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fürt in Franken, der 1570 als Superintendent inLeipzig starb, und durch Hieron. Tilesius ausHirschberg in Schlesien, der Superintendent wardund sich große Verdienste erwarb. Seine Familieist seitdem in Mühlhausen geblieben, und hatverdienstvolle Männer im Rathe und an der Schule,in Kunst und Wissenschaft hervorgebracht. — DieSchule ward gleichfalls rcformirt: man errichtete imBarfüßerkloster unter einem Nector eine Stadtschule,welche 1580 in ein Gymnasium mit 8 Klassen ver-wandelt wurde. Auch eine Mädchenschule ward imKlosterhose errichtet.
Die Leiden des 30jährigen Krieges trafenMühlhausen auch; doch ohne demselben ein gro-ßes Unglück zu bereiten. Noch 1620 hatten die3 geistlichen Kurfürsten mit dem Kurfürsten vonSachsen, dem Herzog von Baiern und dem Land-grafen von Hessen-Darmstadt eine Zusammenkunftund hielten einen prachtvollen Einzug. — Im 7jäh°rigen Kriege wurde die Stadt von den Franzosenund Preußen heimgesucht. Außer durch Krieg undPest (1566 und 1611), litt sie durch Brand, 1422,1487, 1499, 1689 und 1697. — Von den städti-schen Gewerben ist, seit den Zeiten des Mittelalters,die Tuchfabrikation und die Nierbrauerei herabge-kommen. In letzterer Beziehung hat man auch dieHopfengärten, sowie die Weinberge, wegen des ge-lingen und unsichern Ertrages, nach und nach ein-gehen lassen. — An die Stelle der Tuchfabrikationtrat die Raschmacherei, welche bis zu Ende des 18.Jahrhunderts blühte, dann aber auch verfiel. —-Im Jahre 1520 legte der Lothringer Bonat einePapiermühle an, welche noch besteht.— Vom RatKeward 1548 die erste und von I. Eh. Klauer 178Udie zweite Apotheke angelegt.
Wie der Zustand der Stadt sich nach und nachveränderte, so erfuhr auch das Raths-Eollegiummanche Veränderung bis auf die neuesten Zeiten.So lange indessen Mühlhausen freie Reichsstadtblieb, behauptete es auch seine freie Verfassung undseine Privilegien der Gerichtsbarkeit, der Münz-,Jagd- und Zollgerechtigkeit und anderer Regalien.Mühlhausen hatte Sitz und Stimme auf demReichstage, auf der rheinischen Bank, zwischen Nord-hausen und Goslar. Die Stadtmiliz bestand aus3 Bürgerkompagnien. Wenn die gewöhnlichen Ein-künfte nicht ausreichten, so konnte der Rath nochGrund-, Vermögens-, Kopf- und Viehsteuern, Ac-cise, Mahl- und Rauchfangsgeld von den Bürgernerheben, was besonders in Kriegszeiten geschah. —Durch den luneviller Frieden 18(11 verlor Mühl-hausen seine Reichsunmittelbarkeit und kam 18(12an Preußen, welches die Stadt im tilsiter Frieden189? an das Königreich Westfalen abtrat, wo danndie Innungen aufgehoben wurden. Durch den wie-ner Kongreß kam sie an Preußen zurück, und hatsich seitdem merklich gehoben, sowie es durch Ab-tragung der alten Mauern und Thorthürme, durchschöne Anlagen und durch Reinlichkeit ein sehr hei-teres und freundliches Ansehen bekommen hat. —
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2.
Außer den Tilesius sind in Mühlhausen nochgeboren worden der Liederdichter Neumark (1621),Verfasser des schönen Liedes: „Wer nur den liebenGott läßt walten:c.", der Professor Beireis inHelmstäot, der Theolog Demme, Superintendentin Altenburg, u. A.
Schloß Balga,
im Regierungsbezirke Königsberg, Kreise Heiligen-beil, auf einer Anhöhe am frischen Haff gelegen,mit einer schönen Aussicht, schon von den altenPreußen erbauet und 1239 von den deutschen Rit-tern unter dem Ordensmarschall Dietrich vonBernheim erobert, ist jetzt nur noch als eine Ruinein der hier abgebildeten Gestalt vorhanden. Eshatte eine sehr vortheilhaste Lage zu Vertheidigungund Angriff, indem es von 3 Seilen von Sümpfenund im Norden vom frischen Haff umgeben war.Die Ermländer gründeten gegenüber die Veste Par-tegal und griffen Balga von da aus 1249 mitsolcher Macht an, daß es nur durch ein blutigesTreffen, welches der eben angekommene HerzogOtto das Kind von Braunschweig zu Gunsten derRitter entschied, denselben erhalten wurde. Nachder Zeit ward Balga eine ansehnliche Komthurei,welche der Hochmeister Friedrich von Meißen(1498—1510), zum Unterhalt der fürstlichen Hof-haltung, mit Königsberg vereinte. Unter dem Her-zog A l o r e ch t (1525—68) warBalga der Sitz dessamlandischen Bischofs Georg von Polenz, nachdessen Tode es wieder, mit dem Dorfe gleiches Na-mens, ein herzogliches Amt wurde.
Das Rathhaus zu Halberstadt
ist bereits im I. Bande der Borussia S. 143. un-ter dessen vornehmsten Gebäuden erwähnt worden, undes ist hier nur noch zu bemerken, daß sich in dem-selben auch ein sogenannter Diebskeller befand,in welchen der lange Matthias und sein Spieß-geselle Reinecke, bei ihrer Empörung gegen denRath in der Vesper des 23. Nov. 1423, den Bür-germeister Loh deck und den Kämmerer Als leben,nebst den beiden Zinsherren B ertram und Quen-stadt, warfen. Sie begannen hierauf, noch in derNacht bei Fackelschein, ihre fast 2jährige Schreckens-herrschaft mit dem Blutgerichte und der Hinrichtungjener Rathsherren bei der Rolandssäule auf demMarktplätze, nachdem sie vorher deren Häuser ge-plündert hatten. Als Bürgermeister wütheten so-dann Matthias und Reinecke gegen Alle, welchenicht zu ihrer Partei gehörten, mit Bedrückungenjeder Art bis in den Juli 1425, wo die Stadt vondem Bischöfe Johann von Hoym belagert, er-obert und den Böservichtern die verdiente Strafewurde.
Hierzu als Beilagen:
1, Das Grabmal Blüchers bei Krieblowitz in Schlesien. 2) Schloß Balga.
3) Das Rathhaus zu Halberstadt.
Verlag von Eduard Pietzsch u. Lomp. in Dresden.
Druck »on N. W, Teubner in Dresden.