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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
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Band I.

II. Abschnitt: Sanitätsmaterial der Truppen. Sachsen. Bayern.

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II. Wichtigere Abweichungen bei anderen Deutschen Staaten.

A. Sachsen.

Die Ausrüstung der Sächsischen Truppen mit Bandage n-

tornistern war vor Beginn des Feldzugs in Aussieht ge-nommen, jedoch noch nicht zur Durchführung gelangt.

Desgleichen besassen die Sächsischen Truppentheilekeine Tragen; hingegen war der Truppen-Medizin-wagen (siehe Tafel VI und VII) derart eingerichtet, dasser auf Märschen einen schwer Erkrankten in liegender undeinen Leichtkranken in sitzender oder 2 Leichtkranke insitzender Stellung aufnehmen konnte. Zu diesem Zweckewar derselbe mit 3 Rosshaarkissen ausgestattet. 1 )

Obwohl die Preussische Vorschrift, nach welcher dieOber-Militärärzte den hauptsächlichsten Bedarf an chirur-gischen Instrumenten selbst zu beschaffen haben, im Prinzipbereits eingeführt war, konnten alle vor dem Jahr 1868zu Stalisärzten Beförderten aus den reichen Beständen der

trnisonlazarethe mit staatlichen Instrumenten versehenrden.

B. Bayern.

Die Bayerischen Truppen besassen Bandagentornisternach Art der Preussischen, bedienten sich derselben jedochnach etwas abweichenden Grundsätzen. Während diePreussischen Bandagen-tornistererwähnt

wie obenlediglichdie Bestimmung hatten,nachgetragen zu wer-den, wenn die Fahr-zeuge nicht zu folgenvermögen, sollte derInhalt der BayerischenToni ister in erster Linie

lur Verwendung gelangen, so oft es auf Märschen oder im gebraucht werden, so wurden die Enden der LängstheileQuartier unnöthig erschien, die schwerer zugänglichen Be- t durch die zu diesem Zweck in den Quertheilen befindlichenstände der Arznei- und Verbandwagen in Anspruch zu nehmen. ' Löcher hindurchgeführt, nachdem der Ueberzug, welcherBseni Zwecke entsprechend war der Bayerische Tornister | einen langen, oben und unten offenen Sack aus starkerehtl ilossmit Verbandmitteln, sondern auch mit einer massigen I Leinewand darstellte, über die Längstheile hinübergezogen

Zeichnung 4. Bayerische Feld-Tragbahre.

Zur Fortschaftung des Hauptquantums von Arzneienund Verbandmitteln bestanden bei der Bayerischen Armeezweispännige Arznei- und Verbandwagen (auchärzt-liche Wagen" genannt) (siehe Tafel VIII), deren jedesBataillon, Kavallerie-Regiment und jede Haupt-Munitions-kolonne 1, dieReserve-Artillerie Abtheilung (Korps-Artillerie)2 besass. Dieselben waren der Konstruktion nach Deckel-wagen mit hölzernen Achsen und einem schmalen Bock,dessen sich die bei der Infanterie nicht berittenen Aerzteauf Märschen bedienen konnten, da die Fahrzeuge vomSattel aus gefahren wurden. Das Innere derselben war sehrgeräumig, der Inhalt 1 ) jedoch grösstenteils in wenighandlichen Kisten verpackt und schwel' zugänglich.

In der Medizinkiste befanden sich zugleich die unent-behrlichsten pharmazeutischen Gerätschaften.

In dem Arznei- und Verbandwagen wurden auch die(fiskalischen) Etuis mit chirurgischen Instrumentenbefördert, von welchen zwei Muster in Gebrauch waren:ein älteres hölzernes Kästchen und eine zwar minder reich-haltige, aber sehr handliche Blechbüchse nach FranzösischemVorbild.

An den Seiten des ärztlichen Wagens waren be-stimmungsgemäss die Krankentragen anzubringen (vierpro Bataillon = eine pro Kompagnie). Da sich jedochim Verlaufe des Feldzuges zeigte, dass die Wagen oft hinterden Truppen zurückbleiben mussten, erwies es sich als

praktisch, die Tragen,welche in vier Stücke(zwei Längstheile undzwei Quertheile) zerlegtwerden konnten, vonden Blessirtenträgern,deren jede Kompagniegerade vier besass, fort-schaffen zulassen. Solltedie Trage (Zeichnung 4)

enge der am häufigsten gebrauchten Arzneimittel aus-stattet. 2 )

J ) Dieser Wagen ist auch nach dem Kriege in Sachsen etats-sig geblieben.*) Den gesammten Inhalt siehe Beilage 37.

war. Diese Trage war sehr einfach und dauerhaft; Klagenüber dieselbe wurden nur insofern laut, als der sackartigeUeberzug bei längerem Gebrauch sich dehnte und dahereine Mulde bildete, welche die richtige Lagerung des Kranken

<) Vergl. Beilagen 38 und 39.