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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
Entstehung
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I. DIE ERZAHLENDE DICHTUNG

A. DAS HÖFISCHE EPOSa) DIE JÜNGEREN ZEITGENOSSEN DER DREI MEISTER

Durch Hartmann, Wolfram, Gotfrid hat die höfische Epik ihren klassischenAusdruck gefunden, sowohl im Ideengehalt als in der Form. Mit Recht werdenihre Schöpfungen neuerdings mit dem Kennworthochhöfisch" bezeichnet;im Gegensatz dazu nennt man die Periode der Epigonen, die etwa mit derMitte des 13. Jahrhunderts einsetzt und deren Hauptvertreter Konrad vonWürzburg und der jüngere Titurel sind,späthöfisch". 1 Im folgenden wirdder Übersichtlichkeit wegen die Masse, der Zeitfolge entsprechend, in kleinereAbschnitte geteilt werden.

An die drei großen Führer schließt sich eine Gruppe jüngerer Zeitgenossenan (etwa bis zum Jahre 1230), die unter ihrem Einfluß stehen und die Höheihrer Erzählungskunst nicht erreichen, aber als noch der gleichen Generationangehörend mit ihnen in der Beurteilung der Lebenswerte übereinstimmen.Ihnen schwebt wie jenen Führern ein ideales Rittertum als Wunschbild vor,aber es trägt nicht die vollgeprägten geistigen Züge. Hartmann hat die Schick-sale des Erec und Iwein unter den Begriff der höfisch-ritterlichen Pflicht ge-stellt, Gotfrid entwirft im Tristan ein Kunstwerk feinster höfischer Bildung,Wolframs Parzival erreicht die höchste Stufe des geistigen Rittertums, seineethische Idee, die Einheit von Mensch und Gott. Keiner ihrer unmittelbarenNachfolger hat sie im geistigen Gehalt erreicht, auch sie stellten ritterlicheMusterbilder auf, aber die Dichtung erreicht bei ihnen nicht die Stärke einesSymbols, die Hauptsache ist das romanhafte Geschehen; sie ist nicht mehrdurchleuchtet von jener edeln Humanität.

Auch für die Wortkunst haben die drei vorbildlichen Meister die Wege ge-wiesen. Die Nachfolger nehmen z. T. Hartmanns gemäßigten Erzählerstil auf,andere folgen Gotfrids Schönheit und Klarheit, wieder andere, in der spät-höfischen Periode, mühen sich ab, Wolframs dunkle, verschnörkelte Art nach-zuahmen. 2

Die wichtigsten Schriften über den Stil des höfischen Epos im allgemeinen: Bur-dach, Reinmar u. Walther pass.; Behaghel, Gesch. d. dt. Sprache, 5. Aufl. 1928, pass.;Kluge, Dt. Sprachgesch., 1920, 274 ff.; E. Hoffmann-Krayer, Gesch. d. dt. Stils in Einzel-heiten, 1925. Ehrismann, GRM. 1, 1909, 664ff.; Ders., ZfdPh. 42, 488 ff.; Singer, Wolf-rams Stil u. Stoff des Parz., Wiener SB. 180,1916; Ehrismann, Stud. üb. Rudolf v. Ems, 1919;

1 Kurt Herb. Halbach, Gottfr. v. Straßburg genannt. Das Mittel von Gotfrids Stil istderu. Konr. v. Würzburg, 1930, bes. S. 13. leichte Schmuck", ornatus facilis, Wolframs

2 Gotfrids Sprache kann man klassisch nennen, Manier hat denschweren Schmuck", ornatusStil; die subjektive Art Wolframs, der asianische difficilis (Brinkmann, Wesen u. Form, Reg.oder gallische Stil, ist Manier, wird auchbarock' S. 199).