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theils auf seinen Gütern in Schlesien, aber höchst unzu-frieden mit dem pariser Frieden und dem wiener Kon-gresse. Aus die Nachricht von Napoleons Rückkehrnach Frankreich 1815 erschien der alte Feldmarschall inBerlin, statt im Bürgerkleide, wie bisher, sogleichin voller Uniform unter den Linden, und übernahmdann den Oberbefehl am Niederrheine. Von Na-poleon, den 15. Juni, bei Ligny mit Uebermachtangegriffen, ward er geschlagen und erlitt einen be-trächtlichen Verlust, Wiewohl dadurch sehr geschwächtund durch einen Sturz mit dem Pferde schwer ver-letzt, eilte er dennoch mit unglaublicher Anstrengungdem bedrängten Wellington bei Waterloo zuHilft und entschied dadurch die Niederlage Napo-leons und den Sieg der Verbündeten. Unaufhalt-sam drang er hierauf bis vor Paris und nöthigtees bald zur Kapitulation. Seinen einzig großenFeldherrn einzig zu belohnen, stiftete der Königfür ihn allein den Ordensstern des eiser-nen Kreuzes mit goldenen Strahlen. Aberauch dieß vermochte seine Unzufriedenheit mit derSchonung der Franzosen nicht zu besänftigen. —Krank kehrte er nach Deutschland zurück, erholte sichaber dennoch durch den Gebrauch des Karlsbadesund des Seebades in Dobberan wieder, und brachtedie übrige Zeit bald zu Berlin, bald in Schlesien,bald auf Reisen gesund und heiter zu. — So großeEhre man ihm auch überall erwies, ward er nichtstolz und entgegnete einst seinen Lobrednern, gottes-fürchtig und bescheiden wie er war: „Was ist's,das ihr rühmet? Es ist meine Verwegenheit, Gnei-se na us Besonnenkeit und des großen Gottes Barm-herzigkeit!" — Im Lauft des Jahres 1818 sanker an Leib und Seele zusammen und 1819 kehrteer krank von Karlsbad auf sein Gut Krieblowihzurück, wo er am 12. Sept. im 77. Jahre sanftentschlummerte, nachdem er zum Grafen Nostitz,der auch im Todeskampfe sein treuer Gefährte blieb,noch die denkwürdigen Worte gesagt hatte: „No-stitz, Sie haben Manches von mir gelernt; jetzt sollenSie auch von mir lernen, wie man mit Ruhe stirbt."Die selbst gewählte Grabstelle, an der Straßevon Krieblowitz nach Kanth, ward schon am fol-genden Tage zu seiner Ruhestätte geweiht und spä-ter unter 3 Linden mit einem ungeheueren Wür-fel bezeichnet. Die preußische Armee trauerte 8 Tage,und im Okt. 1820 ward des Feldmaischalls sterb-liche Hülle militärisch feierlich bestattet. Außer denherrlichen kolossalen Standbildern von Erz in Ro-stock seit 1819, von Sckadows, in Berlin (s. Bor.Bd. II. S. 143) seit 1826 und in Breslau seit 1827,beide von Rauchs Meisterhand, ist sein Andenken inBüsten, Gemälden, Kupferstichen, Denkmünzen, Ge-dichten und Biographien vielfach gefeiert worden. VonVlüchers 7 Kindern erster Ehe starben 4 Söhne früh-zeitig; die beiden anderen folgten dem Vater auf seinerHeldenlaufbahn; die einzige Tochter vermählte sichzuerst mit einem Grafen von der Schulenburg, nachdessen Tode mit einem Grafen von der Asseburg,Blüchers zweite Ehe blieb kinderlos.
Mühlhausen.
(Beschluß.)
