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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
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VJI. Kapitel: Zelte und Baracken.

Band :

die in den Räumen des Hauptgebäudes bis dahin vonPyämie dezimirt worden waren. Bei den in die BarackeVerlegten trat keine einzige Wundkomplikation neu auf;die 10 Mann von 34 Scliwerverwundeten, welche im Sep-tember in der Baracke starben, hatten sich vor ihrer Ver-legung sämmtlich schon in einem vorgeschrittenen Stadiumder Pyämie befunden. Am 1. Oktober wurde seitens desablösenden Lazareth-Reservepersonals II. Armeekorps 1 ) dieBaracke mit Typhuskranken belegt, weil die rauhe Witte-rung die weitere Belassung der Schwerverwundeten daselbstverbot, am 26. Oktober indessen dieselbe gänzlich geräumt,nachdem ein heftiger Sturm den grössten Theil des Dacheshinweggerissen hatte.

In NovCant 2 ) hatten seit dem 20. August zuerst die2. und 3. Sektion Lazareth-Reservepersonals VIII. Armee-korps, später die 2. und 3. Sektion Lazareth-Reserve-personals VII. Armeekorps, ein Fabrikgebäude mit danebenerrichteten Baracken und Zelten als stehendes Kriegs-lazareth inne. 4 Zelte und 1 Baracke dienten zur Be-handlung von Verwundeten, eine kleinere Baracke alsBureau und Küche.

In Gorze wurde bei dem vom 15. August an dortetablirten 7. Feldlazareth III. Armeekorps 3 ) im Anfangdes September eine Baracke zu 36 Betten erbaut, welchean Stelle von Fenstern in jeder Seitenwand eine 3 Fusshohe, durch überragende Bretter gegen Regen geschützteoffene Spalte besass. Sie musste Ende September wiedergeräumt werden, da sie nicht geheizt werden konnte, auchihre Lage an einer belebten staubigen Strasse auf das Be-finden der Verwundeten ungünstig einwirkte. Ersatz schaffteein inzwischen von Nancy aus durch Vermittelung derfreiwilligen Krankenpflege eingetroffenes Zelt nebst zweimit Dachfirst-Ventilation und Fenstern versehenen Baracken,die ihren Platz in einem schönen, luftigen, am Bergabhangeoberhalb der Stadt gelegenen Garten fanden, im Oktobereiserne Oefen erhielten und bis zum 11. November mitgutem Erfolg in Gebrauch blieben.

In Maizery benutzte die 1. Sektion Lazareth-Reserve-personals I. Armeekorps 4 ) den September hindurch einekleine, aber gut ventilirte Baracke zu 10 Betten mit Erfolgfür Schwerverwundete, bis die Kälte im Oktober die weitereBelegung nicht mehr gestattete.

In Anoux la Grange erlosch in dem vom 19. Augustbis 6. Oktober daselbst etablirten 1. Feldlazareth der 25.(Grossherzoglich Hessischen) Division 5 ) die bis dahin häufigaufgetretene Pyämie von dem Augenblicke an, wo die für30 Verwundete errichtete Baracke in Gebrauch genommenwerden konnte.

In Corny benutzte das 4. Feldlazareth VII. Armee-korps vom 1. bis 5. September eine am Südende des Dorfes,dem Bahnhof Noveant gegenüber liegende Ziegelei, nebenwelcher die 1. Sektion Lazareth-Reservepersonals VII. Armee-

>) Vergl. S. 131. ») Vergl. S. 133. >) Vergl. S. 111.J ) Vergl. 8. 109. ») Vergl. S. 118.

korps 1 ) im Laufe des September eine Baracke erbaute undbis 30. Oktober mit Typhuskranken belegte. Die Barackelag von Südwest nach Nordost, war 314 Meter lang undbis zum Dach 3.i Meter, bis zum Giebel 7.7 Meter hoch.Die Seitenwände hatten je 8 durch Läden scliliessbareFenster; der Eingang befand sich am Südwestgiebel. Vonder hintern (südöstlichen) Wand führten 2 Thüren nach denLatrinen, deren eine mit der Baracke in Verbindung stand,während die andere 30 Schritt entfernt lag. Im Innernenthielt die Baracke in 4 Reihen 120 Betten. ZwischenBaracke und Ziegelei war eine gemeinschaftliche Kücheerrichtet.

Vom 30. Oktober an wurde diese Station mit den vonihr durch die Mosel getrennten Etablissements in Noveantals Etappenlazareth vereinigt und von dem Lazareth-Reserve-personal IX. Armeekorps 2 ) übernommen. Die in derBaracke erzielten Heilresultate werden gerühmt.

In dem schönen Parke des Schlosses zu Laudonviller?, 2. Feldlazareth I. Armeekorps 3 ) bezw. Lazareth-Reserve-personal VII. Armeekorps*) auf dem sandigen Untergründeeiner freien, massig ansteigenden Bodenerhebung erbautenim Monat September Pioniere 2 mit ihrer Längsseite vonNord nach Süd, nicht ganz in einer Flucht liegende, etwa40 Schritt von einander entfernte, nach Westen durchBaumgruppen und das Schloss geschützte Baracken.

Dieselben, für je 50 Betten eingerichtet, waren 47 Meterlang, 6.6 Meter breit und bis zum Dachfirst 5 Meter hoch.Die Konstruktion und innere Eintheilung entsprach imAllgemeinen der kriegsministeriellen Anweisung. Der Fuß-boden bestand aus Brettern, welche, etwas über dem Bodenerhöht, auf 78 Centimeter von einander entfernten Schwellenaufgenagelt waren. Die Wände hatten eine äussere Bretter-verschalung und enthielten 20 Fenster von etwa 31 Quadrat-meter Fläche, abwechselnd mit Glasfenstern, mit Stroh-matten und Zeugvorhängen versehen. Das mit dachziegel-artig sich deckenden Brettern gedeckte Dach trug einen95 Centimeter hohen Dachreiter, welcher sich bei einerBaracke über die Hälfte, bei der andern über ein Dritteldes Dachs erstreckte. An einer Giebelseite befand sich eingrosses Flügelthor, daneben ein gedeckter Gang zu ctaLatrinen, welche durch zweimal täglich abzufahrende Roll-kasten entleert wurden. Am andern Giebelende lagen zubeiden Seiten eines kleinen Korridors die Theeküche undRäume für Lazarethgehilfen. 100 Bettstellen nebst Bett-tischchen wurden gleichfalls von Pionieren angefertigtJede Baracke enthielt 3 eiserne Oefen.

Die erste Baracke konnte schon am 3. Oktober seitensdes 2. Feldlazareths I. Armeekorps mit 26 aus Gras ab-gegebenen Schwerverwundeten belegt werden, darunter Hmit Oberschenkel-Schussfrakturen, 5 Amputirte, 4 mit pene-trirenden Brustschüssen, die meist in schlechtem Zustandeankamen; 2 schon bei der Verlegung moribunde Amputirte2 ) Vergl. S. 133. 3 ) Vergl. S. 127.

Vergl. S. 134.Vergl. S. 135.