dürfnisse erleichterte — in mancher Hinsicht unter vielleichtnoch besseren Verhältnissen gewirkt. Der Umstand, dassdie meisten der zur Einschliessungs-Arinee gehörigen Armee-korps Monate lang in derselben Gegend verweilten, be-günstigte auch bei den Lazarethen — welche an den inner-halb der Armeekorps vor sich gehenden kleineren Truppen-verschiebungen nur ausnahmsweise Theil nahmen — stabilereEinrichtungen. Da meist eine ausreichende Reserve nichtetablirter Sanitätsanstalten zu Gebote stand, brauchte dieSanitätsleitung nicht wie bisher vor Allem darauf bedachtzu sein, etablirte Lazarethe für neue Verwendung frei zumachen. Der Verwundeten-Zugang blieb überdies einmassiger, und der Kranken-Zugang — obwohl Typhus undRuhr auch hier zahlreiche Opfer forderten — erreichtewenigstens keineswegs die gleiche Höhe wie bei der Ein-schliessungs-Arinee vor Metz; immer zahlreicher und zweck-mässiger eingerichtete Kranken-Depots 1 ) endlich entlastetendie Feldlazarethe. So ergab sich für letztere mehr nochals vor Metz die Möglichkeit, ihren einmal aufgenommenenPflegebefohlenen die mit erneutem Transport und öfteremWechsel des Sanitätspersonals unabweislich verbundenenMühsale zu ersparen, vielmehr nach Art stehender Kriegs-lazarethe Verwundete und Kranke so lange in eigenerPflege zu behalten, bis letztere entweder geheilt zu ihremTruppentheil entlassen oder als Rekonvaleszenten in dieHeimath evakuirt 2 ) werden konnten. Der dichte. Kranzetablirter Feldlazarethe, welcher die eingeschlossene Haupt-stadt in dem Rayon zwischen der Linie der Deutschen Vor-posten und der rückwärtigen Grenze der Cernirungstruppenumgab, 3 ) gestattete zugleich, Verwundete meist unmittelbarvom Gefechtsfelde in geordnete Lazarethpfiege überzuleiten.Die Unterbringung der Kranken erleichterte wesentlichder Reichthum der Umgebung von Paris an besseren Wohn-häusern, Villen, Schlössern, Instituten aller Art. Warenauch viele Gebäude vor Ankunft der Deutschen Truppenin einen Zustand versetzt, welcher sie für Zwecke derKrankenpflege ungeeignet machte, so blieben doch nichtwenige übrig, welche allen unter Kriegsverhältnissen füglichzu stellenden Anforderungen entsprachen. In Folge dieserGunst der Umstände kam es vor Paris trotz der grösserenStabilität der dortigen Lazarethe und obwohl das Materialdaselbst leichter zu beschaffen gewesen wäre, als bei Metz,nirgends zur Aufstellung von Baracken. Hier und da fandensich bereits improvisirte Lazaretheinrichtungen vor; an an-deren Orten förderten zurückgebliebene Eigenthümer die Be-mühungen des Sanitätspersonals. Am ungünstigsten lagen dieUmstände in den von allen oder fast allen Bewohnern ver-lassenen Orten, in welchen — ähnlich wie vor Metz —erst Häuser erbrochen, Geräthe von weit her zusammen-
!) Vergl S. 64.
2 ) Die Evakuation aus den Lazarethen vor Paris war wegenmangelnder Eisenbahnverbindung anfangs sehr erschwert. Vergl. dasKapitel „Krankenzerstreuung''.
3 ) Siehe Karte No. V.
geholt werden mussten. Auch unter solchen Verhältnissenaber gelang es meist rasch, das Nöthigste zusammenzubringen.Insbesondere fehlte es selten, in Folge des Vorhanden-seins zahlreicher grosser Pensionate aller Art, an Bettenund Matratzen, deren geringe Maasse — da bei ihrer Her-stellung nicht die Benutzung durch Deutsche Krieger insAuge gefasst war — allerdings zuweilen neue Verlegenheitbereiteten.
