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König sah sich daher genöthigt, seine Zuflucht zuFinanzmaßregeln, zu Anleihen und zum Papier-gelde zu nehmen, so daß man erst 5, dann 10 Mil-lionen Tresorscheine ausgab. Doch auch jetzt nochwünschte Friedrich Wilhelm den Frieden zu er-halten und ließ Napoleon die billigsten Bedin-gungen stellen; aber vergeblich. Dieser gab keineAntwort, und so erließ der König am 9. Okt., vonErfurt aus, wo er, von seiner Gemahlinn begleitet,sein Hauptquartier genommen hatte, das Manifestder Kriegserklärung, nachdem der Kampf schon den8. bei Saalburg begonnen hatte. Leider zeigte baldder Erfolg, wie gerecht seine Furcht vor dem unbeil-vollen Kriege gewesen war. Die Erzählung dessel-ben kann, da sie in den Biographien Scharn-borsts, Blüchers und Gneisenaus vorkommt,hier füglich übergangen weiden. Von dem Schlacht-felde bei Auerstädt mußte der König der allgemeinenFlucht, auf welche er einige Male sogar in Gefahr kam,gefangen zu werden, nach Magdeburg folgen, undvon da, bei dem schnellen Vorrücken der Feinde,nach Küstrin fliehen, wo er wieder mit der Königinn zu-sammentraf. Traurige Nachrichten, welche von al-len Seiten einliefen, erfüllten ihn mit tiefem Kum-mer, und nur das erhebende Bewußtsein, den Kriegnicht herbeigeführt zu haben, und die zwar auchtief gebeugte, aber dennoch als ein tröstender Schutz-engel ihm zur Seite stehende treue Gemahlinn,welche seine düsteren Besorgnisse milderte, und ihn,wie das Volk und Heer, mit neuen Hoffnungenbelebte, vermochten ihn in diesem großen, allgemei-nen Unglück aufrecht zu erhalten.
Noch einmal knüpfte Friedrich Wilhelm,ehe das Unglaubliche geschah, durch den Kammer-herrn Lucchesini und den General Zastrow,Friedensunterhandlungen mit Napoleon an, abersie zerschlugen sich durch die Zertrümmerung despreußischen Heeres, wie durch das Waffenglück Na-poleons und das Vorrücken der Russen, und demzwischen Duroc und Lucchesini zu (Zharlotten-burg am 16. Nov. abgeschlossenen Waffenstillständemußte der König wegen der übertriebenen Bedin-gungen am 1. Dez. zu Ortelsburg, wohin er überGraudenz gegangen war, die Bestätigung versagen.Und so sah er sich genöthigt, sein und des StaatesSchicksal in Alexanders Hände zu legen, unddieß später um so mehr, als es auch in Schlesien,welches mit seinen reichen Mitteln, unter einemtüchtigen Manne, noch einen hartnäckigen Wider-stand hätte leisten können, nicht besser ging, alsanderwärts. —
Von Ortelsburg erließ der König am 1. Dez. eineProklamation an sein Heer, worin die ganze Summealler militärischen Pflichtverletzungen aufgezählt, so-wie die Aufmunterung zu Tapferkeit und Treuedurch Beförderung Aller, ohne Unterschied des Stan-des und Ranges, aber nur während der Dauer desKrieges, ausgesprochen war. Von da begab er sichmit seiner Familie nach Königsberg, wo die neuenRüstungen mit neuem Eifer betrieben wurden. Al-lein nach dem Rückzüge der Russen mußte er sich,bei dem weitern Vordringen der Franzosen, zu An-fang Januars 1807, von Königsberg nach Memelzurückziehen, wo er am 28. Januar mit EnglandFrieden schloß, und in demselben auf Hannoververzichtete. Die unentschiedene Schlacht bei Preu-ßisch Eilau (den 8. Febr.) schlug abermals des Kö-
nigs Hoffnungen nieder; indessen hatten doch diePreußen unter L'Estocq ihren alten Waffenruhmbewahrt, und Napoleons Streitkräfte waren sogeschwächt worden, daß er sein Heer, welches nichtweniger als das preußisch-russische, der Waffenruheund Ergänzung bedürfte, hinter die Passarge zurück-führte, und den General Vertrand mit Friedens-vorschlagen nach Memel schickte. Friedrich Wil-helm wollte aber nicht einseitig Frieden schließen,und seinem Bundesgenossen, zum eignen Vortheil,untreu werden, so annehmliche Bedingungen Na-poleon auch machte. Auch erneuerten die Russenund Preußen, nach dem Falle Danzigs, zuerst denAngriff auf die Franzosen, aber noch immer ohneErfolg, und nach Napoleons entscheidendem Siegebei Fried land (den 14. Juni), worauf die Fran-zosen den 16, Juni Königsberg besetzten, war auchAlexander zum Frieden geneigt, und FriedrichWilhelm mußte sich um so mehr zu demselbenverstehen, als nun fast sein ganzes Land in feind-lichen Händen war. So erfolgte zu Tilsit am 8.Juli zwischen Frankreich und Rußland, und am9. zwischen Frankreich und Preußen der Friede,nach der berühmten Zusammenkunft der beiden Kai-ser und des Königs auf dem Niemen. Freilichmußte er ihn, so drückend er auch war, mit dengrößten Opfern erkaufen: nicht nur die Hälfte derMonarchie mußte er dafür abtreten, und die un-geheure Summe von 142 Millionen Franken Kriegs-steuern zu zahlen, bis zu deren Tilgung franzö-sische Besatzungen in Glogau, Küstrin und Stettinzu ernähren, und in den nächsten IN Jahren nur42,000 Mann unter den Waffen zu halten verspre-chen, sondern sich auch noch außerdem eine Mengelästiger Bedingungen auflegen lassen, namentlichdie drückenden Fesseln des Kontinentalsystems.
Nach dem traurigen Frieden, welchen der Kö-nig am 12. Juli unterzeichnete, ging er mit derKöniginn nach Memel zurück, wo sie still und ein-gezogen, im Kreise ihrer Familie, zu leben fortfuh-ren. Noch waren aber weder des Königs Sorgen,noch des Volkes Leiden durch den Frieden geendet.Die Räumung des Landes von 150,000 Mannerfolgte nur nach und nach, und die Franzosenfanden in der Auslegung der Friedensartikel überallStoff, des Königs Besitzungen noch mehr zu schmä-lern, und seine Unterthanen noch länger zu drücken.Er mußte erst noch seinen Bruder Wilhelm nachParis schicken, wo durch ein Abkommen vom 8.Sept. 18U8, die Kriegssteuer auf 140 Millionenherabgesetzt wurde. Die dringenden Vorstellungen,welche der König auf dem Kongresse von Erfurt(2? Sept, — 14. Okt.) durch den Grafen von Gol;machen ließ, hatten nur einen geringen Erfolg,und Alexanders lebhafte Verwendung bewirktebloß eine Verminderung jener Kriegssteuer von 20Millionen. Zu neuen schändlichen Bedrückungengab das Herzogthum Warschau Veranlassung, in-dem Napoleon das Grundvermögen Einzelnerund öffentlicher Anstalten als königliches Eigenthumin Anspruch nahm, und dessen Uebernabme demKönige von Sachsen, als Herzog von Warschau,für 20 Mill. Franken aufdrang, wodurch Preußennoch 15 Mill. verlor.
So verkleinert, so geschwächt und so gehemmtder preußische Staat nun auch war, FriedrichWilhelm verlor den Muth nicht, seiner würdig