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unredlichen Menschen hintergangen zu weiden; ihmmuß daher ein jeder gute Rath, sobald er redlichgemeint, willkommen sein. Diesen guten Rath er-warte ich aber vorzüglich von Ihnen, und zwar aber-mals aus den oben angeführten Ursachen. Ich bitteSie daher, bleiben Sie immer mein Freund, sowieSie es bisher gewesen, verändern Sie nicht IhreArt gegen mich zu denken, und seien Sie überzeugt,daß ich immer derselbe bin, mag sich auch meinTitel verändern, wie er will. In meiner künftigenLage gebrauche ich einen wahren Freund und Rath-geber, mehr als jeder Andere. Nichts ist aber als-dann schwerer, als einen solchen zu finden. Wieoft und wie vielfältig haben sich nickt hierin man-che gute Herren geirrt, und wie unglücklich sindnicht öfters ihre Wahlen dabei ausgefallen. Dießkann bei Ihnen nicht der Fall sein; ich kenne Siezu gut, und bin daher meiner Sache gewiß. Al-lein erlauben Sie mir eine Frage. Werden Sieauch immer so bleiben, wie Sie jetzt sind? — im-mer so denken und handeln? — Ö thun Sie dieß,lassen Sie sich durch nichts blenden, bleiben Sieimmer auf dem geraden Wege, lassen Sie sich we-der durch falsche Ehrbegierde, noch durch Eigennutzverblenden, lassen Sie sich nicht durch falsches Ein-reden und unrichtige Vorspiegelungen überlisten!Meiden sie die Parteilichkeit und handeln Sie be-ständig nach Ihrer inneren Ueberzeugung, dasheißt, nach Pflicht und Gewissen. Meinen Sienicht, wenn Sie dieß lesen, als ob ich den gering-sten Argwohn hätte, daß sie auf diese Abwege ge-rathen könnten. Nein, wahrlich nicht; ich halte esbei Ihnen für unmöglich; allein die Erfahrunglehrt nur allzu sehr, wie die beßten Menschen, wennsie bis zu einer gewissen Stufe gekommen, oftschwindlich geworden, und gar nicht mehr die Näm-lichen geblieben. Wenn Ihnen also gleich Ihreinnere Ueberzeugung die Unmöglichkeit einer solchenVeränderung bei Ihnen versichert, so verabsäumenSie dessenungeachtet nicht, Ihre Handlungen nachjenem Probirsteine zu prüfen, und denken Sie im-mer daran, daß Sie Mensch sind, also fehlen kön-nen. Daß Sie Menschenkenntniß besitzen, das beißt,daß Sie selbige nach ihren Handlungen, ihrem Thunund Lassen richtig zu beurtheilen vermögen, dieß habeich bei Ihnen zu prüfen Gelegenheit gehabt. Auchhierin müssen Sie mir künftig beistehen."
„Nun noch ein wichtiger Gegenstand, bei demich Sie zu gebrauchen Willens bin. Nach vielemHin- und Hersinnen und nach meiner inneren Ueber-zeugung, weiß ich kein besseres Mittel, um die Zer-rüttung in den Finanzen wieder herzustellen, und einauf Ordnung rubendes festes System der Staats-verwaltung einzuführen, als wenn ich die erfahren-sten und geschicktesten Staatsmänner anhero berufe,und eine Kommission niedersetze, welche alle Bran-chen der inneren Staatsverfassung durchgehe undprüfe, um sodann die Mittel zu deren Verbesserungund Abstellung der eingeschlichenen Mißbräucke aus-findig zu machen, mir selbige sodann vorlegen zulassen, selbst zu untersuchen, und dasjenige, wasich für richtig und anwendbar finde, einzuführen.Bei dieser Untersuchungs-Kommission halte ich eineMittelsperson für höchst nothwendig. Zu einer sol-chen Mittelsperson aber schickt sich keiner so gutwie Sie."
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Friedrich Wilhelm IV.,
König von Preußen.(Beschluß.)
Am 29. Nov. 1823 vermählte sich der Kronprinzmit derköniglichen Prinzessinn Elisabeth von Baiein(dort Elisa genannt, geb. den 13. Nov. 1801), drittenTochter des Königs Maximilian und der Prinzes-sinn Karolina von Baden, Stiefschwester des Kö-nigs Ludwig und Zwillingsschwester der Prin-zessinn Johann von Sachsen. Durch diese glück-liche Verbindung, welche in Baiern und Preußenals eines der herrlichsten Fürsten- und Volksfeste ge-feiert, und in ganz Deutschland als ein wichtigesNationalereigniß in politischer, wie in religiöser Hin-sicht betrachtet wurde, sah er die lange genährtenWünsche seines Herzens erfüllt, indem ihm der Him-mel jene holde Lebensgefährtinn schenkte, welche erbeim ersten Anblicke als die ihm einzig Beschiedeneerkannt hatte. Ein hoher Ruf anmuthiger Schön-heit und geistreicher Liebenswürdigkeit ging der ge-liebten Fürstentochter voraus, und bereitete ihr imLande, wie in der Residenz, den herzlichsten Em-pfang, welcher bald durch ihre trefflichen Eigen-schaften in eine dauernde, liebevolle Verehrung über-ging. Das Glück dieser Ehe, in welcher Beidefanden, was ihre Herzen im Einklänge reiner Zu-neigung gewünscht hatten, lieferte nicht nur einschönes Seitenstück zu der musterhaften älterlichen,sondern erinnerte auch an die treue und liebevolleElisabeth, Gemahlinn des Kurfürsten Friedrich!,von Brandenburg, welche auch eine Prinzessinn vonBaiern (Landshut!) war, bekannt unter dem Na-men der schönen Else.
Mehr als irgend ein junger Fürst unserer Zeitreiste der Kronprinz. Nachdem er 1814 mit seinemköniglichen Vater Paris und London, 1818 Peters-burg und Moskau gesehen hatte, unternahm er auchnoch später fast jedes Jahr Reisen in Bäder odernach verschiedenen Ländern, Haupt- und Residenz-städten. So besuchte er 1825 Hannover, Baden,Karlsruhe, 1826 Ems, 182? Weimar, 1823 Dres-den, München, Süddeutschland und Italien, 1830Teplitz, Dresden und Warschau; 1833 Petersburgund Baiern, Süddeutschland und Obecitalien, 1836die Rheingegenden und 1837 abermals Baiein,überall die Schätze der Künste und Wissenschaften auf-suchend und betrachtend. Seit dem verwandtschaft-lichen Verhältnisse mit dem bairischen Fürstenhausewaren ihm besonders Kissingen und Tegernsee in-teressante Punkte, so wie er auch häufig in Fisch-bach und Erdmannsdorf mit allen Gliedern des kö-niglichen Hauses zusammentraf.
Unter solchen Studien, Beschäftigungen und Rei-sen hatte der Kronprinz bald das 45, Lebensjahrzurückgelegt, als sein greiser, innig geliebter undhochverehrter Vater, wie er fromm und tugendhaftgelebt, den 7. Juni 1840, im frommen Glaubenentschlafend, ihm, seinem Erstgebornen, mit einemlandesoäterlichen Vermächtniß, die Krone übergab.Die allgemeine Trauer um den verewigten Landes-vater war der frohen Hoffnung gleich, mit welcher dastreue Volt den neuen König Friedrich Wil-helm lV. begrüßte, und dieß um so mehr, als sichan das Jahr 40, in der brandenburgisch-preußischenGeschichte, große Erinnerungen knüpften. Denn1440 starb der Kurfürst Friedrich, der erste Ho-
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