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ders die bürgerlichen und bäuerlichen Kreise in ihren Stoffbereich zog, einein engeren Rahmen gefaßte Kleindichtung geringeren Umfangs, die nichtauf das monumentale Ansehen der großen Romane Anspruch machen konnte:die „Erzählungen und Schwanke". Die Verserzählung unterscheidetsich, gattungsmäßig aufgefaßt, von dem Epos dadurch, daß sie nur einen ein-zelnen, in sich zusammengeschlossenen Vorgang einheitlich schildert, worinzugleich ihr äußerer Umfang, ihre Kürze bedingt ist. Im engeren Sinn kannsie Novelle (ital. novella) genannt werden, insofern diese Erzählungsartetwas Neues, noch nie Dagewesenes vorführen soll. Als Schwank (Nameschon im späteren Mhd.) 1 tritt eine solche Erzählung bzw. Novelle auf, wennsie einen listigen, ergötzlichen, häufig erotischen, auch obszönen Streich zumbesten gibt, während die eigentliche „Erzählung" keinen solchen Beige-schmack hat. 2 Diese Art der Lebensdarstellung ist ein Zeichen des Kultur-wandels von der aristokratischen Kunst des ritterlichen Epos hinweg zudem Emporkommen bürgerlicher Lebensstimmung (s. oben), welche etwavon der Mitte des 13. Jahrhunderts an auch in der Dichtung immer mehrBoden gewann. Die Verfasser sind, außer Wildonie, nicht adelig, sondern zu-meist Fahrende, Spielleute, wandernde Kleriker, Schuolajre und Bürger. —Die Geschichten sind zum Teil im Mittelalter, besonders in Frankreich, er-funden worden, meist aber gehören sie der Weltliteratur an und stammen ausdem Orient, von wo sie in den abendländischen Literaturen, auch im Mittel-lateinischen, weite Verbreitung fanden. 3
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Die erste Stelle unter den kürzeren Erzählungen gebührt wegen des gewal-tigen, ethischen und sozialen Hintergrundes dem Meier Helmbrecht vonWer n her dem Gartensere. 4 Dies ist keine Erzählung zur bloßen Unter-haltung, keine Novelle, die als bloße Neuigkeit den Gaumen kitzelt, sondern
Wieland, 1926; Herm. Weisser, D. dt. No- Fablels).
velle im MA., 1926, dazu Niewöhner, Anz. 53, 4 Lit.: Piper, Höf. Epik 2, 398-404; Frän-
121-27, Fr. Neumann, DLz. 1928, 861-67; kel, ADB. 42, 77-80; bes. Panzer 4 (s. unt.),
Fritz Karg, GRM. 11, 328 f.; Stammler, Einleitung. — Ausgaben. Erste kritische
ZfdPh. 53, 21 f.; Günther Müller, Walzeis Ausg. v. Mor. Haupt, ZfdA. 4, 318-85; Fr.
Handbuch d. Literatur-Wissensch. I, 1927, Keinz, M. Helmbr. u. seine Heimat, l.Aufl.
20 ff. (Novellistik); Zwierzina, .Die Inns- 1865. 2. Aufl. 1887, dazu Kinzel, ZfdPh. 20,
brucker Ferdinandeumshs. kleinerer mhd. Ge- 379, Schröder, DLz. 1887, 1271, Cbl. 1887,
dichte, Festgabe Singer 1930, 144-66. 1633, Lambel, Lbl. 1892, 369 ff.; Hans Lam-
1 Schwanke in lat. Sprache gab es schon in BEL, Erzählungen u. Schwanke, 1872. 2.Aufl.der ahd. Zeit, s. LG. I Reg. S. 467, bes. S.94 f. 1883 (Nr. III); die jetzt maßgebende Ausg.:u. S. 355-64. Fr. Panzer, Ad. Textbibl. Nr. 11, 1902 (dazu
2 Neben dem großen Epos wandten sich der Lambel, Anz. 29, 214-27, Ehrismann, ZfdPh.geschlossenen Erzählung auch Hartmann 36, 275-77, Cbl. 1902, 1409). 1906. 1911. 1924,(Armer Heinrich), Konrad v. Würzburg (Otto zweiter Abdruck der 4. Aufl. 1927; dritter Ab-mit dem Barte, Herzmaere, Schwanritter, Der druck 1930; ältere Ausg. s. Panzer, Einleitg.Welt Lohn), Heinrich v. Freiberg (Schrätel u. — Übersetzungen s. Panzer 4 S. XIX f.;Wasserbär) zu. nach Panzer 4 erschienen: Fulda, Neudruck,
3 Kurze, klare Übersicht über die „Ur- 1924; K. Schiffmann, mit 12 Holzschnitten,Sprungsfragen" der Erzählungen, Schwanke, 1925; Ninck, M. Helmbr. in neuen dt. Rei-Fabeln bei Voretzsch, Einführung in d. Stud. men, 1927, Reclam; Jos. Hofmiller, Mün-der afrz. Lit. Kap. 11, 3 (Die Anfänge des chen 1930 (Prosa); W. Klöpzig, Deutsch-