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ges, von seinem Oberhofmeister begleitet, zur Wachteparade nach Dresden, unterhielt sich dabei mit ei-nigen Offizieren über militärische Gegenstände, fürwelche er überhaupt ein besonderes Interesse zeigte,und ritt hierauf sogleich wieder nach Pillnitz zurück.Nachmittags fuhr er im ersten Wagen mit demKaiser, dem Kurfürsten und der Kurfürstinn wie-der nach Dresden, um dessen Kunstschätze zu be-sehen und im großen Opernhause einem Masken-bälle beizuwohnen. Ueberall waren Aller Augen aufden Kronprinzen gerichtet: von hoher, schlanker Ge-stalt, von angenehmer Gesichtsbildung, Rosen aufden Wangen und Feuerfunken in den Augen, stellteer eine schöne Blüthe der Menschheit dar, welchedie größten Hoffnungen seines Volkes auf eine herr-liche Frucht in der Zukunft erweckte. Seine Lebhaf-tigkeit ward von denkendem Ernste gemildert undsein kriegerisches Wesen von Witz und Laune erheitert.Daher sang der k. Bibliothekar Daßdorf in seinerOde auf die Ankunft des Königsvon ihm:
„Den hohen Blick, »oll Weisheit und voll Lugend,
Im männlich schönen Angesicht;Den ganzen Reiz der pflichtgeweihten Tugend,
O, wer erkennt den Edlen nicht?"
„Schon jetzt für Preußens künftigs Glück zu leben
Und seiner Ahnherrn werth zu sein,Ist Deines Kronen-Erben größtes Streben,
Und gleich Dir, Alles zu erfreun." —
Am 28, August verließ der König mit dem Kron-prinzen den kurfürstlichen Hof und ward von dem-selben noch nach dem Jagdschlösse Moritzburg be-gleitet, wo die hohen Herrschaften, nach einemheiteren Mahle, auf das Freundschaftlichste voneinander schieden. Wie ganz anders waren die Um-stände und Verhältnisse 22 Jahre später, den 26.und 27. August 1813! —
Als sich der König im Juni 1792 zu seinemHeere am Rheine begab, folgte ihm auch der Kron-prinz mit den übrigen Prinzen des königlichen Hau-ses. Und da war es, wo er die ersten Proben vonMuth, Unerschrockenheit und Tapferkeit ablegte, als erin dem Treffen bei Pirmasens (o. 14. Sept. 1793) dieVorhut und darauf bis in den Spätherbst das Belage-rungs-Corps von Landau befehligte, und sich nicht nurdurch jene militärischen Tugenden die Bewunderung,sondern auch durch Milde, Fürsorge und Gerechtig-keit die Liebe seiner Umgebung erwarb. Der Ro-manschreiber Lafontaine, welcher damals als Feld-prediger bei den Preußen stand, erfuhr mehre schöneZüge von dem edlen Charakter des Kronprinzen. —Nachdem Frankfurt am Main, am 2. Dez. 1792,von den Preußen wieder erobert worden war, wurdedas preußische Hauptquartier dahin verlegt, und derKönig nahm mit den Prinzen auch daselbst seinenAufenthalt. Da führte dem Kronprinzen sein gu-ter Genius, im März 1793, die ihn beglückendeLebensgefährtinn, die unvergeßliche Königinn Luise(s. ihre Biographie Bor. Bd. I. S. 2 ff) zu: ihreSchönheit, vereint mit hoher Geistcsanmuth undwahrer Herzensgüte, zog den Kronprinzen, gleichnach der ersten Bekanntschaft, eben so mächtig an,als die Prinzessinn seine königliche Gestalt, sein rit-terliches Benehmen und sein ganzes edles Wesen.Das Geständniß gegenseitiger Liebe erfolgte dahereben so schnell, als die Bekanntschaft, und nachdemdie feierliche Verlobung, den 24. April 1793, zuDarmstadt Statt gefunden hatte, ward den 24. Dez.
