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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Hugo von Trimberg: Der Renner 337

Der zweiten Reihe, B, die sich durch das Fehlen dieser äußeren Stilisierung von der erstenReihe, A, unterscheidet, gehören an die Gedichte V. VI. VII. XI. XII. XIII. XIV. XVI. (Seem.S. 1^, 86 V.) Der Dichter übermißt ieglichen lantsit (V. 3), der Charakter der Leute in Österreichist wintschaffen, sie ahmen die Sitten der andern Landschaften, der Böhmen, Meißner, Bayern,Kärtner usw. nach; Lob der neuen Herrschaft (der Habsburger). V (Seem. S.4-7,107 V.) Deslandes klage (V. 2) über die Großen und Herren in der Regierung, die das Land bedrücken undaussaugen (die einzelnen werden aufgezählt), wird dem König vorgetragen.VI (Seem. S. 7-14,204 V.), daz ist von der sam(n)unge (V. 2), fordert die Lehensleute des Herzogs Albrecht, des SohnesRudolfs v. Habsburg, auf, dem Heerbann Folge zu leisten (Aufzählung der einzelnen). XIII(Seem. S. 14-21, 194 V.) Brief des alten Spielmanns Sifrit Helblinc (ich armer Helblinc Sifrit11, auch V. 116. 124. 194) an seinen Genossen Julian; es sind zwei hofgumpelman, niedere Spiel-leute; Klage über die heruntergekommene Stellung der Spielleute, über die Roheit der jetzigenRitter und das Gebaren der Schnapphähne; Preis der früheren edeln Dichtergönner und Auf-zählung solcher mit Beschreibung ihrer Wappen (dieser Teil gehört also zur Wappendichtung).Es folgen zwei religiöse Stücke: XI (Seem. S. 233-236,108 V.) Ein Ave Maria in 12 neunzeiligenStrophen. XII (Seem. S. 237f., 50V.) Vokalspiel, fünf Strophen mit den Reimen a e i o u;Anrufung der Jungfrau Maria und Gottes mit Hinblick auf das zukünftige Leben. Endlich VII(Seem. S. 238-279, 1263 V.) Die Vorführung der Haupttugenden und -Laster, eingekleidet indie Allegorie vom Kampf der Tugenden und Laster, 1 der in österreichisches Lokal versetzt ist,schließt als eine Lehre für Jugenderzieher und die ihnen anvertrauten Junkherren.

Der sprachliche Ausdruck hat nichts mehr von dem poetischen Reizdes Stils der Blütezeit; er ist alltäglich, ohne Eigenart. Doch ist die Darstel-lung, entsprechend dem realistischen Inhalt, anschaulich, eine Fülle lebens-voller Szenen breitet sich aus, oft ins Detail ausgemalt, ohne Weitschweifig-keit. Geschickt werden einzelne Typen der Satire durch die Namen gekenn-zeichnet. Die landschaftliche Farbe kommt auch in der Sprache zur Geltungin mundartlichen Anklängen. Dieses ist auch im Reingebrauch der Fall,wo sich viele mundartliche Bindungen finden. 2

Hugo von Trimberg: Der Renner

Am Ende der lehrhaften Literatur des 13. Jahrhunderts steht der Rennerdes Hugo von Trimberg, eine Morallehre auf Grund der bürgerlichenLebensanschauung im Gegensatz zu der Ritterethik Thomasins, des Wins-beken, Tirols u. a., sowie der allgemeingültigen Lebensweisheit des Freidank,ein Alterswerk; es trägt auch darin den Stempel eines solchen, daß der Dichtergern von seiner eigenen Vergangenheit redet und einen Blick in sein Leben tunläßt; am Schluß (V. 24560-81) macht er einige Angaben über seine Person(er nennt sich in seinen lat. Werken Hugo de Wem: Seemann, Solsequ.S.27.68) und die Abfassungszeit seines Renners. Daselbst nennt er seinenNamen, Hüc von Trimperc245Q3 (Michael de Leone: der renner .. . meisterHuges von Trimberg, Ausg. d. Lit. Ver. Bd. IV S.4). Er war Ostfranke,geboren in dem Dorfe Wernfa] im Bistum Würzburg (auch Trimberg liegtdaselbst); seine Lebenszeit fällt in die Jahre von etwa 1235 bis nach 1313,über 40 Jahre war er Schulmeister in der Teuerstadt, einer Vorstadt vonBamberg 24561 f. Am Renner arbeitete er in den Jahren 1290-1300, machte

1 K. Raab, Üb. vier allegor. Motive in lat. u. dt. Lit. des MA.s, Progr. Leoben 1885 S. 34.

2 Stil u. Metrik: Seemüller, Stud. S. 75-85,

22 Deutsche Literaturgeschichte IV