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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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544 . Lyrische Dichtung

Die Singschulen

Die lyrische Kunstdichtung des 13. Jahrhunderts, der Minnesang, wurdeim 14. 15. Jahrhundert fortgesetzt durch Hugo von Montfort und Oswaldvon Wolkenstein, der Meistergesang knüpft an die gelehrten Meisterunter den Spruchdichtern des 13. Jahrhunderts (s. oben) an, deren hervor-ragendster und für den Meistergesang einflußreichster Vertreter Frauen-lob war.

Frauenlob ist der Begründer des schulmäßig geübten Meistergesanges. Erhatte eine Anzahl von jüngeren Leuten um sich versammelt, die er in derKunst des Dichtens und Singens unterrichtete. Damit war der Anstoß zudem späteren schulmäßigen Betrieb gegeben. Die äußere Form erhielt aberdieser gesellschaftliche Sang durch die Singbruderschaften, die sich im 14. Jh.bildeten und in denen sich Laien in der Art geistlicher Brüderschaften zu einerfür religiöse Zwecke bestimmten Gemeinschaft wohl unter geistlicher Bei-wirkung verbanden, zu eigener Erbauung und zum Gesang in der Kirche.Darum war der Gegenstand der Dichtung dieserNachmeister" x vorherrschendreligiös und moralisch. Diese zunächst geistlich gewendeten Bruderschaften,die aus Bürgern und Handwerkern sich zusammensetzten, waren nun dieMeistersänger, Meistersinger". 2 Damit war der frühere Wertbegriff zueinem Standesbegriff geworden: die Meistersingerzunft (an manchen Ortenwaren diese Meistersingergesellschaften sogar auf bestimmte Handwerkerzünftebeschränkt). Jetzt waren die Meistersinger zugleich Handwerksmeister. DieSingbruderschaften wurdenSingschulen", die auch bei weltlichen Gelegen-heiten ihre Künste vortrugen. Sie hatten ihre Satzungen, Kunstregeln, diespäter in derTabulatur" (älteste Tab. in Nürnberg, 1540) verzeichnet warenund hauptsächlich die Kunstfehler betrafen, die vermieden werden sollten,worüber bei den Singvorträgen dieMerker" zu walten hatten. Dabei wurdebesonders auf die vorschriftsmäßige Form der Silben geachtet; diese wurdenmechanisch gezählt, nicht gemessen und ohne Rücksicht auf die logisch rich-tige Betonung behandelt; die Reime, oft künstlich verschlungen, sind nichtimmer rein. Das ganze Meistersingerlied hießBar", die Strophen hießenGesätze, oder wie mhd. Lied. Der Bar ist nicht einstrophig, sondern hat drei,fünf, sieben Strophen. Die Bezeichnungen der heutigen Metrik wie stumpf,männlich, klingend, weiblich, Weisen, Körner kommen von den Meister-sängern her. Es war jetzt Regel, die Töne, Weisen der zwölfalten" Meisterzu gebrauchen, doch war erforderlich, in der Überschrift den Namen desTones anzugeben, wobei auch der Name des Urhebers genannt werden konnte,z. B. im zarten dön, im griienen dön; man wußte, daß diese Töne von Frauen-lob waren; oder: in Marners langer wise, in Kuonrades von Wirzeburc hove-döne, diz ist in meister Suohensinnes döne, des Hübzings hofdön. Der Inhalt

1 Michel Beheims Ged. bei HoLTZMANN,Germ. got griisz die meister uff der kunsten stule, (got)3, 309 Str.2 Abges.; Bartsch, Kolm. Hs. griisz uch meistersenger allgeliche, Holtz-S. 182. mann, Germ. 5, 210.

2 Got griisz die singer in der singer schule,