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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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114 Die erzählende Dichtung

Schlegel von Rüdiger von Hünchoven (Rüedeger der Hünchovcere)vorgetragen (1200 V.). 1 Es ist das Schicksal des König Lear, dem wir hierbegegnen. Ein reicher Kaufmann, der im Alter sein Gut seinen Kinderngegeben hat, wird von diesen wie ein Bettler mißachtet und behandelt.Durch eine List weiß er sich bei ihnen wieder in Ehren und gute Behandlungzu setzen: er läßt sie merken, daß er noch eine große Kiste mit Geld beieinem Freunde aufbewahrt habe. Als nach seinem Tode die Kiste geöffnetwird, findet man darin einen Schlegel mit einem Zettel: wer so töricht ist,daß er alle seine Habe seinen Kindern gibt, dem soll man mit diesem Schlegelden Hirnschädel einschlagen.

Der gleiche Gedanke wie im Schlegel liegt dem Kotzenmaere (DerKozze, Die halbe Decke) 2 zugrunde. Hier ist es der Enkel des vernachläs-sigten Alten, der die Lösung bringt: er bittet seinen Vater um eine Decke(kotze) für den Großvater, sein Vater gibt ihm die Hälfte einer solchen, derEnkel bittet auch um die andere Hälfte, damit dereinst, wenn der Vaterebenso hilflos sei wie jetzt der Großvater, er ihm dieses Stück zum Schutzgegen die Kälte geben könne. Der Sohn geht in sich und hält nun seinen altenVater in Ehren.

Schließlich tritt ein fahrender Mann, so wie wir uns wohl manchen Ver-fasser solcher Erzählungen vorstellen dürfen, selbst auf, Meister Irregang(144 V., 14. Jahrhundert) : 3 Von stolzer äventiure will er sagen, und zählt nunalle seine Künste und Fertigkeiten auf: sagen unde singen, loufen unde sprin-gen .. . stechen unde striten, turnieren usw., aber auch einfaches Handwerkwie Tischtücher machen, einen Teig kneten, Faden zwirnen; Irregank heizich, manig laut weiz ich .. . ich gän in dem riche von lande ze lande . .. in eineshübschen knaben wise begdn ich mine spise. Es ist der gleiche Typus wie ihnMeister Trougemund darstellt (s. unt.); vgl. bes. Irreg. V. 141 f. und Trau-gemundslied MSD. I, 192 Str. 2, 5.

Endlich sind die Novellen in Jansen Enikels Weltchronik als einehierhergehörige Gruppe zu erwähnen (in GSA., Bd. II Anhang S. 487-650u. Bd. 3 S. CXXVIII ff., dazu Bd. 3 Nr. 67, 337^19 u. Bd. I S. CXXIV f.). 4

1 GSA. Nr. 49, Bd. II, 401-51 u. S. LVIIIff.; Bolte-Poli'vka 2, 135 f.Pfannmüller, s. ob. Übersetzung: Mor. 3 GSA. Nr. 56, Bd. III, 83-91 u. S. XXIV f.;Heyne, Fünf deutsche mittelalterl. Erzählun- LASSBERG,L.Nr.CXXVII,2,309-15;WACKER-gen in neuen Versen, 1902, 1-26. Abhandl.: nagel, Leseb. 5 Sp. 1139^4. Uhland,Reifferscheid, ZfdPh. 6, 38^11; Otto Lipp- Schriften 3, 194-98; Bartsch, Germ. 8,41-45,streu, D. Schi., Diss. Halle 1894; Pfann- s. Adelb. Keller, Fastnachtspiele 3, 1853,Müller, ZfdPh. 54, 231-39; Stehmann, pass.; 1135-38; Schaus, ZfdA. 42, 101 Anm. 2. 104;LEiTZMANN.Beitr. 48, 268; Stammler, ZfdPh. Leitzmann, Beitr. 48, 274 f. Den Namen53, 22. Alt. Lit.: Piper, Höf. Ep. 3, 528; Irregang trägt auch einer der guten Gesellenweitere Lit. Pfannmüller, Ausg. u. ZfdPh. in dem SchwankIrregang und Girregar", s.aaO. oben.

2 Fünf Fassungen: GSA. Nr. 48, Bd. II, 387 4 Leitzmann, Beitr. 48, 46. Zu Nr. 2 [Zaube--99 u. S. LVff. III, 729-36 (Fass. I u. IV); rerVirgilius], GSA. 2,509 ff., s. auch Bartsch,Stehmann, Stud. S. 173-79; Pfannmüller, Germ.4,237^10.5,94 f.; J. V. Zingerle, ebdaZfdA. 239-17 (mit Text von Fass. III); Ro- 5, 368-71.

Senfeld, Beitr. 54, 367-90 (mit Text V).