Die hygienischen Zustände der Etablirungsorte zeich-neten sich namentlich vor dem grösseren Theil derjenigenum Metz vortheilhaft aus. Nirgends hatten die Lazarethemit den Schwierigkeiten zu kämpfen, welche sich dort ausder Notwendigkeit der Wundbehandlung in unmittelbarerNähe eines blutgetränkten, mit verwesenden Stoffen allerArt bedeckten Bodens ergaben. Nicht wenige Lazareth-einrichtungen vor Paris lagen inmitten von Parks , Gärtenoder auf luftigen Anhöhen. Als Uebelstand machte sichfreilich geltend, dass die weiten Säle manches Institutesoder Schlosses keine so ausgiebige Ventilation ermöglichten,als die Krankenanhäufung daselbst erheischte, wahrendanderwärts die Nothwendigkeit, die Kranken auf eine grössereZahl kleinerer, räumlich oft weit auseinander liegenderGebäude zu vertheilen, das Personal zersplitterte und dieKräfte desselben übermässig in Anspruch nahm. Dazukam,dass viele sonst zweckmässige Gebäude — namentlich zahl-reiche Villen — keine oder nur unzureichende, oder auchzerstörte Heiz Vorrichtungen besassen, — ein Uebelstand,welchen der strenge Winter des Kriegsjabres doppeltempfindlich hervortreten liess.
Auch die Verpflegungsschwierigkeiten waren in denLazarethen vor Paris im Allgemeinen geringer als auf denmeisten übrigen Kriegsschauplätzen. Requisitionen, staat-liche Depots und Magazine vermochten — namentlich in derspäteren Zeit der Einschliessung — eine ausreichende Be-köstigung der Kranken zu sichern; die Hauptdepots der frei-willigen Krankenpflege zu Meaux und Versailles mit zahl-reichen Zweigdepots kargten daneben nicht mit der Zu-wendung etatsinässiger und ausseretatsmässiger Lebens- undErfrischungsmittel. Die Beschaffung von Wasser hingegenwar vielfach auch bei den Lazarethen mit den grösstaSchwierigkeiten verknüpft.')
In gleicherweise erleichterte das Verharren der Truppe«in denselben Stellungen den Ersatz der Arzneien, Insiitmente und Verbandmittel aus den nachgerückten LazarettReservedepots.
Als am 19. September das V. Armeekorps im Aormarsche auf Versailles bei Petit Bicetre und Chätillon »Gefechte 2 ) verwickelt wurde, etablirte das 2. Sanitätscletache-ment V. Armeekorps im Verlaufe des Gefechts einen } er-bandplatz bei Villacoublay. Die Verwundeten dieses Ge-fechts wurden, nachdem Versailles durch das V. Armee-
i) Vergl. Seite 75.
2 ) Vergl. Generalstabswerk II, S. 65 ff.
korps besetzt wordtdetacliements V. JDahin wurden auchfechts bei Petit BicAufnahms-Feldspitalvon La Motte quanDie erste Hilfe leisden genannten I3. Bayerische Sanitieinen Verbandplatzkorapagnie unterstütdie hier befindlichernahrns-Feldspital IIselben Tage gab (Thiais und Chevillyknips Anlass zur 1helle Epine.
Zur Unterbringiwurden noch an dei12. Feldlazareth V.lazareth VI. Armee!das 8. Aufnahms-FelCroix de Bernis, wesiedelte. (Siehe unt
Wahrend der Gu-mber 1 ) etablirte äikorps einen Verbam2. SanitätsdetachemeAnlässlich des Gef<schlug wiederum dikorps einen Verbandes 2. und die 2. Seinen bei Chevilly, idetachements bei 11
Die Deutschentheils in den schonBailies (12. V.) undnähme, theils in diChevilly in der Nähin Orly etablirten 4.unten.) 97 Verwuiudie Behandlung dewelches am 1. Oktolstationirt ward. 130. September wurdivom Gefechtsfelde :Französische Ainbula
Ausser den vierder Pflege der Vengelangten im Septem
') Vergl. Generaist2 ) Vergl- Generaist