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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Hugo von Trimberg: Der Renner 339

Hugo war ein sehr fruchtbarer Schriftsteller. Er gibt selbst die Zahl seinerWerke an im Prolog des Renner (V. 25-29) und etwas abweichend am Schlußdes Registrum multorum auctorum (V. 1019-30): sieben deutsche Bücherund fünftehalb lateinische (Renn. 16647 zählt er insgesamt zwölf). Die Namender deutschen Werke nennt er nicht, erhalten ist nur der Renner; derSa-mener" (Sammler), den er 34 Jahre vor dem Renner verfaßte, hatte den glei-chen Inhalt wie dieser, war aber kürzer; demnach war der Renner eine starkeErweiterung des Samener. Von den lateinischen Werken 1 sind drei er-halten: das 1280 geschriebene Registrum multorum auctorum, einekurze Literaturgeschichte (1032 V.) alt- und mittellateinischer Autoren; dieLaureaSanctorum,ein Kalendergedicht (Cisiojanus), Leben der Kalender-heiligen; das Solsequium, eine Sammlung von kleineren Erzählungen undLegenden in Pros'a, die zur Einflechtung in Predigten als Exempla, Predigt-märlein (s. LG. 11,2, 199), geeignet waren.

Den TitelRenner" hat Hugo seinem Werke nicht selbst gegeben, er findetsich in dem Register Michaels de Leone (Lit. Ver. IV S. 4) und als Überschriftin Handschriften der Gruppe Michaels: Renner ist ditz buch genant Wanne ezsol rennen durch diu laut (Lit. Ver. I S. 1 Var.). Das liegt aber nicht in HugosSinn: er versteht unterrennen" das Hin- und Herrennen, seine willkürliche,von einem zum andern fahrende Darstellungsweise; er vergleicht sich einemReiter, der von seinem wild gewordenen Roß über Stock und Stein fernabvom Ziele getragen werde (13899-964. 15147-149, auch die häufige FormelNu sül wir aber vürbaz rennen usw.).

Der Renner ist eine Moralpredigt (über 24600 V.) gegen die Lasterhaftigkeit.Der Hauptteil (V. 269-20346) ist gegliedert nach den sieben Todsünden, denAbschluß ( V . 20 347-24 587) bildet das Heilmittel dagegen: Reue, Beichte, Buße;so ist die Sündenpredigt zur Bußpredigt geworden. Diese Moralpredigt hataber einen tieferen Sinn; sie ist eine moralische Erkenntnislehre, die zum Zieldie Erkenntnis Gottes hat, wie auch in der Fortsetzung der obigen Formelund unsern herren baz erkennen ausgedrückt ist. Zugleich aber gibt sie aucheine Ermahnung zur Selbsterkenntnis (10381. 22631. 22645. 22669 [Nothiselythön = yvw&i. cteäutov]). Im Aufbau des Stoffes entfaltet sich die reli-giöse Geschichte der Menschheit, die mit dem Sündenfall beginnt (133) und

'MÄnicke, Germ. 2, 367 ff.; Jäcklein, H. v. hgb. v. Grotefend, Anz. f. Kunde d. dt.

Tr., Verfasser einerVita Maria? rhythmica", Vorz. 1870Sp. 279 ff. 301 ff., 1871 Sp. 308 ff.;

Progr. Bamberg 1901 S. 12 ff.; Erich See- Abh.: Latendorf, ebda 1871 Sp. 65 ff.; älter:

mann, H. v. Tr.s lat. Werke I Das Solsequium, v. d. Hagen u. Büsching, Museum f. ad. Lit.

Münch. Texte H. 9, 1914, 23-6; Ders., Fabeln u. Kunst 1, 1809, 586. Jäcklein will Hugo

aaO. S. 8; Behrendt S. 14 f. Registrum: auch eine in mehreren Hss. überlieferte Vita

hgb. v. Haupt, Bericht üb. d. Verhandl. der Maria; rhythmica zusprechen, doch wohl mit

k.Ak.inBerlin,1854,142-64(Auszug); vollst.: Unrecht; s. auch P. Lehmann, Münch. SB.

Joh. Huemer, Wien. SB. 116, 1888, Bd. I 1916 Nr. 4. Lat. Metrik Hugos: Haupt,

Nr. 8 u. SA.; Carl Schroeder, Der dt. Berl. Ak. aaO.; Wilh. Meyer, Ges. Abhandl.

Facetus (s. ob.) S. 5; P.Lehmann, GRM. zur mlat. Rythmik I, 1905, 251^1. 280; Ders.,

4, 1912, 573; Edw. Schröder, ZfdA. 59, Gott. Nachr. 1908,79; MaxPäpke, D.Marien-

329-34; Hilka, ebda S. 335 f. Solsequium: leben des Schweizers Wernher, Pal. 81, 1913,

hgb. v. Seemann aaO. Laurea sanctorum: 26 Anm. 1.