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zu handeln, Preußen aufrecht zu erhalten und füreine glücklichere Zukunft vorzubereiten. TüchtigeMänner wurden, nach zum Theil zu gnadiger Ent-lassung mehrer hohen Staatsdiener, in allen wich-tigen Aemtern angestellt, alte und veraltete Formenmit neuen und besseren vertauscht, und in allenZweigen der Verwaltung ungesäumt die zweckmä-ßigsten Verbesserungen vorgenommen. Noch wäh-rend des Krieges hatten sich einsichtsvolle und kräf-tige Männer für die Geschäfte des Friedens undKrieges um den König versammelt, welche zugleichdie Stimme des Volkes als tüchtige Theilnehmeran der Wiedergeburt des Staates bezeichnete. Dieersten Bemühungen des Königs betrafen das Heer,dem das Volk überhaupt mit bitterem Tadel dasUnglück zuschrieb, und er sah sich daher genöthigt,um die Anführer wieder zu Ehren zu bringen,Ehrengerichte niederzusetzen. — Unter denjenigenKriegern, welche sich vor und nach dem Unglückschon große Verdienste um das preußische Heerwesenerworben hatten, stand Gerhard David vonScharnhorst (s. s. Viogr. Bor. Bd. l. S. 75,81.) oben an, und ihm ward daher die Umbildungdes Heeres vom Könige übertragen. Seitdem warddie harte Behandlung und schimpfliche Bestrafungder Gemeinen gemildert, und alle Beförderung imFrieden von Kenntnissen und Bildung, im Kriegevon Tapferkeit und Auszeichnung, ohne Rücksichtauf adlige Geburt, abhängig gemacht. Was Scharn-horst für das Kriegswesen that, das leistete derMinister Freiherr Karl von und zum Stein mitgleich patriotischem Eifer und seltener Kraft im Ord-nen des Innern, noch in Memel vom Könige, am5. Okt. 1807, an Hardenbergs (f. s, Viogr.Bor. Bd. I. S. 29, 35) Stelle, zur obersten Lei-tung aller Angelegenheiten berufen. Mit ihm weit-eiferten in zeitgemäßen und angemessenen Verord-nungen zur Erhöhung der inneren Staatskraft aus-gezeichnete Staatsmänner, wie von Altenstein,von Dohna, von Beyme, Graf von Golz, vonKlewitz, von Schön, Stägemann, Niebuhrund Andere.
(Fortsetzung folgt.)
August Wilhelm Anton NeilchardGraf von Gneisenau,
königlich preußischer Feldmarschall.(Beschluß.)
Nach dem Waffenstillstände befand er sichmit dem Hauptquartier auf dem Montmartre. InParis wurden dem General von Gneisenauzahlreiche Beweise der Anerkennung seiner Ver-dienste zu Theil: sein König ernannte ihn zumGeneral der Infanterie und hob ihn in den Gra-fenstand, mit Beilegung der auf sein Feldherrnwir-ken bezüglichen Wappenbilder, namentlich des mitLorbeeren umwundenen Schwertes und des preußi-schen Adlers, so wie mit dem schönen Wahlspruche:„fort»!«, üdüliter, feliciwr." — Mit der Grafen-würde ward zugleich eine Dotation an Gütern von10,000 Thalern jährlicher Einkünfte verbunden undder Graf erhielt die im Regierungsbezirk Magdeburgan der braunschweigischen Gränze gelegene alteHerrschaft und ehemalige Pfalz Sommerschenburg.>— Nachdem die Monarchen Paris verlassen hat-
ten, begab sich der Graf zuerst auf seine Güter inSchlesien, dann in die Bäder und zuletzt im Herb-ste nach Berlin, wo er den Winter mit dem Für-sten Blücher sehr angenehm verlebte, zugleich denVerhandlungen in Wien mit Aufmerksamkeit fol-gend.
Ueber die Rückkehr Napoleons von Elbanach Frankreich war Gneisenau, wie Blücher,um so mehr erfreut, als Beide der erste pariserFriede nicht befriedigt hatte. Er lud noch amAbende des Tages, an welchem die Nachricht nachBerlin gekommen war, seine zahlreichen Freundezu sich ein, und Napoleon mit den Maßregelngegen ihn waren die Gegenstände der allgemeinenUnterhaltung. Er begleitete hierauf den FürstenBlücher als Chef des Generalstabes an der Spitzedes niederrheinischen Heeres. Noch ehe die Feind-seligkeiten zum Ausbruch kamen, begab sich ein injeder Hinsicht beklagenswerthes Ereigniß — der be-rüchtigte Sachsenaufstand in Lüttich — welcher überdie befohlene Theilung derselben entstand, mit einemAuflaufe der sächsischen Garden unter Gneise-naus Fenstern den 1. und 2. Mai begann undbis zum 6. Mai dauerte. —- Bald folgten diebeiden letzten Schlachten gegen Napoleon, undGneisenau zeigte sich in und nach denselben in sei-ner ganzen Feldherrngröße. Er war überall, woman seines Rathes und seiner Leitung bedürfte;er spornte die Soldaten an und leitete ihre Bewe-gungen persönlich. Nach der unglücklichen Schlachtbei Ligny (d. 16. Juni) war er es, welcher dieOrdnung des Rückzuges und die Herstellung desHeeres zur Schlacht bei Belle-Alliance (d. 13. Juni),so schwierig es auch war, dennoch glücklich zuStande brachte. In beiden Schlachten schwebte erin großer Lebensgefahr, indem bei Ligny eine Ka-nonenkugel quer durch sein Pferd schlug, vor demlinken Beine hinein, hinter dem rechten heraus,und bei Belle-Alliance der Länge nach durch seinPferd ging, ohne ihn auch nur zu beschädigen.Als der Sieg den Tag gekrönt hatte, ward er vollstän-dig und entscheidend durch die rasche Verfolgungdes Feindes, welche Gneisenau übernahm. Miteinem Bataillon Infanterie und 2 Dragonerregi-mentern trieb er die geschlagenen Franzosen dieganze mondhelle Nacht hindurch über Genappe, wogroße Beute gemacht wurde, und Ouatre Brasvor sich her. Unter der Beute befand sich Napo-leons Feldgeräth und sein Wagen mit mehrernMillionen Diamanten und dem Orden des schwar-zen Adlers, welchen der König sogleich seinem sieg-reichen General verlieh. — Wie sehr Blücherseinen Gneisenau schätzte, gab er nicht nur inOxford, als ihn dort die Professoren zum Doctorder Rechte ernennen wollten, mit den Worten:„Nu, wenn ich Doctor werden soll, so müssen sieden Gneisenau wenigstens zum Apotheker ma-chen; denn wir zwei gehören nun einmal zusam-men", sondern auch ein ander Mal, als man seineThaten über die Maßen pries, auf eine sinnigeWeise zu erkennen: „Jetzt will ich aber Etwasthun, was mir kein Anderer nachmachen kann; ichwill meinen Kopf küssen." -— Darauf stand erauf, ging zu Gneisenau und küßte ihn unterherzlichen Umarmungen.
Nach dem 2. pariser Frieden, an dessen Ver-handlungen Gneisenau Theil nahm, erhielt er