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Morbidität und Mortalität bei den Deutschen Heeren und bei den in Deutschland intcrnirten kriegsgefangenen Franzosen. Band i]
In dieser Beziehung sei darauf hingewiesen, dass eswenigstens bei der Militär Statistik kein gänzlich einwand-freies Verfahren ist, die Temperatur verschiedener Jahreund die Morbidität einfach nebeneinander zu stellen, weilselbst in zwei aufeinander folgenden Jahren die Armee zu mehrals einem Viertel ihrer Durchschnitts-Kopfstärke aus anderenIndividuen zusammengesetzt ist und innerhalb dreier Jahrefast ihren ganzen Menschenbestand wechselt. Wenn auchdieser Umstand bei grossen Zahlen und langen Zeiträumennicht von entscheidender Bedeutung sein mag, so dürfte erdoch unter Umständen ausreichen, um kleinere Differenzenzu verdecken oder selbst zu verschieben. Für den MonatJanuar der Jahre 1867 bis 1872 stellen diese Verhältnissesich folgendermaassen:
Monat Januar
Gesammt-
Jahr Temperatur 1 ) Krankeuzugang Niederschläge 1 )
(°R) (sVK-) (Pariser Linien)
1868 .... —0.95 181.9 22.%
1869 .... — 0.2« 153.1 11.241867 .... —0.20 124.5 33.41
1870 .... +0.36 138.7 9.29
1872 ....+1.0 138.9 9.87
Zieht man zunächst nur die Temperatur in Betracht,
so zeigen die Jahre 1867, 1868, 1869 unter sich eine
vollkommene Uebereinstimmung in dem Sinne, dass der
niedrigeren Temperatur eine höhere Morbidität entspricht.
Stelle nicht unerwähnt, dass in der Engel'sclieu Arbeit über „dieGesundheit und Sterblichkeit der Königlich Preussischen Armee indem 18jährigen Zeitraum von 1846 bis 1863" (Zeitschrift des KöniglichPreussischen Statistischen Bureaus, Jahrgang 1865 No. 8 und 9) dieVerhältnisse sich etwas anders darstellen. Danach betrug der durch-schnittliche Gesammtzugang während des genannten Zeitraumes imMonat
Januar........119 ö ° 0 K.
Februar.......102 , „
März........112 „ „
April........105 „ „
Mai.........116 . ,
Juni........181 „ ,
Juli........121 , ,
August.......119 „ „
September......101 „ „
Oktober....... 98 „ „
November......112 „ „
Dezember......109 „ „
Summe 1336,% K.Das absolute Maximum Hei also nicht in den Winter, sondern inden Sommer. Ks muss dahingestellt bleiben, worauf dieser Unter-schied beruht. Dass neuerdings die oben im Text dargelegten Ver-hältnisse durchaus konstant sind, wird auch für die Jahre 1873 bis1882 durch die Friedens-Sanitäts-Berichte bewiesen. Bei allen prin-zipiellen Differenzen zwischen den Resultaten älterer und neuerermedizinischer Statistiken wird nicht vergessen werden dürfen, dassdas Grundmaterial im Allgemeinen von Jahr zu Jahr an Zuverlässig-keit zunimmt in dem Maasse, wie das Verständnis» für die Be-dürfnisse einer rationellen Statistik auch in weiteren Kreisen wächst') Mittel der in Tabelle XI und XII aufgeführten Stationen.
Gänzlich abweichend davon aber erscheinen die beidenReihen 1867 bis 1869 einerseits, 1870 und 1872 anderer-seits untereinander, insofern die Morbidität während dewarmen Jahre 1870 und 1872 eine relativ hohe war, jedenfalls höher als in dem beträchtlich kühleren Jahre 1861
Die Erklärung dürfte in der Uebersicht der Niederschlage gefunden werden, welche deutlich zeigt, dass ditJahre 1870 und 1872 gegenüber den Jahren 1867 bis 186!trockene Jahre gewesen sind. Der schon von Caspeaufgestellte, später öfter bestrittene Satz, dass trocken*Kälte in dem Klima Norddeutschlands die Gesundheiam meisten gefährde, wird dadurch lediglich bestätigtEs muss jedoch hinzugefügt werden, dass er ziffernmässi; ■nur für das Extrem, welches eben gewöhnlich in de:Januar fällt, zu beweisen ist, und dass es vorlautdurchaus dahingestellt bleiben muss, welches Quantinvon Niederschlägen im Stande ist, eine Erniedrigung dtTemperatur um eine bestimmte Grösse in ihrem Einflaauf die Gesundheit auszugleichen. Da demnach zur Zenur im Allgemeinen gesagt werden kann, dass Temperati!plus Niederschläge die Höhe der Morbidität im Jamr, c j eillbestimmen, wird es eben so häufig möglich sein, eine ei: niaxiiseitige Beziehung zur Temperatur allein oder zu dt j 8(17Niederschlägen allein herauszurechnen, wie es angärig weni«sein wird, solche Ermittelungen aus anderen Jahrgängen; Jana,widerlegen. m j r ,
Unterwirft man beispielsweise die Verhältnisse iFebruar der genannten Jahre einer Prüfung nach dies morbRichtung, so kann, wenn lediglich die Jahre 1867 bis IS leiebeinerseits, oder 1870 und 1872 andererseits zu Grum Sachegelegt werden, eine anscheinende direkte Abhängigii fornnvon der Menge der Niederschläge demonstrirt werden »im tdem Sinne, dass der grösseren Feuchtigkeit eine geringe» mehrMorbidität entspricht. j die 1
Monat Februar gleich
im Ji
tempimengin wt
Gcsainmt-
Jahr
Niederschläge
Krankenzugang
Temperatur
(Pariser Linien)
Co K.)
(° R)
1867 .
. . . 25.29
104.2
+ 3.55
1869 .
. . . 21.94
138.0
+ 4.16
1868 .
. . . 17.17
154.6
+ 3.27
1872 .
. . . 11.44
126.2
+ 1.55
1870 .
. . . 2.80
141.8
— 4.21
Keineswegs aber ergiebt sich eine solche Abhängigstwenn das Jahr 1870 mit dem Jahr 1868 in Parallele <stellt wird, ohne dass alsdann die Temperatur einen älliehen Aufschluss giebt, wie ihn im Januar die Niederschlsbei Zugrundelegung der Temperatur als hauptsächlichstätiologischen Momentes ertheilten.
Statistisch richtiger als diese Nebeneinanderstell!derselben Monate verschiedener Jahre dürfte eswenigstens bei militärischen Ziffern — aus dem oldargelegten Grunde sein, das An- und Abschwellen
dassüber]
im 4.jjahreder J
siehe