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3 (1842)
Entstehung
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Gleich nach seinem Regierungsantritte bewiesFriedlich Wilhelm III. durch alle Befehle undVerordnungen, welche er gab, daß er die Mängelund Gebrechen des Staates genau kenne, und den-selben mit Ernst abhelfen wolle. Eigenhändig er-mähnte er zuerst, durch die Kabinets-Ordre vom23. Nov., die bürgerlichen Behörden zu pünktlicherThätigkeit und strenger Ordnung, sowie die Oberenzu ernstlicher Strenge gegen ihre nachlässigen Un-tergebenen; gab die meisterhafte Ordre über dasVerhältniß des Soldatenstandes und über das Be-tragen der Offiziere gegen die Eivilbeamten desStaates; führte in allen Zweigen der Staatsver-waltung, bei seinem Hofhalte mit gutem Beispielevorangehend, eine weise Sparsamkeit ein, die ihnaber nicht abhielt, Soldaten und Eivilbeamte besserzu besolden, sowie Wissenschaften und Künste undnützliche Anstalten reichlich zu unterstützen; hob nichtnur den Alleinhandel des Staates mit dem Taback,sondern auch den drückenden Preßzwang und dasverhaßte Religionsedikt wieder aus, und als derMinister Wöllner seinen Willen nicht begriff, jasogar mißdeutete, und auch durch tadelnde Zurecht-weisung nicht bewogen wurde, seinen Abschied zunehmen, so gab ihm der König denselben am 11,März 1798. Seine Stelle erhielt der freisinnigeJulius von Massow, welcher bisher an derSpitze der pommerschen Regierung gestanden hatte.So wurden noch mehre höhere Staatsbeamte, welchenicht im Sinne einer weisen Regierung gehandelthatten, von ihren Posten entfernt und diese miteinsichtsvollen und thatkräftigen Männern besetzt,während der bewahrte Mencken als Kabinetsrathdas volle Vertrauen des Monarchen besaß. Abernicht bloß die in den verschiedenen Verwaltungs-zweigen vorhandenen Mißbräuche wurden abgeschafft,alte und unbrauchbare Staatsdiener in Ruhestandversetzt, untreue und gewissenlese bestraft, sondernauch neue, wohlthätige Einrichtungen getroffen, undtüchtige Beamte besser besoldet. Graf von derSchulenburg ordnete die zerrütteten Finanzen,und ein Staatscollegium zu einer Generalkontrollederselben, dem die Oberrechnungskammer untergeord-net wurde, trat in's Leben; eine Prüfungsbehörde fürAerzte, Wundärzte und Apotheker ward zu Berlinerrichtet und die oberste Verwaltung des Forstwesens,unter der besonderen Leitung des geheimen Finanz-rathes von Bärensprung, mit dem Generaldirec-torium vereinigt. Verschiedene neue Anstalten, Ge-bäude, Straßen, Kanäle und Verordnungen bezweck-ten die Beförderung des öffentlichen Unterrichts, derWissenschaften und Künste, des Handels und derGewerbe. Die Akademie der Wissenschaften forderteder König zu gemeinnützigerer Thätigkeit auf, durchwelche der Gewerbfleiß unterstützt, wahre Aufklärungbefördert und der verderbliche Einfluß einer falschenPhilosophie vernichtet werde. Zur königlichen Kunst-akademie ward noch eine Bauakademie gefügt unddas hallische Waisenhaus jährlich mit 40UU Thlr.unterstützt. Pommern und die Neumark erhieltenArbeits- und Landarmenhäuser. Wie bei den Ei-vilbeamten, so erfolgten auch im Heere Soldver-besserungen bei den gemeinen Soldaten und niede-ren Offizieren, bei den Höheren manche wirksameAnregung, im Ganzen manche zweckmäßige Anoro»nung; doch hatte das alte herkömmliche Formenwe-sen im Heere zu tiefe Wurzeln geschlagen, als daß

