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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
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Drittes Kapitel.

Thätigkeit der Sanitätsdetachements, der Feld-,Kriegs- und Etappenlazarethe.

Vorbemer

k u n g.

Nachdem die Organisation und Ausstattung der mobilenSanitätsformationen, desgleichen die instruktionsmässig den-selben zufallenden Aufgaben im 3. Abschnitt des 1. Kapitelsdargestellt worden sind, soll in dem Nachstehenden geschildertwerden: l) in welchem Umfange und unter welchen Umständendie einzelnen Formationen thatsächlich zur Wirksamkeit ge-langten; 2) in welchem Verhältniss die durch dieselben reprä-sentirte Hilfe während der verschiedenen Kriegsperioden, ins-besondere auch bei den einzelnen Schlachten und grösserenGefechten zu dem Hilfebedarf stand. Aus der Darstellung derzuletzt erwähnten Verhältnisse soll nach Möglichkeit ersichtlichwerden, wie weit der geleistete Beistand auf dem Kriegsschau-platze, namentlich aber die erste Hilfe auf dem Schlachtfelde,als zulänglich bezeichnet werden kann. Den eigentlichen, aus-schlaggebenden Prüfstein auch der Organisation bilden zwarschliesslich die in der Behandlung der Verwundeten und Krankensowie in der Prophylaxis von Krankheiten erreichten Resultate,über welche der statistische, chirurgische und medizinischeTheil des Berichtes' genauere Auskunft giebt, nicht minderlehrreich aber für die organisatorischen Fragen bleibt die Kennt-niss der Umstände, unter denen im Einzelnen diese Resultateerlangt sind.

Die grosse Fülle von Material, welches gerade für die Dar-stellung und Beurtheilung der Thätigkeit der Sanitätsfor-mationen in den regelmässigen Berichten der Sanitätsdetache-ments und der Lazarethe selbst, sowie in den zusammenfassendenRelationen der -vorgesetzten Instanzen vorliegt, machte es schonaus äusseren Gründen unmöglich, dasselbe auch nur annäherndvollständig mitzutheilen. Bei der Auswahl des für die nach-folgende Darstellung, welche nur die grösseren Aktionen berück-sichtigt, zu Verwerthenden musste im Interesse einer nicht allzuungleichartigen und nicht über alles räumliche Maass hinaus-wachsenden Schilderung Vieles unbenutzt bleiben, auch wennes an sich nicht ohne historisches Interesse oder wohl geeignetschien, für das ärztliche Handeln im Felde nützliche Winke zuertheilen.

Unter diesen Umständen wurde für die Frage des Aufzu-nehmenden der sich stets in den Vordergrund drängende Ge-sichtspunkt entscheidend, wie die Möglichkeit der Hilfeleistungdem Hilfebedarf sich anpasste. Die Antwort auf diese Fragewurde vorwiegend in Zahlenverhältnissen gesucht, welche ins-besondere jedesmal nach Darstellung der Bethätigung der Sani-tätsformationen in und nach grösseren Gefechten übersichtlichzusammengestellt sind. Dabei liegt die Voraussetzung fern,dass mit diesen Zahlenverhältnissen allein ein auch nur statistischvöllig zutreffendes Bild der ersten Hilfe gegeben sei. Zur Ge-nauigkeit in statistischer Beziehung würde vor Allem ein Nach-weis darüber gehören: wie weit der wirkliche Bestand anAerzten etc. von der etatsmässigen Zahl bei den betheiligtenSanitätsformationen zur Zeit der Schlacht abwich, in welchemUmfange sich die Truppenärzte und die freiwillige Krankenpflegean der ersten Hilfe betheiligt haben, wie Viele von den Ver-missten, von denen nur ein Theil den Verwundeten oder Ge-fallenen zugerechnet werden kann, und wie Viele der Gefallenenvor dem Tode ärztliche Hilfe nicht erfordert haben. Nichtminder würde zur Ergänzung des Bildes nothwendig sein, zuwissen, wie gross die Anzahl der mitversorgten Verwundetendes feindlichen Heeres gewesen ist. Immerhin aber geben jeneZahlenübersichten, da wenigstens der durch das Sanitätspersonalden Truppen geleistete Beistand in einem ziemlich gleich-bleibenden Verhältniss zu der Zahl der engagirten Truppentheilestand, einen annähernden Ueberblick über die Grösse der in deneinzelnen Schlachten durch die Verluste auf Deutscher Seite demSanitätspersonal zugefallenen Aufgaben und sind jedenfalls eindeutlich redendes Zeugniss dafür, wie weit in den einzelnenSchlachten auf den sofortigen Beistand durch Sanitätsdetache-ments und Feldlazarette gerechnet werden konnte, d. h. wieweit die gesammte Organisation den leitenden Behörden ermög-lichte, eine genügende Anzahl dieser Formationen zur rechtenZeit dem Orte des Bedarfes zuzuführen. Auch wird das Maassder wirklich geleisteten Hilfe und die Zulänglichkeit derselbenaus derartigen Zusammenstellungen, so nüchtern sie erscheinen

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