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Rußland, welche zu Paris über die Entschädigungder deutschen Fürsten entschieden. Er geriet!) dar-über selbst mit Oestreich in Streit, doch ohne Fol-gen, und nahm 1802, im Einverständnisse mitFrankreich und Rußland, ohne den Ausspruch desReichstages abzuwarten, von den überlassenen Stif-tern und Reichsstädten Besitz, wodurch der Verlustvon 42 Geviertmeilen mit 170,000 Einwohnernund 100,000 Thlr. Einkünften jenseit des Rheins mit241 Geviertm, mit 600,000 Einwohnern und unge-fähr 2,300,000 Thlr. Einkünften ersetzt wurde. —Gegen die Mißbilligung des Kaisers und Reichsta-ges verwahrte sich der König durch die Erklärungseines Gesandten zu Regensburg am 12. Okt.:„Alles Geschehene hätten Frankreich und Rußlanddurch feierliches Abkommen gebilligt. Was übrigensdie noch unberichtigte Angelegenheit Deutschlandsbetreffe, so müsse der König wünschen und rathen,daß man sich füge, und den französischen und rus-sischen Plan schnell und unbedingt annehme," —So mußte der Reichsoeputationshauptabschluß, wiefrüher der polnische Reichstag, diese Erwerbungenbestätigen (25. Febr. 1803).
Was während und nach dieser Zeit für dieStaatsverwaltung geschah, betraf die Gleichstellungder ansässigen Ausländer mit den Eingebornen, ei-nige Erleichterungen der Juden, die Vervollständi-gung des Landrechts, die peinliche Rechtspflege, dieVolkszählung, die Beaufsichtigung der Universitätendurch den Minister der geistlichen Angelegenheiten,die Ansiedelungen in Polen und die Einführungder Schuhpocken. Auf die neuerworbenen Gebieteward sogleich das preußische Verwaltungssystem über-getragen. So weit ging Alles recht gut. Alleinnach dem, was vorausgegangen war, und bald nach-folgen mußte, konnte der Friede nicht von langerDauer sein, und der preußische Staat, nach seinerpolitischen Stellung und Lage, davon nicht unbe-rührt bleiben. Dieß geschah schon 1803, als Vo-naparte, nach dem Wiederausbruche des Kriegesmit England, Hannover besetzen ließ, ohne daßPreußen, als eine Hauptmacht, und von Englandzur Besetzung aufgefordert, es hinderte. Die Folgedavon war die Sperre der Elbe und Weser durchdie Engländer und Franzosen, wodurch der preu-ßische Handel sehr beeinträchtigt wurde. Vergeblichwendete sich deßhalb Friebrich Wilhelm an Vo-naparte und das londoner Kabinet; ja die po-litischen Verhältnisse verwickelten sich bald immermehr. Der erste Konsul erhob sich nicht nur 1804zum Kaiser der Franzosen, sondern setzte sich auch1805 die Königskrone von Italien auf; FriedrichWilhelm erkannte ihn in beiden Eigenschaften sogleichan, empfing von ihm den Orden der Ehrenlegion, undübersendete ihm dagegen die Dekorationen des schwar-zen und rothen Adlerordens. England aber brachtegegen Napoleon eine Koalition mit Rußland undOestreich zu Stande. Noch ehe der Krieg ausbrach,forderte Napoleon (1. Sept.) den König durchden Marschall Duroc zum Bunde mit Frankreichauf; der Kaiser von Rußland verlangte am 19. Sept.durch seinen General Vurhöwden in Berlin denDurchzug der Russen durch Preußen; Alexanderselbst erschien in Berlin, und schloß am 3. Nov.zu Potsdam mit Friedrich Wilhelm einen Ver-trag, nach welchem den Russen der Durchzug durchSchlesien gestattet ward; endlich kam auch noch der
Erzherzog Anton nach Berlin, des Königs Bei-tritt zum Kriege suchend; allein Aller Bemühungenwaren vergeblich, der König wollte durchaus neutralbleiben, ungeachtet Napoleon durch den Marschfranzösischer Truppen durch Ansbach (d. 3. Oktbr.) dieNeutralität bereits verletzt hatte, und sich selbst impreußischen Volke und Heere eine allgemeine Kampf-lust regte. Indessen hatte er, nach der MitteOktobers, das von den Franzosen geräumte Han-nover wieder besetzen lassen, und nahm später mitSachsen und Hessen zugleich eine drohende Stellung,während ein hannovrisches Corps an der Nordsee-küste landete, Schweden an die Elbe vorrückten,und Russen auf Hameln marschirten. Zu gleicherZeit schickte der König den Grafen Haugwitz mitFriedensvorschlägen an Napoleon. Dieser, inBrünn eben mit dem Schlachtplane von Austerlitzbeschäftigt, und von der politischen Lage der Dingewohl unterrichtet, wies den ziemlich spät eingetrof«fenen Gesandten nach Wien, dort den Ausgangder Schlacht abzuwarten, und nach seinem Siege,da Kaiser Franz ihm Waffenstillstand und Frie-den antrug, antwortete er auf HaugwitzensGlückswunsch: „voilü un cnmplimßnt 6c>nt la inr-tun« 2 clmnAe I'acirezze," ihn hierauf den 15. Dez.zu einem Vertrage nöthigend, in welchem das Bünd-niß beider Mächte erneuert, für den Besitz Han-novers von Preußen Ansbach, Eleve und Neuf-chatel an Napoleon abgetreten, und die Gewähr-leistung der beiderseitigen Besitzungen festgesetzt ward.Dieser Vertrag, welchen Haugwitz ohne Verhal-tungsbefehle einging, brachte Friedrich Wilhelmauf jeden Fall in die größte Verlegenheit. Daherentschied er sich endlich nur für die vorläufige An-nahme bis zum allgemeinen Frieden. Nichts destoweniger zeigten sich bald die nachtheiligen Folgendavon: Englands und Schwedens Feindschaft, dieSperrung der Ems-, Weser- und Elbmündungen,wie der preußischen Ostseeküsten, thaten dem preu-ßischen Handel großen Schaden, und Napoleonging in seiner übermüthigen Anmaßung immer wei-ter. Er hielt nicht nur jenen Vertrag nicht, son-dern achtete auch, bei seinen Vergrößerungsent-würfen, auf Preußen so wenig, daß er ohne Wei-teres 1806 die Abteien Elten, Essen und Werdenwegnahm, unter seinem Schutze den Rheinbundstiftete, die Festung Wesel zum französischen Reicheschlug, und Preußens Macht und Ansehen auf jedeWeise zu schwächen suchte, indem er die Stiftungeines nordischen Bundes heimlich und offen hinderte,endlich sogar dem Könige von England für denFrieden die Rückgabe Hannovers anbot, und auchvon der Wiederherstellung Polens sprach. Nun erstbeschloß der König den Krieg, von seinem ganzenVolke dazu aufgefordert, nachdem er sich vorläufigder Freundschaft Rußlands versicherc hatte. DieserEntschluß söhnte ihn auch mit Schweden und Eng-land wieder aus.
Alle preußische Feldherren von Ruf, der Her-zog von Bcaunschweig an ihrer Spitze, versammel-ten sich zur Berathung um den König, und dieRüstungen wurden eifrig betrieben. Leider fehltees dem Staate an dem ersten Mittel zum Kriege,dem Gelde; denn der kleine, wieder gesammelteSchatz, da man bis 1805 jene 28 Millionen Schul-den erst getilgt hatte, war in zweimaliger Bewaff-nung des Heeres bereits wieder aufgegangen. Der