auch hier sogleich die nöthige Umbildung hätte be-werkstelligt werden können. Nur in Bezug aufVerschuldung und Verheirathung der Offiziere wur-den zwei wichtige Verordnungen gegeben, und dieHauptleute zur strengeren Aufsicht über das Be-tragen ihrer Untergebenen ermahnt. Für das öf-fentliche Leben erschienen zwei Befehle, den Unfugder Studenten und die geheimen Gesellschaften be-treffend, und mehre polizeiliche Verfügungen. DerMißbrauch der Presse, durch namenlose Lästerschriften je-der Art, nöthigte bald, an die altenVerbote zu erinnern.

Durch den Tod des Ministers Grafen KarlWilhelm von Finkenstein (5 180N) erfuhr dieLeitung der inneren und äußeren Staatsgeschafteeine Veränderung, indem hierauf der Graf von Al-vens leben das Ministerium des Innern, der Grafvon Haugwitz die Besorgung der auswärtigen An-gelegenheiten übernahm.

Friedrich Wilhelm hielt indessen auch fer-ner sein System der Neutralität fest, und ließ sich,weder durch den Fürsten Repnin, noch durch denGrafen Eobenzl, zur Theilnahme an der Eoalitionvon 1798 bereden. Kaiser Paul erklärte seine Un-zufriedenheit darüber allen Gesandten an seinemHofe, und näherte sich erst wieder nach seiner Tren-nung von Oestreich, während dieses und England,ja selbst der erste Konsul Bonaparte, gleichzeitig desKönigs Freundschaft suchten. So großes Ansehenauch diese Bemühungen der großen Mächte demberliner Hofe gaben, der König blieb dennoch sei-ner Friedensliebe treu, schloß um diese Zeit mitden nordamerikanischen Freistaaten einen Freund-schafts- und Handelsvertrag, und ergriff 1800 nurgegen Englands Gewaltthätigkeiten zur See ernst-liche Maßregeln, indem er Eurhauen besetzen ließ,und zur bewaffneten nordischen Neutralität trat. Am30. März 1801 erklärte der Graf Schulenburgder hannöverschen Regierung:derKönig von Preu-ßen sehe sich genöthigt, zur Rächung erfahrner Un-bill und Abwehr künftiger Beleidigung die Mün-dungen der Elbe, Weser und Ems zu sperren, undzugleich die deutschen Erblande des Königs von Bri-tannien in Besitz zu nehmen," ungeachtet Englandseitdem die preußische Flagge schonte, und den eng-lischen Prinzen Adolf zur Aussöhnung den 4. Märznach Berlin gesendet hatte. Am 3. April rückten24,000 Preußen in Hannover ein, und der eng-lische Prinz verließ unverrichteter Sache Berlin.Auch Bremen nahm, durch den Grafen Haugwitzberuhigt, am 12., die Fürstenthümer Oldenburg undDelmenhorst erhielten den 20. April preußische Be-satzung. Indessen erklärte die öffentliche Meinungdamals die Besetzung Hannovers als mit geheimerZustimmung Englands geschehen, um das Land ge-gen einen Einfall der Franzosen zu sichern. Nachden abgeschlossenen Friedens-Präliminarien zwischenbeiden Mächten (1. Okt. 1801) räumten es auchdie Preußen den 1. Dez. wieder. Noch vor dieserZeit hatte der Friedensschluß zu Luneville (9. Febr.1801) und der Thronwechsel in Rußland (24. März1801) die politische Lage der Dinge vielfach ver-ändert. Kaiser Alexander, mit welchem Fried-rich Wilhelm zu Memel (den 10. bis 16.Juni 1802) eine Unterredung hatte, söhnte sichmit England aus, und der König von Preu-ßen hielt sich, bei dem bevorstehenden Entschädi-gungsgeschäfte in Deutschland, zu Frankreich und