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Morbidität und Mortalität bei den deutschen Heeren und bei den in Deutschland untergebrachten kriegsgefangenen Franzosen
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Cnd U.

1. Abschnitt: Priedensmorbidität der Preussischen Armee in den Jahren 18(17 bis 1872.

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ixankenziffern innerhalb solcher aufeinanderfolgenden

lonate, während welcher die Zusammensetzung der Armeekeinen irgend merklichen Schwankungen unterworfen ist,

lerartigcn Betrachtungen zu Grunde zu legen. Weist in

lieser Beziehung schon die mittlere Krankenbewegungim Laufe des ganzen Jahres unabweisbar auf die Temperatur

als das direkt oder indirekt eigentlich entscheidende'itterungseleinent hin, während jede konstante Beziehung[zu Niederschlägen, Luftfeuchtigkeit etc. fehlt, so wird beidem Kälteextrem insbesondere diese Regel dadurch auf dasNachdrücklichste bestätigt, dass eine Verschiebung in derzeitlichen Lage jenes Temperaturextreins nach dem Februarn eine analoge Verschiebung des Maximums des Kranken-zuganges zur Folge hat.

Während der Jahre 1867 bis 1872 wies nur einmal,im .lahre 1870, der Februar die niedrigste Durchschnitts-temperatur (im Verein mit der geringsten Niederschlags-

lenge) auf; das genannte Jahr ist zugleich das einzige,in welchem der höchste Krankenzugang in den Februar fiel.Dass eine Verschiebung des Temperaturextreins nachlern Dezember hin eine gleiche Verschiebung des Krankheits-

laximums nicht zur Folge hat,') würde für die Jahre1807 bis 1872 schon darin eine Erläuterung finden, dass

wenigstens in den genannten Jahren auch eine höherelanuar-Temperatur im Vergleich zum Dezember doch stets

rit einer geringeren Niederschlagsmenge verbunden war.Minder einfach ist das Verhältniss der Gesammt-

lorbidität zum Wärmeextrem. Dieser Unterschied wirdleicht verständlich durch die später 2 ) zu detaillirende That-

iche, dass im Januar nahezu ausnahmslos alle Krankheits-formen im Verhältniss zur Kopfstärke zunehmen, währendim Juli einigen in aufsteigender Bewegung begriffenen

iiehrere im Niedergang befindliche gegenüberstehen. Dadie Höhe der Gesammtmorbidität das Resultat des Aus-gleichs zwischen den Wellenbergen der aufsteigenden undden Wellenthälern der absteigenden Gruppen repräsentirt,so ist offenbar in dieser Hinsicht eine grosse Mannigfaltig-keit möglich. Daraus erhellt schon theoretisch, was durchInen Vergleich der Morbiditätstabelle 11 mit den Witterungs-

ibellen XI und XI 1 lediglich bestätigt wird, dass alle

r ersuche, die Gesammtmorbidität im Juli zur TemperaturDder zu den Niederschlägen oder zu beiden Momentenzusammen ohne Weiteres in Beziehung zu setzen, als ver-fehlt betrachtet werden müssen. 3 )

üeberhaupt soll mit Obigem nicht entfernt gesagt sein,lass die Temperatur an sich oder auch nur die Witterungüberhaupt an sich es sei, welche über Gesundheit und

!) Nach dein vorher Gesagten können, da die Rekruten-Einstellung|m 4. Quartal stattfindet, Januar und Dezember eines und desselbenlahrcs nicht eigentlich mit einander verglichen werden, wohl aberder Januar eines Jahres mit dem Dezember des vorangegangenen.

2 ) Siehe 8. 16 dieses Bandes.

3 ) Dass dies bei einzelnen Krankheitsgruppen anders sein dürfte,Bielie S. lil dieses Bandes.

Krankheit entscheidet. Nichtder Witterungscharakter"sondernder Witterungscharakter und dessen Kon-sequenzen" wurde vorstehend als dasjenige Moment an-gesprochen, welches allein so allgemeine Einwirkung ent-falte, dass die Allgemeinheit der Morbiditätsvorgängefüglich damit in Beziehung gesetzt werden könne. Unzähligsind die Mittelglieder, welche zwischen dem Witterungs-charakter als letzter Ursache und der Morbidität alsSchlusseffekt sich einschieben und nach Art jeder causaproxima denEinfluss der causa remota verwischen können,ohne ihn darum zu eliminiren. Wenn für eine Erkrankungs-form die durch die Jahreszeit dargebotenen Nahrungsmittel,für eine andere die Schwankungen im Wassergehalte derFlussläufe und des Bodens, für eine andere eben diese odersonstige gedeihlichere Bedingungen zur Entwickelung einesMikro-Organismus, wieder für eine andere die nach Tem-peratur etc. sich ändernde Art zu wohnen und sich zukleiden das unmittelbar Maassgebende sein mögen, sobleibt freilich die Aufgabe bestehen, diese nächsten, dermenschlichen Einwirkung bei Weitem zugänglicheren Krank-heitsursachen im Einzelnen zu ermitteln, die rein sta-tistische Betrachtung und der ziffernmässige Nachweis, inwelcher Hinsicht ein l'arallelismus oder Antagonismuszwischen Morbidität und anderen Naturerscheinungen ob-waltet, wird aber dadurch nicht überflüssig. Im VI. Bandedieses Berichtes ist an einem Beispiele gezeigt, wie intensivdie zeitlichen Schwankungen einer Erkrankungsform an dieJahreszeit gebunden sein können, 1 ) ohne dass Jemandernstlich gesonnen sein wird, die Schwankungen geradederjenigen Form, welche dort der Erörterung unterzogenist, aus der Temperatur oder einem anderen Witterungs-momente an sich erklären zu wollen.

Um Missverständnisse nach Möglichkeit auszuschliessenund auch den Schein des Vorgreifens im Irtheil zu ver-meiden, erscheint es daher am richtigsten, lediglich zusagen: die Schwankungen der Gesammtmorbiditätsowohl als der einzelnen Erkrankungsformen 2 )sind in der Civilbevölkerung ebenso wie in derArmee an die Jahreszeit gebunden, dergestalt,dass daneben jeder andere, besondere Einfluss inMittelwerthen vollständig verschwindet. Das Be-sondere herauszusuchen, wodurch jede Jahreszeit Höheund Charakter der Morbidität eigentlich bestimmt, d. h. dieMittelglieder zu erkennen, welche jenen Effekt im Ganzenwie im Einzelnen schliesslich herbeiführen, ist Gegenstandweiterer krankheitsätiologischer Untersuchungen; die That-sache aber, dass die regelmässigen Schwankungen, welchedie Gesamintniorbidität im Verlaufe des Jahres erfährt, nichtdurch das An- und Abschwellen einer einzelnen Krankheits-forni herbeigeführt werden, sondern immer auf einer im

') Vergl. y. 36 im ersten Kapitel (Pocken) des VI. Bandes diesesBerichtes.

2 ) Betreffs der einzelnen Erkrankungsfarmen siehe das Folgendeunter I. B. dieses Abschnittes.