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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Historische Kleindichtung 433

nik, auf historischen Quellen beruhend, setzt diese allgemeine Kaisergeschichtefort, beginnt mit der kaiserlosen Zeit (V.77), dem Kampf Konrads IV. gegenKarl von Anjou, behandelt die Geschichte Österreichs und Steiermarks, dieBeziehungen zu Böhmen und Ungarn während der Regierungen Rudolfs vonHabsburg, Adolfs von Nassau und Albrechts bis 1309 wobei die Partei desReiches gegen alle fremden Eingriffe vertreten wird, so daß die Lokalgeschichtein die Reichsgeschichte hineingeflochten ist und erreicht einen Umfang vonüber 100000 Versen. Es weitet sich aber der geschichtliche Horizont aus aufdie ganze Christenheit und das Weltringen zwischen Christen und Heidenwird zu dem geschichtlichen Höhepunkt der ganzen Chronik, dargestellt anden Kämpfen von Acco (Akers; 44 579-53 866). Wohltuend bei diesen Glau-benskämpfen ist die humane Gesinnung Ottokars, der hier ganz seinem Vor-bilde Wolfram folgt (45310 ff.). 1

Ottokar ist in erster Linie Historiker, sein Werk hat wissenschaftlichen Werttrotz vieler Unrichtigkeiten. Aber es kommt ihm auch eine literarische Stellungals Dichtwerk zu, denn er hat seine Sprache gebildet an höfischen Mustern;in vielen Einzelheiten schwebt ihm Hartmanns Iwein vor, Wolframs Willehalm(45310 ff.) leiht ihm die Färbung der Auffassung für seine Episode von Akers,er kennt auch Gotfrids Tristan, Fleckes Floire, Walther, Freidank, Nibelungen-lied, Rabenschlacht, Enikel. 2 Die Darstellung ist anschaulich, realistisch; 3trotz der höfischen Vorbilder ist aber seine Ausdrucksweise kunstlos, 4 dochzuweilen kräftig; großes Gewicht liegt in den zahlreichen Reden, die die Ge-sinnungen der sprechenden Personen und die geschichtlichen Umstände näherbeleuchten.

Historische Kleindichtung

Schon zur historischen Kleindichtung, zum Teil auch zugleich zur Wappen-dichtung des 14. 15. Jahrhunderts, leiten einige kürzere Texte vom Ende des13. Jahrhunderts über. Ein mittelrheinischer Dichter faßte in sechs getrenntenStücken zwei geschichtliche Ereignisse und vier in Rittertum und Minne sichergehende Stoffe zusammen (nur in Bruchstücken von im ganzen 1450 V.erhalten): 5 1. Die Böhmenschlacht mit dem Siege Rudolfs von Habsburg

1 Naumann, Festschr. Ehrismann S. 96. 4 Sprache: Zwierzina, Anz. 26 Reg. S. 353.

2 Seine Belesenheit: Seemüllers Anmerkun- 27 Reg. S.348; Schirokauer, Beitr. 47, 84;gen; Massmann, Kaiserchr. III, 240-2; Emil O. Frauscher, D. Einfluß des Reimes auf d.Henrici, Die Nachahmung des Iwein in d. Gebrauch d. Fremdwörter in O.s österr. Reim-steier. Reimchr., ZfdA. 30, 195-204; Ders., ehr., Beitr. 43, 169-76; Wahnschaffe, En-D. Nachahmer v. Hartmanns Iwein S. 13. jambement, pass.

14-16. 21; Haupt, ZfdA. 3, 278 f.; Wilh. 5 Hgb. Massmann, ZfdA. 3, 1-25 u. Mass-

Grimm, Dt. Heldensage 3 S. 189 f. (Nr. 73); mann, Kaiserchr. 2,676-85; R.v. Liliencron,

Martin, Dt. Heldenbuch II S. LUIf.; Pan- Die historischen Volkslieder der Deutschen

zer, Lohengrinstud. S. 53. vom 13. bis 16. Jh. Bd. 1, 1865, Nr. 2 S. 4-9

3 Seine sinnenfrische Vorstellungskraft tritt (Böhmenschlacht), Nr. 3-5 S. 11-30 (Schlachtscharf hervor in der Beschreibg. des Steinmetz- bei Göllheim); Adolf Bach, Die Werke desbildes von Rud. v. Habsburg V. 39125 ff., s. Verfassers der Schlacht bei Göllheim (MeisterLamprecht, Einführg. in d. histor. Denken, Ziliesv. Seine?) untersucht u. hgb. 1930, dazu1912, 140 f. Schröder, GgA. 1930 Nr. 6,209-16, Maurer,

28 Deutsche Literaturgeschichte IV