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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
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I. Kapitel: Sanitätspersonal und Sanitätsausrüstung.

Band 1.1

erschwerte. Als weiterer Nachtheil wurde empfunden, dassdie Quertheile ziemlich weit seitlich über die Längstheilehinausragten, wodurch die Bewegung des einen Blessirten-trägers, welcher sich bei dem Lagern des Verwundetenmit gespreizten Beinen quer über die Trage stellen musste,behindert ward. 1 )

Für den Ersatz der verbrauchten Arzneimittel warendie Truppen auf die Feldspitäler angewiesen, hinsichtlichder Verbandinittel auf die Verbandreserve des Divi-sionsarztes, 2 ) welchem ein vierspänniger Rüst-wagen mit einem bedeutenden Vorrath von Verbandmittelnzur Verfügung stand.

Seit 1867 waren für die Truppenärzte an einemGürtelriemen zu tragende Ledertaschen zur Aufnahme dernöthigsten Instrumente reglementarisch vorgeschrieben.

C. Württemberg.

Die Truppen-Medizin wagen der Infanterie-Bataillone,

der Kavallerie-Regimenter, der Feldartillerie und Kolonnen-Abtheilungen wie der Pioniere der WürtteinbergischenFeld-Division waren im Bau und äusseren Ansehen denGepäckwagen der Kavallerie und Artillerie gleich, imInneren dagegen ihrer besonderen Bestimmung entsprechendeingerichtet. (Siehe Tafel IX.)

Der innere Raum des Wagenkastens war in drei hintereinander liegende Abtheilungen eingetheilt; der hintersteAbschnitt enthielt acht nach hinten auszuziehende Schub-kasten in zwei Reihen, je vier übereinander.

Alan gelangte zu denselben durch Herunterklappendes die hintere Wagenwand bildenden Verschlussbrettes,welches, durch Ketten in wagerechter Stellung gehalten,alsdann eine Art Arbeitstisch (Rezeptirtisch) darstellte.Im vorderen Wagenabschnitt befanden sich, durch einSeitenthürchen abgeschlossen, zwei übereinanderliegendenach der Seite auszuziehende Schubkasten. Der mittlereWagenabschnitt bildete einen einzigen grossen Raum. Derganze Wagen war mit einem gewölbten, seitlich aufzu-klappenden, mit starker Oelleinewand überzogenen Deckelversehen.

Die Packordnung war im Allgemeinen folgende: Diebeiden vorderen Schubladen enthielten die für den persön-lichen Gebrauch der Aerzte bestimmten, sämmtlich militär-fiskalischen, chirurgischen Instrumente, die Operations-schürzen, Waschapparat und dergl, sowie die Bruchbänder.

In den acht hinteren Schubladen war die Feldapothekenebst den Instrumenten der Heilgehilfen und den Verband-mittelvorräthen untergebracht.

Grosse Verbandgeräthe, wie die langen Oberschenkel-verbände, Drahthosen, Drahtschienen für Unterschenkelund Knie, ferner die Pechfackeln und dergl. wurden an

1 ) Sowohl für den Wagen als die Trage wurden nach dem Kriegeandere Modelle vorgeschrieben.

2) Siehe Beilage 39.

der Innenseite des hohlen Wagendeckels angeschnallt.!Der grosse mittlere Raum des Wagens nahm ausser derolPrivatgepäck der Aerzte die in das Gefecht nachzutragen!den Verbandtornister auf, welche besondere kleine Torjnister-Amputationsbestecke (eins pro Wagen) eut-lhielten, dazu die Krankendecken und die Ueberzüge der!Krankentragen, ausserdem aber je einen aus Eisenstäbeulund Segeltuch leicht und elastisch konstruirten Verband!koffer, welcher alles Nöthige zur Errichtung eines Truppen!Verbandplatzes enthielt.') Der Verbandkoffer sollte ein!ausgiebige erste Hilfsleistung auch an solchen Orten wmöglichen, wohin der Wagen nicht folgen kann oder dar!Die Längsholmen und die Querhölzer der einfach abeJäusserst solide konstruirten Krankentragen waren ausseam Wagen angebracht, wo auch ein TrinkwasserfässcbeJnicht fehlte. Der Wagen war mit Laternen, einer Henrn-schraube, welche jedoch an der Hinterseite des Wagen-angebracht war und von dort aus bedient werden musstiversehen und wurde zweispäunig vom Bocke gefahren.

D. Baden.

Die Sanitätsausrüstung der Badischen Truppen erfolgt;nach derNachweisung von den Erfordernissen zur Sanitätfausrüstung für die Grossherzogliche Division" vom Jahre 181

Die Bataillonsärzte waren mit Amputatioiisbesteckausgerüstet, welche in einer ledernen über die Schulterhängenden Tasche getragen wurden.

Die gesammte chirurgische Ausstattung der Aer;geschah aus fiskalischen Beständen.

Neben dem Preussischen Bandagentornister war theweise noch die alte Badische Verbandzeugträgertasclin Gebrauch. 2 )

Die Kavallerie-Regimenter, Musketier- und GrenadieBataillone besassen einen grösseren vierrädrigen VerbauArzneiwagen, 3 ) die Füsilier- und Jäger-Bataillone einezweirädrigen Verband-Arzneikarren leichterer Kostruktion. (Siehe Tafel X.) Ersterer hatte vorn einen &mit Verdeck, Schürze und gut schliessenden Vorhängtauf welchem zwei Kranke bequem Platz fanden.

Aussen an dem Wagen wurden neben dem ordonnaimassigen Zubehör des Gepäckwagens (Laternen, Schauzeug u. s. w.) zwei zusammenrollbare Tragbahrendie zu diesem Zwecke vorhandenen eisernen Bügel gele«befestigt und durch ein darüber geschnalltes Stücktheerter Leinewand geschützt.

!) Der A r erbandkoffer war in mehrere Räume abgetheilttumfasste in reichlicher Ausstattung das zum chirurgischen Verbatdamals für wesentlich Brachtete, als: Charpie, Baumwolle, LeinewulKompressen verschiedener Grösse, dreieckige Tücher, Mitellen, Bin!aus Leinewand, Flanell und Gaze, Schienen aus Holz, Pappe und Gut|percha, Taflet, Schwämme, Eiterbecken, Irrigatoren, Gypsbüchsen i

s ) Den Inhalt derselben siehe Beilage 41.

3) Wegen des Inhaltes siehe Beilage 42.