210 Die lyrische Dichtung
lern, die man auch für die Veranstalter dieser Handschrift hielt (Hadloub sagtnur, daß sie Lieder sammelten, nicht auch, daß sie eine Handschrift anlegtenoder verfertigen ließen); oder auch, nach ihrem zeitweiligen Aufenthaltsort,Pariser Liederhs. Geschrieben in Zürich in der ersten Hälfte des 14. Jahr-hunderts war sie später im Besitz des Augsburger Patriziers Ulrich Fugger,der seine Bibliothek 1584 dem Kurfürsten Friedrich III. von der Pfalz ver-machte. Die Familie des unglücklichen Winterkönigs verkaufte sie an Privat-liebhaber nach Paris, wo sie dann der Kgl. Bibliothek einverleibt wurde(1657). Durch Bücheraustausch und Kauf kam sie 1888 nach Heidelberg zu-rück. Sie ist weitaus die reichhaltigste und vornehmste der drei alemannischenHandschriften, enthält 140 Sänger, nach dem Range geordnet, besonders ist,der Entstehung der Handschrift entsprechend, die Schweiz unverhältnismäßigstark vertreten. Den Liedern sind 138 Bilder der Dichter beigegeben mit neben-stehenden Wappen. Durch die sehr mannigfachen Illustrationen und derenfeine Ausführung (französischer Stil des 13. Jahrhunderts) ist C auch für dieKunstgeschichte von großer Bedeutung. — B und C setzen eine gemeinsameVorlage, BC, voraus, mit Bildern, um die Mitte des 13. Jahrhunderts. DerInhalt von B ist etwa gleich dem ersten Teil von C, doch mit stark geänder-ter Reihenfolge. Eine gemeinsame Quelle für A und C ist für manche Strophenfestzustellen. 1
Eine Sonderstellung gegenüber ABC nimmt die Jenaer Hs. ein; 2 sieist die Hauptquelle für die Spruchdichtung bes. in der Zeit nach Walther. Sieist prachtvoll geschrieben, hat keine Bilder, aber ein besonderer Eigenwertkommt ihr dadurch zu, daß den Texten die Melodien beigegeben sind. Sieist damit ein unschätzbares Denkmal der mittelalterlichen Profanmusik. Ab-gefaßt ist die Handschrift etwa gegen die Mitte des 14. Jahrhunderts in Nie-derdeutschland in der dort geltenden mitteldeutschen Schriftsprache. Nach
Erich Stange, D. Miniaturen der Man. Lie- Verhältn. d. Minneliederhss. B u. C usw.,
derhs. u. ihr Kunstkreis, Königsberg. Diss. Progr. Eutin 1889, dazu Vogt, ZfdPh. 24,
1909; Ders., Manesse-Kodex u. Rosenroman, 90-4; Behaghel, Lbl. 1891, 83.
Anz. f. Schweiz. Altertumskde NF. 11, 1910, 2 Ausg.: Holz, Saran u. Bernouilli, Die
H. 3, s. auch 12, 65. 165; R. Stettiner, Das Jenaer Liederhs., Bd. I Text, Bd. II Übertra-
Webebild d. Mann. Hs., 1912; s. auch Schrö- gung, Rhythmik u. Melodik, 1901 (Nachtrag:
der, Anz. 31, 127. — Die Wappen der Hss. Saran, Beitr. 27, 191.-99), dazu Wustmann,
sind nicht immer historisch zuverlässig; K. GgA. 167, 1905, 866-78, Rietsch, Anz. 29, 62
Zangemeister, Die Wappen, Helmzierden it -69, Nagel, Lbl. 1902, 369 f., Riemann, Mu-
Standarten d. Gr. Heid. Liederhs., 1892, dazu sikal. Wochenbl. 33, 1902,429 ff., s. auch oben
Wunderlich, ZfdPh. 26, 119-22, Kochen- bei „Musik"; K.K.Müller, Photograph.
dörffer, DLz. 1893, 174-76; Grimme, Lbl. Faksimilierung, 1896. — Karl Bartsch, Un-
1893, 235-38; Mone, Diözesanarch. f. Schwa- tersuch. z. Jenaer Liederhs., Pal. 140, 1923,
ben 19, 1901, 21 ff. 42 ff.; Wallner aaO. dazu Schröder, Anz. 43, 152 f., Hübner,
S. 491 ff. — Clara, Riecke, Die Vokalzeichen Arch. 148,150, de Jong, Neophil. 12,1926/27,
in der gr. Heidelbg. Liederhs., Greifswalder S. 59 f.; Günther Müller, Dt. Vjschr. 5,
Diss. 1917. 1927, 123; Karl G. Brandis, Zur Entstehung
1 W. Wisser, D. Verhältnis der Minnelieder- u. Gesch. d. Jenaer Liederhs., Zs. f. Bücher-
hss. A u. C zu ihren gemeinschaftl. Quellen, freunde NF. 21, 1929, 108-11. — Wilh.
Progr. Eutin 1895, dazu Schönbach, österr. Meyer, Gott. Abhandl. NF. 1, 1897, 103-7
Lbl. 1896, 235 f., R. M. Meyer, DLz. 1896, (die Schreiber von J.).730, Ehrismann, Lbl. 1896, 401; Wisser, D.