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dieses Jahres zu Berlin die Vermählung gefeiertGanz glücklich war der Kronprinz im Besitze dieserso liebenswürdigen Gemahlinn, und dieß um somehr, als sie seines königlichen Vaters Wohlwol-len, wie des ganzen Hofes, in immer höheremGrade gewann. Auch ward das schöne Beispiel desehelichen Glücks, welches das neuvermählte Paar inder Haupt- und Residenzstadt gab, bald der Ge-genstand allgemeiner Aufmerksamkeit und Theil-nahme. — Noch wohnte der Kronprinz 1794 demFeldzuge in Polen bei, und bewies auch hier durchsein Betragen, daß der Fürst sich für das Kriegs-wesen interessicen könne, ohne doch Vorliebe fürden Krieg selbst zu haben. — Nach einigen schmerz-lichen Todesfällen trübte das Glück des jungen Paa-res besonders die beginnende Krankheit des Königs,für dessen Genesung die Besorgnisse am Hofe baldimmer lebhafter wurden. Das Gefürchtete geschahendlich, und der 27jährige Kronprinz bestieg alsFriedrich Wi lhelm III.,Doll des beßten Willensund von den freudigsten Hoffnungen begrüßt, den16. Nov. 179? den Thron seiner Väter.
Friedrich Wilhelm III., von Jugend aufdem rauschenden Vergnügen und dem eitlen Prunkeabgeneigt, und dagegen stille Thätigkeit, strengeOrdnung und solide Einfachheit liebend, so wieals Grundzüge seines Gemüthes Ernst, Beharrlich-keit und Edelmuth zeigend, behielt auch als Königdie frühere Einfachheit und strenge Sittlichkeit inseinem Hof- und Familienleben bei, und war vorallen Dingen bemüht, das innerlich und äußerlicherschütterte Staatsgebäude wieder herzustellen. Undes ist unstreitig diese so schwierige Aufgabe, welcheFriedrich Wilhelm, während seiner langen, fast43jährigen Regierung, dreimal: nach seiner Thron-besteigung, nach dem tilsiter Frieden und nach demBefreiungskriege, zu lösen hatte, mit allen denmannichfaltigen Einrichtungen, welche er zum phy-sischen und geistigen Wohle seines Volkes traf, dasWichtigste aus seiner Lebens- und Regierungsge-schichte, so viel Schönes er auch außerdem that undsagte, so viel auch sein persönlicher Antheil an je-nem Kriege zur glücklichen Entscheidung beitrug.Wenn er indessen auch durch seinen persönlichenEinfluß der Verwaltung des Innern, der Rechts-pflege und dem Heerwesen eine bessere Ordnung undeinen geregelten Gang zu geben, wie in den ver-wickelten politischen Verhältnissen, zu Preußens Vor-theile, den Frieden, so lange als möglich, zu er-halten suchte; so darf man dessenungeachtet, willman nicht ungerecht sein, ihm eben so wenig manchefalsche Maßregeln in der Verwaltung, als die man-cherlei Mißgriffe in der Politik zur Last legen, wie-wohl die Minister mit seinem Vorwissen und aufseinen Befehl zu handeln pflegten. Denn jeder Fürstmuß, im Vertrauen auf die erleuchteten Einsichtenund patriotischen Gesinnungen, dem Rathe seinerMinister in den meisten Fallen Gehör geben, undauch die Ausführung seiner darnach gegebenen Be-fehle ihrem beßten Wissen und Gewissen überlassen,wenn auch bei ihm selbst kein Mißtrauen in dieeigne Emsickt vorwaltet. Wie oft aber findet indem einen Falle Täuschung, in dem andern Miß-deutung oder Ueberschreitung Statt! D:e Geschichtealler Staaten lehrt, selbst unter trefflichen Regen-ten, den wohlthätigen und nachtheiligen Einflußihrer Minister.