IL DIE LYRISCHE DICHTUNG
A. ALLGEMEINER TEIL
Minnesanc, Sang, Singen von Minne, ist schon der mhd. technische Aus-druck für diese eigenartige höfische Lyrik. 1 Meistersanc bedeutet ur-sprünglich allgemein „meisterhafter Gesang", erst später den Sang einesin der Kunst gelehrten Dichters, der den Titel „Meister" beanspruchendurfte.
Literarhistorisch in engem Zusammenhang mit dem Minnesang steht dieSpruchdichtung. Eine feste Grenze zwischen beiden ist schon deshalbnicht zu ziehen, weil die Gegenstände ineinander greifen. Doch gibt die Ten-denz dem Spruch einen bestimmten Charakter, der ihn vom Lied trennt: esist der lehrhafte Zweck. Die Spruchdichtung gehört zur didaktischen Poesie,die aus der irrationalen Welt des Gefühls emporsteigenden Gemütsstimmun-gen werden zu intellektuellen Problemen der Liebe, Freundschaft, Religionu. a. Der Minnesang beruht auf einem subjektiven Icherlebnis, wie wenig tiefes auch zuweilen gedrungen sein mag, in der Spruchdichtung äußert sich einobjektives Gemeinschaftserlebnis.
Die Literaturangaben. Bibliographie (s. auch LG. II, 2, 22 Anm. 1, 2) etwas einge-schränkt: Bartsch, Liederdichter; Vogt, MF.; Ergebnisse u. Fortschritte d. germ. Wissensch.im letzten Vierteljahrhundert, 1902, 289-300 (Kinzel); Schneider, Heldendichtung usw.S. 507 ff.; Castle, Reallex. 2, 570 ff.; Ehrismann, Die Kürenberg-Lit. usw., GRM. 15, 1927,328-50; Günther Müller, Ergebnisse u. Aufgaben der Minnesangsforschg., Dt. Vjschr. 5,1927,106-29; Ders., Reallex. 2, 224; Rosenhagen, ebda S. 353-65; Halbach, Sachwörterb. 1930,365 f. 737. 739. 761 f. 799 f.; Fr. R. Schröder, Minnesang, I. Zusammenfassung der Forschung,GRM. 1933. — Sammlungen. Friedr. Heinr. v. d. Hagen, Minnesänger (abgekürzt MSH.od. HMS.), Deutsche Liederdichter des 12., 13. u. 14. Jh.s, 4 Teile 1838, anast. Nachdruck1923; dazu Bildersaal ad. Dichter 1856. — Die älteren Minnesänger: Des Minnesangs Frühling,hgb. v. Lachmann u. Haupt, 1857, 2. Ausg. v. W. Wilmanns 1875, 3., 4. Ausg. v. Friedr.Vogt 1882. 1888, neubearb. v. Vogt, 1.-5. Aufl. 1911. 1913. 1920. 1923. 1930 (1923. 1930 unver-änderter Abdruck), s. Bartsch u. Pfeiffer, Germ. 3, 1858, 481-508, Pfeiffer, Freie Forsch.S.413 ff., Haupt, ZfdA. 11, 563-93, zu Vogts Bearbeitung: Rosenhagen, GRM.4,1912,369-89;Julius Goebel, Beitr. zurTextkritik U.Erklärung von Des Minnesangs Frühling, StudiesinhonorofH.Collitz 1930,207-1 I.K.Bartsch, Deutsche Liederdichter d.l2-14.Jh.s,l.,2.Aufl.l864.1878,3.,4. Aufl. von W. Golther 1893.1901, dazu Kraus, ZföG. 45,1894,422-27, Schröder, Anz.27,276f., 8. Aufl. 1928 von Golther; Fr. Pfaff, Der Minnesang d. 12.-14. Jh.s in Kürschners Dt. Na-tional-Litt. Bd. 8, 1. IL, 1892. — Bartsch, Meisterlieder der KolmarerHs., Lit.Ver. Bd. 68,1862.— Abhandlungen: J. Grimm, Beweis, daß der Minnesang Meistergesang ist, 1807, u. Kl. Sehr.4,12-21, s.auch S.7f.; J.Grimm, Üb. d. ad.Meistergesang 1811; Uhland, D.Minnesang, Schrif-ten 5, 113-282, MSH. Bd. 4; W. Wackernagel, Afranz. Lieder u. Leiche 1846, 193-251;Scherer, Dt. Stud. 1 u. 2, Wien. SB. 64, 1870. 1874, 2. Aufl. SA. 1891; Paul, Krit. Beitr. z. d.Minnesingern, Beitr. 2, 406-560; Emil Henrici, Z. Gesch. d. mhd. Lyrik, Jen. Diss. 1876;
x Auch: von minnen singen Walther 66, 21; Hartmann aaO. V. 21, minnesenger MSH. 2,
Parz. 587, 7; Hartmanns A. Heinr. 71 u. 173a; s. Mhd. Wb. II, 2, 304; Bartsch, Lie-
Kreuzlied, MF. 218, 23; minneliet Neidhart 85, derdichter 4 S. X.33, s. Grimm, DWb. 6, 2238; minnesinger