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3 (1842)
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Napoleons große Armee war in Rußlands Eis-gesilden geblieben, und Friedrich Wilhelm III.begab sich den 22. Jan. 1813 von Berlin nachBreslau, wo ihn Blücher und Scharnhorstschon an der Spitze einer Schaar echter Patriotenempfingen, um die Rüstungen mit aller Macht zubetreiben, und die Loosung zum Befreiungskämpfezu geben. Noch war man in Zweifel, wer zumAnführer der Armee von Schlesien zu erwählen sei,als Scharnhorst durch seine einleuchtende Dar-stellung den König entschied, den alten, aber ju-gendlich feurigen Blücher, im Einverständnisse mitdem Kaiser Alexander, unter dem Oberbefehledes Fürsten Kutusow, zum Feldherrn des schle-sischen Heeres zu ernennen. So ward sein sehn-lichster Wunsch erfüllt; ihm zur Seite standenSckarnhorst als Chef des Generalstabes, Gnei-sen au als Generalquartiermeister. Schon am 16.März brach Blücher mit 25,000 Preußen ausSchlesien nach Sachsen auf und wünschte nun nichtsangelegentlicher, wie es auch nöthig war, mit mög-lichster Schnelligkeit und Energie den Krieg zu füh-ren, allein im großen Hauptquartier war man überdie Art und Weise noch nicht einig, und die Po-litik fand allerlei Hindernisse und Bedenklichkeiten.Unser Held rückte unterdeß über Dresden nach Al-tenburg vor, wo er in der Mitte Aprils, höherenBefehlen zufolge, Kantonirungen bezog, zugleich dieEinwohner zu thätiger Theilnahme auffordernd. Inseiner Ungeduld schickte er wenigstens Streifschaarenvorwärts nach dem thüringer Walde und dem Harze.Endlich ward, auf die Nachricht von NapoleonsAnkunft und Vorrücken, das schleunige Heranziehender verbündeten Hauptarmee unter Wittgenstein be-fohlen, und am 2. Mai kam es zu der blutigenSchlacht bei Großgörschen oder Lützen. Blücherhatte nur eine eng beschränkte Mitwirkung, geriethselbst bei den einzelnen Angriffen allemal in's hef-tigste Feuer, ward in der linken Seite verwundet,und sah neben sich den Prinzen Leopold von Hes-sen-Homburg tödtlich, Scharnhorst schwer ge-troffen. Da die 90,000 Verbündeten gegen 150,000Franzosen und Rheinbundsiruppen dennoch dasSchlachtfeld bebaupiet hatten, so wollte Blücheram folgenden Tage die Schlacht erneuern, mit Zu-versicht den Sieg hoffend; allein der russische Ober-feldheri ertheilte nach Mitternacht den Befehl zumRückzüge, indem er Mangel an Munition vorgab.Blücher zog über Meißen, und erhielt daselbst vomKaiser Alexander den St. Georgs-Orden II. Klasse.Wider sein Erwarten ging der Rückzug bis Vau-tzen, und die. Schlacht am 20. und 21. Mai, woBlücher die Höhen von Kreckwitz besetzt hielt, en-digte mit einem abermaligen Rückzüge bis nachSchlesien, Zuletzt konnte er sich nicht enthalten,den 26. Mai das glückliche Reiter-Gefecht bei Hay-nau zu liefern. Nach dem Waffenstillstände (vom4. Juni bis^zum 16. Aug.) ward Blücher zwarOberbefehlshaber des schlesischen Heeres, sah sich aberdurch seine Instruktion eben so beschränkt, als durchdie Zusammensetzung des Heeres aus zwei russischenunter Langeron und Sacken, und einem preußi-schen Corps unter Jork in seinen Operationen ge-hemmt. Alle 3 Unterfeldherren waren schwer zubehandeln, und die Russen nicht, wie die Preu-ßen, begeistert. In diesem Doppelkampfe Blüchersmit dem Feinde und ungünstigen Verhältnissen

