Bund 1.
I. Abschnitt: Aufmarsch.
93
Pfalz aui 7. August Abends zur Aufnahme von 200 er-warteten Verwundeten einzurichten. Hierzu geeigneteLokalitäten boten das auf freiem Platze gelegene neueBchulhaus und das in der Nähe befindliche ehemaligeWaisenhaus. Beide Häuser fanden sich zum grösserenTheil schon durch etwa 300 Marode Deutscher Truppenbesetzt; die Mehrzahl dieser Zurückgebliebenen konnteiedoch am 8. August ihrem Truppentheil nachrücken, denRest vertheilte man auf benachbarte Ortschaften. In denBaien des Schulhauses, sowie in einigen PrivatwohnungenLurde alles zur Aufnahme der angesagten VerwundetenNöthige vorbereitet und das Spital von der Einwohnerschaftdes Städtchens reichlichst mit Verband- und Labe-Mittelnversehen. Die erwarteten Verwundeten trafen zwar nichtein. an ihrer Stelle jedoch zahlreiche innerlich Kranke undFusskranke. Letztere wurden ebenfalls in die nahen Dörferverlegt und von den Aerzten des Spitals besucht. Am14. August führte man die leichteren Kranken in dasHaupt-Feldspital No. 5 nach Bretten über, einige nichtTransportfähige verblieben in Behandlung eines Civilarztes.Am 14. August marschirte das Spital ab.
Das 7. Feldlazareth XH. (Königlich Sächsischen) Armee-korps musste sich am 2. August Abends 7 Uhr, so-gleich nach seiner Ausschiffung, in der Unteroffizierschulezu Biebrich etabliren, brach aber schon Tags darauf,nachdem es 36 aufgenommene Kranke in anderweitigePflege abgegeben hatte, zu seinem Armeekorps auf.
Während des Aufmarsches des WürttembergischenKontingents wurden der 1.. 2. und 3. Feld-Sanitätszug 1 )damit beschäftigt, die vorübergehend Marschunfähigen undErkrankten aufzunehmen, nachzuführen, zu verpflegen undnöthigenfalls an die nächsten Lazarethe abzugeben; dem4. Feld-Sanitätszuge wurden die Krankentransporte nachBruchsal,-nach der am rechten Rheinufer gelegenen Eisen-bahn-Grenzstation Maxau in Baden etc. übertragen. Auchdas 6. Württembergische Feldspital erfuhr am 1. Augustiu seinem Marsche eine Unterbrechung; dasselbe musstesich in Bruchsal einrichten und bis 23. August 243 Kranke,einschliesslich 55 Verwundete, aufnehmen.
Bei der IL Armee war es vorzugsweise das Lazareth-Reservepersonal, welches Marschkranke zu verpflegen hatte.Namentlich geschah dies in Alzey, Worms und Neustadt a.D.seitens des Lazareth-Reservepersonals XU. (KöniglichBächsischen) Armeekorps, ferner in Kaiserslautern, Neuen-kirehen und Umgebung, Zweibrücken, Homburg i. Pfalz,Bt. Ingbert.
! ) Die Württembergischen Sanitätszüge entsprachen den Preussi-Khen Sunitatsdetachements. Vergl. Kapitel 1, Abschnitt 3.
Einige dieser Einrichtungen gelangten in Folge derkriegerischen Ereignisse zu grösserer Bedeutung und werdendeshalb später noch Erwähnung finden.
In der Grossherzoglich Hessischen Stadt Alzey be-gann die am 4. August daselbst eingetroffene 1. SektionLazareth-Reservepersonals XII. Armeekorps die Einrichtungeines Etappenlazareths und vereinigte am 5. August diebereits vorhandenen, bisher von Civilärzten behandeltenKranken in der günstig gelegenen, für 50 Kranke Raumbietenden Volksschule. Alles für die LazaretheinrichtungErforderliche musste, da das Personal vorschriftsgemässkein eigenes Material besitzt, von der städtischen Behördeerbeten werden, wodurch notwendigerweise die ökono-mische Ausstattung eine Verzögerung erlitt, obschon diedortige freiwillige Krankenpflege sich rührig betheiligte.Gleichzeitig war auch die Umwandlung der Realschule inein für 65 Kranke ausreichendes Lazareth betrieben worden,welches man vom 7. August an ebenfalls mit Kranken zubelegen begann. Die meisten Kranken, welche in AlzeyAufnahme fanden, kamen direkt von der Truppe, einkleinerer Theil aus Civil-Krankenanstalten der von denmarschirenden Truppen berührten Ortschaften. Die Ent-lassung transportfähiger Kranker gestaltete sich an ein-zelnen Tagen ziemlich umfangreich; so wurden am 5. August111 Kranke unter ärztlicher Begleitung nach Mainz über-geführt.
Am l'J. August verliess das Personal mit zwei ihmzugetheilten Pflegerinnen des Sächsischen AlbertvereinsAlzey, konnte sich aber in Folge von Bahnstockungen um-so langsam vorwärts bewegen, dass es ihm erst am 22. Augustgelang, in Reinilly, der damaligen Endstation der Bahn,zugleich mit der 2. Sektion Lazareth-ReservepersonalsXII. Armeekorps ausgeschifft zu w T erden. Mit letzterer setztees an demselben Tage seinen Marsch zu Fuss nach Pontä Mousson fort und gelangte über St. Mihiel, wo die2. Sektion behufs Uebernahme eines Etappenlazareths ver-blieb, am 3t). August nach Clermont en Argonne.
Die 2. Sektion Lazareth-Reservepersonals XII. (König-lich Sächsischen) Armeekorps war vom 10. Ins 19. Augustin Worms thätig, woselbst sie am erstgenannten Tageeinen Bestand von 76 Kranken übernahm, zu welchen]weiterhin nur noch 11 Leichtkranke hinzutraten. Auf demBahnhofe richtete diese Sektion ausserdem ein Aufnahme-zimmer und eine Verbandstatiou mit 40 Betten für durch-passirende Kranke ein und regelte daselbst den ärztlichenWachtdienst. Die Verpflegung der Passanten übernahmdie freiwillige Krankenpflege von Worms. Am 19. Augustrückte das Personal ab und traf, wie schon erwähnt, am22. August in Remillv mit der 1. Sektion zusammen.