Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
Seite
180
Einzelbild herunterladen
 

180

ü

-

^

verbunden. Zu Anfange Mais überließ der Königselbst das Gouvernement und die Kommandamschaftvon Berlin dem französischen Divisionsgeneral Du-rutte. Nach Abschließung eines ähnlichen Ver-trags (14. März 1812) mit Oestreich erfolgte (vom16. 39. Mai) eine Zusammenkunft des Kaisersund Königs mit Napoleon zu Dresden, wo diebeiden Ersteren von der königlichen Familie mitherzlicher Theilnahme, wie von den Einwohnern,welche diese theilten und unverholen äußerten, aufdas Ausgezeichnetste empfangen, und ihnen allemögliche Beweise zarter Aufmerksamkeit gegeben wur-den, besonders dem-Könige von Preußen, welchererst den 26. Mai in Dresden eintraf und den 39.mit dem Kronprinzen über Meißen, Torgau, Wir-tenberg und Dessau die Rückreise machte. Meißenwar am Abend bei seiner Ankunft erleuchtet, undder General von Zeschau, welcher ihm bis Gro-ßenhain mit dem Obersten von Reisky, 2 Kammer-Herren und dem Hofmarschall von Tümpling,nebst der Hofküche, entgegengesandt worden war, be-gleitete ihn wieder bis nach Wörlitz. Allgemeinwar der Enthusiasmus für den König von Preußenauf seiner Reise durch Sachsen.

Durch die Verpflegung der französischen Trup-pen wurden nicht nur die Rückstände der Kriegs-steuer bald abgetragen, sondern es entstanden selbstnoch Ueberschüsse, welche aber Napoleon ebensowenig bezahlte, als er die vertragsmäßige Verpfle-gung der Festungen Glogau, Küstrin und Stettinauf seine Kosten übernabm. Eben so beeinträchtigteman das preußische Hilfsbeer auf mehr als eineWeise. König, Volk und Heer waren also von Na-poleon und seinen Franzosen vielfach gemißhandeltworden. Als daher die traurigen Nachrichten, amEnde des Jahres, von dem Schicksale der Franzo-sen in Rußland eintrafen, wie es der dänische Staats-rath Eggers schon 1896 vorausgesagt hatte; sodachte der General von York zuerst daran, daß esnun Zeit sei, einen gewagten Schritt zu thun, undso trennte er sich durch die Konvention von Tau-roggen (d. 30. Dezember) von den Franzosen. Wie-wohl der König diese Konvention nicht bestätigte,den General von York vor ein Kriegsgericht zustellen befahl, dem Generale von Kleist den Ober-befehl des preußischen Eorps übertrug und den Für-sten von Ha tz fe ld (den 12. Jan. 1813), Yorks Ka-pitulation zu entschuldigen, nach Paris schickte; sokamen doch bald Anzeichen von oben, welche aufeinen Bruch mit Napoleon hindeuteten, für wel-chen sich auch die allgemeine Stimme des Volkeslaut erklärte. Es erfolgte am 22. Januar die Ab-reise des Königs nach Breslau, wo ihn eine SchaarPatrioten empfing, an deren Spitze Scharnhorstund Blücher standen, und zu denen noch Gne^-senau aus England, Boyen aus Rußland, undandere gefeierte Männer, wie Pfuel, Elausewitzund Rühle von Lilienstern kamen. Währendder Abwesenheit des Königs und des ihn begleiten-den Staatskanzlecs ward in Berlin eine Regie-rungskommission ernannt und zugleich öffentlich dieErklärung gegeben, daß Preußens gefahrvolle LageMaßregeln zur Vertheidigung des Vaterlandes undzur Erhaltung seiner Selbstständigkeit verlange. Leb-hafter wurde seitdem der Briefwechsel mit dem Kai-ser Alexander, und am 3. Februar erschien desKönigs Aufruf zur Bildung freiwilliger Jäger zu