war der Enthusiasmus der Preußen, war Gnei«senau, als Ehef des Generalstabes, sein erster undtreuester Rathgeber, seine vornehmste Stütze. Nichtsdesto weniger bemächtigte sich nicht blos der Russen,sondern selbst der Preußen, da die ersten Operatio-nen nur ein beschwerliches Hin- und Hermarschirenohne Entscheidung waren, Unmuth, Mißtrauen undUnzufriedenheit in dem Grade, daß zur Herstellungdes Muthes, Vertrauens und der Eintracht durch-aus ein entscheidender Schlag höchst nöthig ward.Und diesen führte er denn auch durch seinen glan-zenden Sieg an der Katzbach bei Wahlstatt den26. Aug. trefflich aus. Nun vereinigten sich alleStimmen in dem Lobe des Feldherrn, und der Ju-bel des befreiten Schlesiens war selbst für den rus-sischen Soldaten ein angenehmer Lohn. WieBlücher die aufopfernde Tapferkeit seiner Kriegerdankbar anerkannte, so wurden auch ihm von denverbündeten Fürsten die gebührenden Ehrenzeichenübersendet: das Groß kreuz des eisernen Kreu-zes, der Theresienorden und der Andreas-orden. Napoleon, mit seiner Hauptmacht beiDresden, hielt ihn aber in seinem Siegeslaufe wie-der auf, so daß er seinen Zug nach der Elbe aufUmwegen und mit großer Vorsicht fortsetzen mußte,und erst am 3. Okt. bei Elster über die Elbe gehenkonnte. Jenseit derselben schlug er 20,000 Fran-zosen, welche sich im Dorfe Wartenburg verschanzthatten. Der General Uork zeichnete sich dabei soaus, daß er den Beinamen davon erhielt. Dasschlesische Heer zog von da unter mancherlei Schwie-rigkeiten über die Mulde und Saale in die Ge-gend von Leipzig, wo hierauf die große Völkerschlachterfolgte, zu deren Entscheidung Blücher nicht nur alsSieger beiMöckern, sondern überhaupt viel beitrug, unddafür nicht allein Lob und Dank der vereinten Fürsten inLeipzig erntete, sondern auch den 20. Okt. von seinemKönige zum Feldmarscha I l ernannt wurde. Mitfreudiger Begeisterung ward diese Erhebung des grei-sen Feldherrn vom ganzen Heere aufgenommen undvon den Russen noch die charakteristische BenennungMarsch all Vorwärts" hinzugefügt. Der Kai-ser von Oestreich ließ ihm den Theresienordens-stern und der Kaiser Alexander einen goldenenEhrendegen als Zeichen der Anerkennung über-reichen. Das Vorrücken bis an den Rhein und dieFortsetzung des Krieges 1814 in Frankreich, wo erzuerst allein bei La Rochiere über Napoleon siegteund durch die glückliche Schlacht bei Laon den Wegnach Paris öffnete, war mit nicht minder vielenund großen Schwierigkeiten, Verdruß und Aergeraller Art für den greisen Feldmarschall verknüpft,so daß sich oft großer Unmuth und gerechter Un-wille seiner bemächtigten und er zuletzt vor körperli-cher und geistiger Anstrengung erkrankte. Dennochführte er sein siegreiches Heer bis vor Paris.

Die Erstürmung des Montmartre flocht neueLorbeeren in den Siegeskranz des greisen Helden,welcher einige Tage nach der Kapitulation in allerStille nach Paris ritt. Seiner Krankheit wegenlegte er den 2. April das Kommando nieder undward am 4. Juni von seinem Könige zum Fürstenvon Wahlstatt, seine Familie in den Grafenstand er-hoben. Hierauf reiste er mit den Monarchen nach Eng-land, wo man ihn mit unbeschreiblichem Enthusiasmusempfing und auf alle mögliche Weise auszeichnete. Nachder Rückkehr in's Vaterland lebte er theils zu Berlin,