Verderblicher als alle frühere Fehden undlriege wurden für Mühlhausen die Unruhen,
welche der tolle Thomas Münzer mit seinem An-hange daselbst erregte. Schon 1522 kam durch 2evangelische Prediger, Matthias und Lau, dieReformation dahin und fand eine günstige Auf-nahme unter den Bürgern. Lau war aber einschlechter Mensch, der die Religion, wie so häusig,blos als Deckmantel, als Aushängeschild mißbrauchte,und mußte sich daher bald wieder entfernen. Nochschlimmer war der aus dem nahen Kloster Reiffen-stein entlaufcne Mönch Pfeiffer, sonst Schwert-feg er genannt, welcher 1523 zuerst Unruhen er-regte, die in den Jahren 1524 und 25, da sichnoch Münzer mit seinem losen Gesinde! dazu ge-sellte, für Mühlhauscn eben so verderblich hättenwerden können, als zehn Jahre später das Unwesender Wiedertäufer für Münster ward. Diese Wütrichebemächtigten sich, da man sie nicht schnell mit Kraftunterdrückte, aller Kirchen, predigten Gemeinschaftder Güter, zerstörten und plünderten Klöster undKirchen, setzten den alten Stadtrath ab, und er-nannten an seiner Stelle, unter Münzers Dik-tatur, einen neuen ewigen Rath aus ihrer Mitte.Nachdem Münzer im Barfüßerkloster aus geraub-ten Glocken hatte Geschütze gießen lassen, zog ermit seinen sich täglich vermehrenden Horden, Pfeif-fer als Statthalter in Mühlhausen zurücklas-send, den anrückenden Fürsten entgegen, worauf eram 15. Mai 1525 bei Frankenhausen eine gänz-liche Niederlage erlitt und in Gefangenschaft gerieth.Die Fürsten wendeten sich nun gegen Mühlhau-sen, die Stadt zur Auslieferung der Schuldigen undzur Uebergabe auffordernd. Hierauf zogen zuerst,um Gnade siehend, 1200 Frauen mit 500 Jung-frauen, dann alle Männer barfuß mit blosen Kö-pfen und gefalteten Händen in's Lager der Fürstenund erhielten Verzeihung. Am Himmelfahrtstagekamen diese in die Stadt, stellten die alte Ordnungwieder her, und hielten über die Schuldigen, vondenen 4 auf dem Ooermarkte, Münzer und Pfeif-fer aber auf dem Riesen- und Schadeberge, unweitder Stadt, enthauptet wurden. Die Stadt mußteden Fürsten die Kriegskosten mit 80,000 F!., fürdie Plünderung 40,000 Fl. und als Entschädigungden geplünderten Edelleuten und Klöstern 24,458 Fl.,bei Verlust der Reichsunmittelbarkeit, in bestimmtenFristen bezahlen und alle Waffen, nebst Munitionund vielen Kostbarkeiten, ausliefern. Nachdem siejene Kriegssteuern berichtigt hatte, wurden ihrereichstädtischen Freiheiten von neuem bestätigt.
So sehr nun aber auch der Kurfürst von Sach-sen und der Landgraf von Hessen die Einführungder Reformation wünschten, so that es der Rathdoch nicht, weil der Kaiser und der Herzog vonSachsen dagegen waren. Noch wollten sich 153?die Wiedertäufer einschleichen; aber man vertilgteihren Anhang, indem man 3 Männer und 9 Frauenin der Unsirut ertränkte. — Endlich stellte der Rath1542, auf dringendes Verlangen des Kurfürstenvon Sachsen und des Landgrafen von Hessen,an den beiden Hauptkirchen evangelische Geistlichean, nach dem unglücklichen Schicksale beider Für-sten wurden sie aber 1548 wieder fortgeschickt. Daindessen die meisten Bürger und Rathsherren evan-gelisch blieben, so kam die Einsührung der Refor-mation, durch die Bemühung des Komthurs Hansvon Germar, 1557 endlich doch zu Stande. Dießgeschah durch Heinrich Salmuth aus Schwein-