretender Postunterbeamter an, musste dieselbe aber derhäufiger werdenden Krämpfe wegen aufgeben. Das Fortbestehender Epilepsie wurde 1875 durch protokollarisch vernommeneZeugen konstatirt.
Mit Ausschluss von Masuthe (VII), bei welchem vielleichteine Rückenmarkserschütterung als Krankkeitsmoment inFrage kommen könnte, handelt es sich in den angegebenenFällen wohl immer um Epilepsie als Folge einer reincerebralen diffusen Läsion ohne gröbere materielle Struktur-veränderung, vergleichbar der bei Thieren künstlich er-zeugten Epilepsie. Das Charakteristische dieser Krank-heitsform liegt in dem der mechanischen Verletzungunmittelbar oder doch schnell folgenden Eintritt der erstenKrampfanfälle. Ob die einzelnen Insulte auch durch denstereotypen Beginn in einem bestimmten Nervengebieteund durch den gesetzmässigen Ablauf der Krämpfe in deneinzelnen Muskelprovinzen ihre, nach der Meinung Noth-nagel' s hierdurch leicht kenntliche, cerebrale Herkunft
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