208 Die lyrische Dichtung
Liederbücher als ursprüngliche Quelle der großen Sammlungen hat als erster Beneckeerkannt (Beytr. z. Kenntn. d. ad. Sprache u. Litt. II, 1832, 301 f.); s. auch Müllenhoff, ZGesch. d. Nib. Not S. 19; Wackernagel, LG. I 2 , 307; Burdach, SB. d. Preuß. Ak. 1918, 871 ff.u. Vorspiel I, 2; Wilmanns, ZfdA. 13, 224-29; W. Wisser, D. Verhältn. d. Minneliederhss.A u. C zu ihren gemeinschaftl. Quellen, Progr. Eutin 1895; Plenio, Beitr. 41, 65 ff.; Schnei-der, ebda 47, 225 ff.; Schwietering, ZfdA. 61, 78 f.; Vogt, MF. 3 S. 329. — Müllenhofferklärt an dem Beispiel Friedrichs von Hausen (ZfdA. 14, 133^13), die Liederbücher seien vomDichter selbst veranstaltet worden, und zwar in chronologischer Reihenfolge, so wie sich dasLiebesverhältnis zu der Dame entwickelt habe, dann hat Scherer den Nachweis historischerFolge der Lieder für eine Reihe der ältesten Minnesänger versucht, so daß diese Liederbücher„einen kleinen Roman" darstellen (ZfdA. 17, 574 f. u. Dt. Stud. 2); diesen Standpunkt nehmenauch ein: Siegfr. Pfaff, ZfdA. 18, 44-58; R. Becker, D. altheim Minnes. S. 77-104; 0. Baum-garten, D. Chronologie der Gedichte Friedrichs von Hausen, ZfdA. 26, 105-45; E.Joseph,ZfdPh. 32, 133 f.; R. M. Meyer, ZfdA. 55, 345 ff. Gegen die „chronologische Hypothese" wen-det sich Paul (Beitr. 2, 437-87). Auch Burdach spricht sich gegen die „chronologischen Hypo-thesen" und gegen „autobiographische Romane" aus (Anz. 9, 351, SB. d. Preuß. Ak. 1918S. 998 f. u. Vorspiel I, 1, 258). C. v. Kraus erkennt in den in den Hss. durcheinandergeworfenenLiedern Reinmars eine höhere Ordnung, einen Zyklus, einen Liebesroman und stellt eine chrono-logische Reihenfolge her (Die Lieder Reimars d. Alten, 1919 [s. unter Reinmar]). — Die Töne derSprüche sind oft schon von den Dichtern sachlich geordnet, Wilmanns, ZfdA. 13, 225 ff.;Roethe, Reinm. S. 96-123; Strauch, Marner S. 10 ff.
2. Die Handschriften 1
Wie die Lieder gesammelt wurden, darüber haben wir nur eine ungenaueNotiz in einem Liede eines des spätesten Sängers, des Schweizers JohannesHadloub (über die Hs. C, Bartsch, Schweizer Minnesänger S.296, 1 ff.):derManessin Zürich bemühte sich sehr um den meistersanc, darum hat ernun diu liederbuoch, auch sein Sohn betrieb dies. Rüederger Manesse ist ur-kundlich bezeugt als Ratsherr zu Zürich um 1300, sein Sohn war kuster (Dom-küster, später Chorherr). 2
Wir besitzen vier große Pergament-Liederhandschriften. Die drei ersten,ABC, entstanden in Alemannien. In ihnen überwiegt der eigentliche Minne-sang, damit tragen sie ausgesprochen ritterlich-höfischen Charakter. Die viertedagegen, die Jenaer Hs., in Mitteldeutschland zusammengestellt, enthältmitteldeutsche und niederdeutsche bürgerliche Meister, ist also im Gegensatzzu A B C eine meistersingerische Handschrift.
A. Die kleine Heidelberger Liederhandschrift, 3 Cod. pal. germ.Nr. 357 (Bartsch, Katalog Nr. 184), die älteste, noch im 13. Jahrhundertsehr schön, aber nicht genau geschrieben, ist die unscheinbarste der großen
1 Hss.: J. Grimm, Kl. Sehr. 6, 82 f.; MSH. vellen die historische Lage mit dichterischenIV, 895-910; Lachmann, Walther, 8. Aufl. von Augen geschaut.
C. v. Kraus, 1923, S. VIII ff. XXII ff.; Wa- 3 Strophenanfänge: Lachmann, ZfdA. 3, 308
ckernagel, LG. I 2 , 306 f.; Koberstein l 6 , -32; Abdruck von Franz Pfeiffer, Lit. Ver.
233 f.; G. v. Wyss, ADB. 20, 188 f.; Wil- Bd. 9, 1844. — Margarete Regendanz, Die
manns-Michels, Walther Ausg. S. 13-9; Sprache d. kleinen Heidelb. Liederhs., Marbg.
Vogt, MF. 3 S. X-XV u. LG. 3 , 1922, S. 137f.; Diss. 1912 (elsässische Merkmale); Ranke,
v. Kraus, Übungsbuch, 2 289; Rosenhagen, ZfdA. 55, 406; Plenio, Beitr. 41, 65 f. — Die
Reallex. 2, 228-30. kleine Heidelberger Liederhs. in Nachbildung,
2 Gottfried Keller hat in den Züricher No- mit Geleitwort usw. von C. v. Kraus, 1932.