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3 (1842)
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er noch zuvor jene beiden Gefangenen ausgewechselthatte, endlich doch gezwungen, den 7. Nov. inRatkau zu kapituliren, jedoch unter den ehrenvoll-sten Bedingungen und mit dem Zusätze, nur ausMangel an Munition, Brod und Futter, indemdie Truppen, vor Niederlegung der Waffen, mitallen kriegerischen Ehren auszogen, und die Offiziereund Gemeinen ihre Habe behielten.

Blücher begab sich, auf sein Ehrenwort, vor derAuswechselung nicht gegen Frankreich zu streiten,mit seinen beiden Söhnen nach Hamburg. SeineAufnahme daselbst war anfangs, wegen Lübecks un-glücklicher Besetzung, ziemlich kalt; doch in kurzemgewann der Held durch seine Liebenswürdigkeit dieHerzen der Hamburger, und nun lebte er unter ih-nen, geachtet und geliebt, in den angenehmstenVerhältnissen. Aber sein patriotischer Heldenmuthund Preußens Unglück ließen ihm keine Ruhe undverbitterten ihm alles Liebe und Gute, was ihmso reichlich geboten wurde. Er schrieb daher an denKönig und bat dringend, seine Auswechselung zubeschleunigen. Aber erst im Febr. 18U? ward derMajor Schill, durch Gefangennehmung des franz,Generals Victor, sein glücklicher Befreier. Am22. März ging er von Hamburg, auf ausdrücklichesVerlangen, zuerst in's Hauptquartier Napoleons,der ihn sehr gnädig aufnahm und erst nach einigenTagen mit vielen Beweisen seiner Achtung wiederentließ. Seine Aufnahme beim Könige war nichtweniger ehrenvoll, und noch erfreulicher für ihn daskraftvolle Streben vieler würdigen Männer, Preu-ßen vom Untergange zu retten. Seine Hoffnungward neu belebt, und mit gewohntem Eifer betrieber die Ausführung eines großen Unternehmens, imRücken der Franzosen den Krieg von neuem zu be-ginnen. Nach einer Übereinkunft mit Schwedenund England segelte er am 2^. Mai von Pillaumit 7WU Mann nach der pommerschen Küste, undlandete am 31. Mai auf Rügen. Unterdessen hatteaber der König von Schweden mit den Franzoseneinen Waffenstillstand geschlossen und dadurch wa-ren dem heldenmülhigen Blücher die Hände ge-bunden. Als endlich alle Hindernisse beseitigt wa-ren, traf die Nachricht vom Friedensschlüsse zu Til-sit mit dem Befehle ein, sich von den Schwedenund ihren Bundesgenossen zu trennen. Zugleichempfinget vom Könige, zur Belohnung seines Dienst-eifers, den Orden des schwarzen Adlers.

Je nachtheiliger der tilsiter Frieden für Preu-ßen den Krieg endete, desto größer war BlüchersSchmerz über das vereitelte Unternehmen. Ueberdießmachte ihm der König von Schweden, wegen desAbzuges mit seinen Truppen, noch Schwierigkeitenund großen Verdruß. Erst am 16, Juli konnteer in die Gegend von Kolberg in Kantonirung ge-hen. Hierauf hatte er als Gouverneur von Pom-mern, den Franzosen gegenüber, als ihr erklärterFeind, eine höchst schwierige Stellung, und er mußtealle Kraft der Selbstüberwindung aufbieten, umseinen Zorn, in den vielen Kämpfen mit französischerAnmaßung, im Zaume zu halten. Zu gleicher Zeitward er von vielen Schriftstellern, sogar militäri-schen, empfindlich angegriffen und gekränkt, dochvon dem Könige selbst, durch ein militärisches Eh-rengericht, auf das Ehrenvollste von allen gehassi-gen Beschuldigungen freigesprochen. Sein einzigerTrost in dieser traurigen Lage war die neue, bes-

sere Ordnung der Dinge, welche sich über ganz Preu-ßen verbreitete. An der Spitze des neu zu organi«sirenden Kriegswesens stand sein ehemaliger Ouar-tiermeister und edler Freund von Scharnhorst.Da aber Blücher in seinem Feuereifer und Un-muthe sich nicht mäßigen und nicht im Stillen, wiees die Nothwendigkeit gebot, handeln konnte; soward ihm im Juni 1808, auf SckarnhorstsVorschlag, der Oberst von Bülow, scheinbar alsGehilfe für den Dienst, in der That aber als Ver-mittler und Besänftiger beigegeben. Uebrigens be-gann Blüchers geschwächte Gesundheit, besondersseit der Verlegung seines Hauptquartiers von Trep-tow nach Stargard, in ein bedenkliches Uebelbefin-den überzugehen. Sein Geist war jedoch frei undmunter und sah schon in dunkler Zukunft Napo-leons Sturz und Preußens Erhebung. Von demTreiben des Tugendbundes mochte er nichtswissen und eben so wenig die Maurern zu politischenZwecken gebrauchen lassen, wiewohl er sonst eineifriger und getreuer Maurer war. Dagegen wollteer 180!) durchaus losschlagen, und traf dazu schondie nöthigen Vorkehrungen. Der König aber ver-bot es, und Blücher mußte gehorchen. GroßeFreude machte ihm damals, den 20. Mai, seineErnennung zum General der Kavallerie. Dagegenberührte der Tod der Königinn den alten Heldensehr schmerzlich, wie aus einem Schreiben vom 22.Juli 181U an den Rittmeister von Eisenharterhellt. Desto erfreulicher waren ihm im Frühjahre1811 Verhaltungsbefehle, welche auf einen nahenBruch mit Napoleon hinzudeuten schienen, under glaubte daher kein Geheimniß mehr daraus ma-chen zu dürfen. Der Generalmajor von Bülowkonnte ihn nicht länger zurückhalten und mußte deß-halb vom Kommando entfernt werden. Blücherbetrieb nun seine Vertheidigungsanstalten zu Trep-tow so kräftig und so offen, daß sie NapoleonsAufmerksamkeit erregten und auf dessen Befehl ein-gestellt werden mußten. Nichts desto weniger konnteBlücher seine Feindseligkeit gegen die Franzosenin Wort und That nicht ganz unterdrücken, und ermußte endlich deßhalb zu Anfang von 1812 dasGeneralkommando dem Grafen Tauenzien über-geben. Darauf ging er nach Berlin und sprachsich nun noch freier und rücksichtsloser über den da-maligen Zustand der Dinge aus. Wie die Sachenstanden, durfte man das in der Haupt- undResidenzstadt nicht dulden, und gleichwohl ver-mochte ihn Niemand, Berlin zu verlassen. Daschlug sich der König in's Mittel und schenkte ihm,weil er wußte, daß Blücher ohne Vermögen warund viel Geld brauchte, aber auch noch vom Staatezu fordern hatte, das Gut Kunzendorf bei Neiße,mit der freundlichen Weisung, in der Beschäftigungmit der Landwirthschaft den Druck der Gegenwartzu vergessen und in der Hoffnung auf eine bessereZukunft neue Kräfte für Thron und Vaterland zusammeln. Blücher begab sich hierauf nach Schle-sien und lebte zuerst einige Zeit in Schweid-nitz und dann in Breslau mit seinem VertrautenScharnhorst, durch Spiel, den Becher und dieTabackspfeife, seine 3 Sorgenbrecher, sich die Zeitund den Unmuth vertreibend.

Nach langem, schmerzlichem Harren erschienendlich für den greisen Feldherrn, wie für Preu-ßens schwer gedrücktes Volk, die Zeit der Erlösung.