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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Johannes Veghe. Der Pfaffe Konemann. Von den sieben Todsünden 679

licher in Dingelstedt am Huy, Diözese Halberstadt, hat zwei Gedichteinnd. Missing" (Roethe S. 59) verfaßt, die in der mnd. Literatur einen hervor-ragenden Platz einnehmen: Sunte Marien wortegarde, vollendet 1304,ein allegorisches Gedicht, erzählt die Heilsgeschichte von dem Sturze Lucifersund der Erschaffung des ersten Menschen bis zum Jüngsten Gericht. In demvon tiefer Religiosität erfüllten Werke wechseln allegorisch-dialogische Par-tien ab mit lyrischen Lobpreisungen der Jungfrau Maria. Inhalt (nachBorch-ling, Nd. Jahrb. 23, 116 ff.): Ein mächtiger König (Gott) hatte einen einzigenSohn und vier Töchter (die 4 Töchter Gottes, s. oben); seinen ungetreuenAmtmann (Lucifer) bringt er zu Fall. Erschaffung des Menschen, Sünden-fall, Verhandlung im Himmel über die Erlösung des Menschen. Christusselbst will auf die Erde hinabsteigen und den Kampf gegen den Satan führen.Geburt Jesu. Sein Erlösungstod. Der Verfasser nennt seinen Namenzweimal: am Schluß des ersten, längeren Teiles, vor dem Tode Christi, undam Ende des ganzen Gedichtes zugleich mit der Betitelung desselben (S.Mar. wortg). Die Abschlüsse sind mit Dreireimen bezeichnet. Der Ka-land (1452 V.) ist ein Lehrgedicht, in dem die Statuten einer aus Geistlichenund Laien bestehenden Bruderschaft, Kaland genannt, auseinandergesetztwerden. Ein Kaland ist gleichsam eine Versicherung für den Todesfall, dieMitglieder erhalten ein ehrbares Begräbnis, und es werden die vorgeschriebe-nen Seelenmessen für sie gelesen, sowie die Fürbitten für ihre Seele gesprochen.Der Grundton des Gedichtes beruht auf der Freundschaft der brodere, zu-gleich wird ein gottgefälliger Lebenswandel vorgeschrieben mit dem Ausblickauf das Himmelreich, so daß das Gedicht einen starken religiösen Gehalt hat.

Von den sieben Todsünden

Ein sonst nicht bekannter Autor, der sich Josep 1 nennt und ein gelehrterMann ist, hat ein Gedicht Von den sieben Todsünden geschrieben(15. Jh., um 1420?), worin er mit hoch und nieder scharf ins Gericht geht.Eingestreute Erzählungen beleben das Gedicht.

Sammelhandschriften

Die sehr zahlreichen geistlichen Schriften Niederdeutschlands sind haupt-sächlich in 8 Sammelhandschriften 2 des 15. Jahrhunderts überliefert, vondenen eine vom Jahr 1404 den Namen Hartebok (Herzbuch) trägt; sie ent-hält 7 aus dem Niederländischen übertragene Gedichte (sie sind im folgen-den angeführt). Das Ebstorfer Liederbuch (aus Kloster Ebst. bei Lüne-burg) hat verschiedenartigen, meist geistlichen, Inhalt.

1 Hgb. Babucke, Joseph's Gedicht von den ling, Zur Gesch. der Emder Josep-Hs., Jahrb.

7 Todsünden in fortlaufenden Auszügen u. In- d. Ges. f. Kunst zu Emden 15, 1905, 520-25;

haltsangabe zum erstenmal nach d. Hs. be- Jellinghaus 3 S.10; Stammler, Gesch. d. nd.

kannt gemacht, 1874. R. Sprenger, Der Lit. S. 36 f.

Schwank vom Kaiser u. Abt, Akadem. Blätter 2 Goedeke, Grundr. I 2 , 458 f.; Oesterley

1884, 324-30 (aus Josefs Gedicht); R.v. S. III; Borchling, Nd. Jahrb. 23, 103 ff.;

Liliencron, Über den Inhalt der allgem. Bil- Stammler, Gesch. d. nd. Lit. S. 48. Schrö-

dung in d. Zeit der Scholastik, Festrede in d. der, Die Ebstorfer Liederhs., Nd. Jb. 15,1-32.Akad. zu München, 1876 S. 33. 46; Borch-