Fuße und zu Pferde. Schon am 15. März zogAlerand er an der Seite Friedrich Wilhelms

in Breslau ein, nachdem bereits am 28. Februarzu Kalisch ein Bündniß zwischen Nußland und Preu-ßen geschlossen worden war. Mit diesem Bünd-nisse und anderen Verträgen stand die Urkunde vom19. März, dem Geburtstage der verklärten Köni-ginn, über die Stiftung des eisernen Kreuzes,die Ehrenrettung Yorks, die Kriegserklärungdes Königs vom 16. März an Frankreich, der Auf-ruf des Königs an sein Volk und Heervom 17. März, die Verordnung über die Organi-sation der Landwehr, die Aufhebung des Konti-nentalsystems, die Erklärung des Königs an dieBewohner der im tilsiter Frieden abgetretenen Län-der, die Verordnung über den Landsturm, die Er-richtung einer Reserve:c. in Verbindung.

Erhebend war es für Friedrich Wilhelmzu sehen, wie sein treues Volk, auf seinen Ruf,voll hoher Begeisterung eilte, Gut und Blut fürKönig und Vaterland darzubringen, Preußen vonder schmachvollen Unterdrückung zu befreien! DerKönig folgte hierauf, mit dem Kronprinzen undden übrigen Prinzen, dem russisch-preußischen Heerenach Sachsen, dessen König er am 9. April zurMitwirkung für die Freiheit Deutschlands auffor-derte. Dieser aber, nach den bisherigen Erfahrun-gen, dem Unternehmen der Verbündeten noch miß-trauend, gab zur Antwort:er sei mit Oestreichübereingekommen, sich der bewaffneM Vermittelunganzuschließen, welche dieses mit Zuziehung der krieg-führenden Mächte übernehmen wolle." Unterdeßrückten die Russen und Preußen vor, und der Könighielt, an der Seite Alexanders, seinen Einzug inDresden, wo sie von den Einwohnern der Residenz,wie von ganz Sachsen, mit allgemeinem Jubel alsBefreier begrüßt und nach den Umständen unterstütztwurden. Leider sahen sie anfangs ihre Anstrengungen,bei Napoleons Uebermacht, nicht sogleich mit Siegengekrönt, und erst nach dem Waffenstillstände, durch Oest-reichs Beitritt verstärkt, waren sie vermögend, Napo-leon die Spitze zu bieten, und so glücklich, durch dieVölkerschlacht bei Leipzig, ihn aus Deutschland zuvertreiben. Friedrich Wilhelm reiste hier-auf, wie früher den 24. März, den 24. Oktobernach Berlin, und von da nach Schlesien, um dieAushebungen und Rüstungen zu beschleunigen; dannfolgte er mit dem Hauptquartiere dem Hauptheerewieder, überall die Mühseligkeiten und Gefahrendes Krieges theilend, wie durch Scharfblick undHeloenmulh vorleuchtend, und hielt mit Alexan-dern, am 39. März 1814, den Einzug in Paris.Von da erließ er am 3, Juni einen Dank an seinVolk und einen anderen an sein Heer, und belohnteden Staatskanzler und die ersten seiner Feldherrenmit Standeserhöhungen und Gütern wahrhaft kö-niglich. Der Fürst Blücher erhielt für 799.9U9Thaler, der Fürst von Hardenberg für 459,999,die Generale York von Wartenblirg, Bülow vonDennewitz, Kleist von Nollendorf, Tauentzienvon Witlenberg und Gneisen au mit dem Gra-fenlitel, jeder für 299,999 Thlr. Güter. Alle Trup-pen, sowohl die des stehenden Heeres als der Land-wehr, welche mit dem Feinde gekämpft hatten, wur-den militärisch ausgezeichnet. Nach dem Frie-densschlüsse reiste der König, von dem Prinz-Regen-ten Großbritanniens eingeladen, in Begleitung des

>