Theologia Deutsch. Jan van Ruysbroeck 625
steht Otto von Passau; 1 er war Franziskanermönch in Basel, wo er einenTeil seines Lebens zubrachte. Er verfaßte 1386 das Buch „Die vierundzwanzigAlten oder der güldene Tron der minnenden Seelen", das später mehrfachgedruckt und auch ins Niederländische übersetzt wurde. Es ist eine Anleitungzum christlichen Leben um Gott wohl zu gefallen, spricht vom Verhältnis desMenschen zu Gott dem Schöpfer und zu der übrigen Kreatur und schließt mitTod und Ewigkeit, wobei aber kein fester Plan eingehalten ist. Das Motiv vonden „vierundzwanzig Alten" ist der Offenbarung Johannis Kap. 4 entnommen,die einzelnen Gedanken sind aus Zitaten klassischer Autoren, aus Kirchen-vätern und Scholastikern zusammengestellt,das Ganze bildet eine Blumenlese.
Theologia Deutsch
In die Zeit der Abnahme der Gottesfreundbewegung fällt die „TheologiaDeutsch", 2 das Büchlein von der deutschen Theologie oder „Der Franck-forter", verfaßt von einem Deutschherrn aus Frankfurt in der zweiten Hälftedes 14. Jahrhunderts, der seinen Namen nicht nennt. Die Darstellung verläuftohne geregelten Aufbau ziemlich zusammenhanglos, doch zieht sich einHauptgedanke durch das Werk: Sei lauterlich und gänzlich ohne dich selbst.Seine Berühmtheit erlangte das Büchlein „Eyn Deutsch Theologia" durchdie hohe Wertschätzung, die Luther, der es 1518 herausgab, ihm schenkte.
Jan van Ruysbroeck
Jan van Ruysbroeck (Johannes Ruysbroeck) 3 steht landschaftlichaußerhalb der Reihe der deutschen Mystiker; er war Vlame und lebte 1293-1381. Anfangs Weltpriester in Brüssel, verläßt er das Getriebe der Stadt
1 Strauch, ADB. 24, 741-44; Wacker- 1902, 145-57; Willo Uhl, Beiträge z. stili-nagel, Kl. Sehr. 2, 189-92; Ders., Die ad. stischen Kunst der „Theologia deutsch" („derHss. d. Basler Universitätsbibl., 1835, S. 6 f.; Franckforter"), Greifsw. Diss. 1912; KarlGünther Müller, Dt. Vjschr. 4, 118 f. Müller, Zur „Deutschen Theologie", SB. d.
2 Ausg.: Franz Pfeiffer, Theologia deutsch: Preuß. Ak. 1919, 631-58; Jos. Bernhart, DerDie leret gar manchen lieblichen underscheit Frankfurter, eine deutsche Theologie, 1920;gotlicher warheit und seit gar hohe und gar Ziesemer, D. Lit. des deutschen Ordens inschone ding von einem volkomen leben, 1851, Preußen, 1928, S. 90 f.
5. Aufl. 1924; Herm. Mandel, Theologia 3 Lit. bei Überweg-Geyer; Jos. Quint,
Deutsch, 1908 (nach Luthers Ausg.); Willo Merker-Stammler Reallex. 4 (Nachträge)
Uhl, Der Franckforter („Eyn deutsch S. 84 f. 88.— Ausg.: J. David, 6 Bde, Gent
Theologia"), 1912, 2. Aufl. 1926; Gottlob 1858-69. — Abhandl.: van Otterloo, Joh.
Siedel, Theologia Deutsch mit e. Einleitung R., Een bijdrage tot de kennis van den ont-
Über d. Lehre von der Vergottung in d. domi- wikkelingsgang der mystiek, Amsterd. 1874;
nikanischen Mystik, nach Luthers Druck von Franz Jostes, Beiträge z. Kenntnis d. nieder-
1518hgb., 1929, dazu Schröder, Anz.50,87f.; deutschen Mystik, Germ. 31, 1-41. 164-204;
Eine Auswahl: W.Lehmann, Deutsche Fröm- Friedr. Markus Huebner, Jan V.R., Das
migkeit, 1917, 107-26. — Lit.: Überweg- Buch von den 12 Beghinen übersetzt, 1917;
Geyer; Jos. Quint, Merker-Stammler Real- Willibrord Verkade, Die Zierde der geist-
lex. 4 (Nachträge), 85; ältere Lit. bei Kober- liehen Hochzeit des Jan van R., deutsch über-
stein l 6 , 448 f. Anm. 43. 44; Jul. Ham- setzt aus d. Flämischen, 1922, dazu Jos.
berger, Realenzyklop. d. protest. Theol. 15, Bernhart, Dt. Vjschr. 2, 1924, 315 f.; Ders.,
1885, 415-19. — Abhandl. Reifenrath, D. Aus d. „Buch von den 12 Beghinen", 1923;
deutsche Theol. des Frankfurter Gottesfreun- Ders., „Das Reich der Geliebten", 1924; Ph.
des, 1863; W. Hess, Stellung der Theologia Muller, Jan v. R., Van den blinckenden
deutsch zur heil. Schrift, Jahrb. f. protest. steen . . . nitg., Leuven 1921; die vielen im J.
Theol. 1885, 299-320; L. Keller, Die Gottes- 1923. 1924 erschienenen Schriften über Ruysb.
freunde, die „deutsche Theologie" u. die Ro- s. Berliner JB. 1924 S. 170; Günther Müller,
senkreuzer, Monatshefte der Comeniusges. 11, Aufriß 2 S. 53.
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