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Die lyrische Dichtung
2. Verskunst. Die ästhetisch-formale Wirkung eines Liedes liegt in derVerskunst, 1 in Rhythmus, Reim und Strophenbildung, in der Melodieund im Stil. Die historische Entwicklung geht im mhd. Minnesang von ein-facher zu kunstreicher Formgebung.
a) Der Rhythmus 2 ist in den Liedern der Frühstufe (s. unten) nochaltertümlich freier, einsilbige Versfüße, beschwerte Hebungen sind erlaubt,erst mit dem romanischen Einfluß (seit Hausen, Veldeke) ist regelmäßigerWechsel zwischen Hebung und Senkung geboten.
b) Die Reime 3 sind die das Formsystem der Strophe gliedernden Klänge.In verschlungenen Reimgebilden wird die Mannigfaltigkeit des strophischenBaues zu harmonischer Einheit zusammengehalten. Besondere technischeReizmittel dienen zum Schmuck der Form, die sich bei den Späteren zu effekt-hascherischer Künstelei versteigt, was natürlich durch die begleitende Me-
strophig, der Spruch nur einstrophig gewesen.In der mhd. Terminologie selbst ist diese Un-terscheidung nicht gemacht, spruch wird nichtnur vom Sprechvortrag, sondern auch vomrhythmischen u. Singvortrag gebraucht, mhd.spruch u. sprechen, sanc u. singen sind als Vor-tragsweisen nicht genau auf Spruch u. Lied ver-teilt. Auch steht der Spruch nicht prinzipiell alsein vereinzeltes Gebilde, sondern es finden sichauch, besonders später, mehrstrophige Sprücheoder solche, deren Strophen korrespondieren,andrerseits ist das Lied in der ältesten Lyrikeinstrophig. Mhd. Wb. II, 2, 539; Lachmann,Üb. Singen u. Sagen aaO. S. 467; Wacker-nagel, LG. I 2 , 305; Scherer, Dt. Stud. 1(1891), 39 [45 ff.]; Roethe, Reinm. S. 258Anm.; Wilmanns-Michels, Leben W.s S. 58-60. —■ J. Rathay, Unterschied v. Lied undSpruch usw., 1875, dazu Strauch, Anz. 1,182 ff.; Piper, Spielmannsdichtung S. 52 f.;Gerhard Salomon, Minnesang u. Spruchdich-tung im dt. MA., Deutschkundl. Bücherei 1925.1 Jac. Grimm, Üb. d. ad. Meistergesang; Uh-land 5, 184-202; W. Grimm, Zur Geschichtedes Reims, Kl. Sehr. IV, 123-336, Reg. S.330-36; Wackernagel, LG. I 2 , 297-305; Ders.,Afranz. Lieder u. Leiche S. 213 ff.; Paul,Grundr. 2 , 1905, 66-83 pass. — Saran, Vers-lehre S. 271-89 u. Reg. S. 350; Kauffmann,Dt. Metrik § 97 ff.; Heusler, Dt. Versgesch. IITeil3,163 ff.; Ders. bei Hofstaetter-Panzer,Grundzüge z. Deutschkunde, 1925, 134-62;Bernouilli u. Saran, Rhythmik u. Melodik,in: Die Jenaer Liederhs. Bd. II, bes. S. 147 f.;Wilmanns-michels, Leben Walthers S. 342-51 u. Walther Ausg. S. 338-50; Saran, Er-gebnisse u. Fortschritte d. germanist. Wis-sensch. 1902, 158-87; Baesecke, Wissen-schaftl. Forschungsberichte 1914-17 (1919),116-23; Michels, Festschr. Streitberg 1924,496-500; Habermann, Reallex. 2, 342-51 (s.auch 1, 6 f. 1, 18-20. 1, 21 f.). — Wilmanns,Untersuch, z. mhd. Metrik, 1888; Heusler,Zur Gesch. d. ad. Verskunst, 1891, 91-103;
Reinhold Becker,D. altheimischeMinnesang,1882; Saran, Üb. Hartmann v. Aue, Beitr. 23,1-108; Ders., Zur roman. u. dt. Rhythmik,Beitr. 24, 72-84; Plenio, Beitr. 45, 79 f.;Neckel, Deutsches und Fremdes in unsererVerskunst, ZfdUnterr. 31, 1917/18, 545-60;K. Pfeiffer, Chorisches Tanzlied bis z. Be-ginn d. 13. Jh.s, Köln.Diss. 1921 (ungedruckt);Günther Müller, Stud. z. Formproblem d.Minnesangs, Dt. Vjschr. 1, 1923, 61-103;Friedr. Gennrich, D. Formproblem d.Minne-sangs, ebda9,1931, H. 2; s.unten die einzelnenDichter; Hans Spanke, Romanische u. mittel-lat. Formen in d. Metrik von Minnesangs Früh-ling, ZfdPh. 49, 191-235. — Üb. die schall-analytische Methode zusammenfassend u. mitLit.: W. Nowack, Die schallanalyt. Methodevon Eduard Sievers, 1924; s. auch Habermann,Reallex. 2, 343 f.
2 Rhythmus, Takt im „sanglichen" Vers:Saran, Dt. Verslehre Reg. S. 351 f.; Heusler,Versgesch. 2,163-317. — Daktylischer Rhyth-mus (bes. bei den älteren Minnesängern):Heusler S. 206^12 (mit Lit.); Heinzel, Wien.SB. 134,1896; Burdach, Reinm. S. 18 ff. 157;Rosenhagen, GRM. 4, 1912, 374 ff.; Bae-secke, GgA.4, 1927, 369 ff.; Juethe, DerMinnesänger Hiltbolt v. Schwangau, 1913, 59-77 (mit Lit.). — Wortbetonung: Wilmanns,Gebrauch der Wörter mit kurzer Stammsilbebei d. Minnesängern, in Wilm. Beitr. z. Gesch.d. älteren dt. Litt. H. 4, 1888, 91-194;Vogt, Von d. Hebung des schwachen e, Fest-schrift Hildebrand 1894, 150 ff.
3 Kauffmann S. 56 ff. 74-77; Saran S.271ff.; Heusler 2, 1 ff. — W. Grimm, Zur Ge-schichte d. Reims, Kl. Sehr. 4, 125-336;Bartsch, D. innere Reim in d. höf. Lyrik,Germ. 12, 128-94; Giske, Körner, ZfdPh. 18,57 ff. 210 ff. 329 ff.; v. Kraus, D. rührendeReim im Mhd., ZfdA. 56, 1-76. — Alliterationin der Minnedichtung: Berger, ZfdPh. 19,473-85; Hellmut Werner, D. Alliteration, einStilmittel im Minnes., Bresl. Diss. 1922.