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3 (1842)
Entstehung
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Wilhelm, welcher ihn durch seine politische Hal-tung aufrecht erhielt, und sein Volk vor Unruhenbewahrte. Dieß geschah auch durch seine landesvä-terliche Sorge beim Ausbruche der Cholera. UmDeutschland machte er sich besonders durch die Grün-dung des Zollvereines verdient, indem er durch dasmaterielle auch das geistige Interesse anregte, unddadurch eine größere Vereinigung Deutschlands be-wirkte.

Je weniger jene Zeitumstande dem Gemüthedes greisen Königs zusagten, je weniger Ersatz erauf dem Throne für seine Regierungssorqen fand;desto mehr erfreute ihn die allgemeine Verehrung,desto mehr beglückte ihn der schöne Kreis seiner Fa-milie. Dieser herrliche Kreis der Seinigen gewahrteihm nur Freude, und er war in der That ein glück-licher Vater glücklicher Kinder, wie es unter denFürsten wenige giebt. In ihrer Mitte brachte erdie schönsten Stunden nicht blos in Berlin undPotsdam, sondern besonders auch in Schlesien zu;in ihrer Mitte feierte er gewöhnlich, nach seiner Rück-kehr von Teplitz, auf dem Landgute Parez seinenGeburtstag. Eben so erfreulich als ehrend wa-ren für ihn die Zusammenkünfte mit dem KaiserFranz in Theresienstadt, mit diesem und dem Kai-ser Nicol aus in Münchengrätz (Aug. und Sept.1833), die späteren Besuche seines kaiserlichen Schwie-gersohnes, der österreichischen Erzherzoge Johannund Karl Franz 183.' bei der Musterung inSchlesien, und der französischen Prinzen, der Her-zoge von Orleans und Nemours 1836 in Berlin.Wahre Familienfeste waren die Besuche der kaiser-lich-russischen Familie 1829, im Spatherbst 1834,im Sommer und Herbst 1835 und im Sommer1838. Einen besonderen Beweis seiner Liebe undHochachtung gab der König dem Kaiser Nicolausdurch die Theilnahme an dem Militärschauspiele mitseinen Garden bei Kalisch 1835. Jene Huldigun-gen und diese Familienfreuden waren die Lichtpunktein seinen letzten Regierungsjahren.

Unter diesen, seinem Gemüthe wohlthuendenUmständen und Verhallnissen nahte sich das Endeder wechseluollen Lebensbahn Friedrich Wilhelms,indem er noch als letztes Vermächtniß seiner Frie-densliebe die Vollmacht zur Quadrupelallianz gab,und die Anordnung zur Grundsteinlegung des Denk-mals Friedrichs des Großen traf, dessen Vor-arbeiten er schon in den ersten Jahren seiner Re-gierung durch einen Kabinetsbefehl an den Ministervon Heinitz und den General Tempelhof be-fohlen hatte. Mit dem Herannahen des Frühlings1849 zeigten sich zuerst beunruhigende Symptomevon des Königs Gesundheitszustande, und seit denletzten Tagen des Mais erregten sie ernste Besorg-nisse. Sie mehrten sich mit dem Anfange Junis,und seit dem 4. dieses Monats schwand bereits alleHoffnung auf eine längere Erhaltung dieses theuernLebens. Allgemein war in Berlin die Bestürzung, unddie wärmste Theilnahme des Volkes bethätigte sich aufjede mögliche Weise. Wer sich irgend nahen dürfte,suchte dem hohen Kranken noch Freude zu machen,was vor Allen der Stadt Berlin durch die sinnigeGabe eines Lorbeerkranzes am 1. Juni trefflich ge-lang, wo der König sich während der Feier derGrundsteinlegung noch an's Fenster führen lassenkonnte. Schon lange vor seinem vom Volke sogefürchteten, von ibm vielleicht gewünschten Abtre-

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ten vom Schauplatze dieser Welt, nachdem er dievornehmsten seiner Minister, Feldherren und Räthehatte scheiden sehen, hatte der fromme König seinHaus bestellt und sich dem Himmel zugewendet.So sah er denn auch ganz ruhig, von den tief be-trübten Seinen umringt, voll gottesfürchtiger Erge-bung, den letzten Augenblick seines irdischen Lebensnahen, und entschlummerte sanft, indem die eineHand der Kronprinz, die andere die Fürstinn vonLiegnitz hielt, am 1. Psingstfeiertage, den 7. Juni,Nachmittags um halb 4 Uhr. Der nunmehrige Kö-nig drückte daraus dem geliebten Vater die Augenzu, und alle Anwesende sanken unwillkürlich, vondem Schmerze der Trennung und von der Größedes Verlustes ergriffen, zum inbrünstigen Gebeteauf ihre Knie. Bis zum letzten Augenblicke inseinen Kriegsmantcl gehüllt, starb Friedrich Wil-helm einfach, wie er gelebt hatte, in einem Allervon 69 Jahren, 10 Monaten und 4 Tagen, nacheiner Regierung von 42 Jahren, 6 Monaten und22 Tagen. Am 9. Juni früh um 1 Uhr Morgensward die königliche Leiche, von den Unteroffizierender Schloßwache getragen, aus dem Palais nachdem Schlosse gebracht und der Sarg im Audienz-zimmer unter einem Thronhimmel aufgestellt. Am19. Juni fand die Ausstellung des ParadesargesStatt, und den 11. folgte die feierliche Beisetzungim Dome, wie sie eine eigenhändige Verfügungdes Verewigten angeordnet hatte. In der folgen-den Nacht brachte man die irdische Hülle im stillenZuge nach Eharlottenburg, um dort im Mausoleumneben der Königinn Luise zu ruhen.

War der Schmerz der königlichen Familie großund rührend, so war die Trauer des Volkes undselbst des Auslandes nicht weniger allgemein undinnig. Und in der That vereinigte der hohe Ent-schlafene, als Fürst, Mensch und Familienvater alleEigenschaften in sich, welche nur immer ein from-mes und tugendhaftes Leben zu krönen vermögen.Wie wichtig ihm, vom Anfange bis zu Ende, seinhoher Regentenberuf war, beweisen besonders auchzwei Urkunden, seine Instruktion an den Generalvon Köckeritz, bei seinem Regierungsantritte, undsein letzter Wille. Kurz vor dem Tode seines Va-ters äußerte er gegen seinen früheren Erzieher, dengeheimen Rath Venisch:Mir sieht ein großesUnglück bevor, denn ich werde wahrscheinlich baldKönig werden, und habe zwar den beßten Willen,gut zu regieren, aber ich fühle, daß ich noch nichtalle, hierzu erforderliche, Kräfte und Erfahrungenbesitze." In dieser Ueberzeugung gab er dennauch dieInstruktion für Köckeritz," aus wel-cher hier folgende Stellen stehen mögen.

So lange ich Sie nun kenne, vorzüglich aberin den letzten Jahren, wo ich Sie täglich zu sehenund zu beobachten Gelegenheit gehabt, habe ich michimmer mehr in der Idee bestärkt gefunden, in Ih-nen einen Mann zu besitzen, der mir dereinst durchseinen Biedersinn, richtige Beurtheilung, natürlichenVerstand, festen Charakter und die erprobteste Recht-schaffenheit ganz vorzügliche Dienste zu leisten imStande sein wird. Mit Recht setze ich nun meinganzes Vertrauen auf Sie, und zwar aus den obenangeführten Gründen. Ich bin ein junger Mensch,der die Welt noch immer zu wenig kennt, um sichgänzlich auf sich selbst verlassen zu können, und umnicht befürchten zu müssen, bei aller Vorsicht von

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