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schien endlich wirklich den Krieg zwischen Preußenund Frankreich zum Ausbruche zu bringen. Ueberdas preußische Heer in Franken und Niedersachsenerhielten der Herzog von Braunschweig und der Fürstvon Hohenlohe, in Westfalen aber Blücher denOberbefehl. Die Preußen besetzten das von denFranzosen geräumte Hannover, während zugleich eng-lische, schwedische und russische Kriegsvölker im nörd-lichen Deutschland ankamen. Dessenungeachtetschloß der preußische Minister Graf Haugwitz am15. Dez. 1805 den bekannten Tauschvertrag mitNapoleon, und schon im Mai 1806 bot dieserEngland für den Frieden die Rückgabe Hannoverswieder an, wie er denn Preußen noch auf mehr alseine Weise schimpflich verletzte. Da war die Fortdauerdes Friedens mit Napoleon natürlich eine pein-liche Lage für den patriotischen Blücher. Schonim Juli hatte er deßhalb freimüthig an den Königgeschrieben, daß der Friede mit Frankreich nicht län-ger bestehen könne, und es wurden hierauf, wäh-rend man noch die Unterhandlungen mit Napo-leon fortsetzte, zugleich mit Rußland und EnglandVerträge eingeleitet, sowie seit der Mitte Augustsvon Berlin aus Befehle ertheilt, das Heer auf denKriegsfuß zu setzen. Blücher, dem jede weitereZögerung mit Recht verderblich schien, schrieb noch-mals an den König und stellte den Antrag, daßihm erlaubt werbe, sogleich mit den Truppen, wel-che er befehlige, über die in Deutschland stehendenFranzosen herzufallen und sie zu zerstreuen. Alleines ward ihm nicht vergönnt, nach seiner Einsichtzu verfahren, und leider dachten und handelten nichtalle Befehlshaber des preußischen Heeres, wie er. —
Als endlich zu Anfange Oktobers, nachdemdie kostbare Zeit vorüber war, die preußischen Trup-pen in Thüringen sich sammelten, führte auch Blü-cher sein Corps aus Westfalen zum Hauptheerebei Erfurt, welches von dem Herzog von Braun-schweig befehligt ward. Blücher erhielt am 13,Okt. den Befehl über die Vorhut desselben undmußte dabei leider, zu seinem nicht geringen Ver-druss«, den Zwiespalt, das Schwanken und die Un-entschlossenheit der älteren Feldherren wahrnehmen.Nichts desto weniger hoffte er noch immer auf denSieg. Als Führer des Vortrabes siel er, von derSeite des Königs bei Auerstädt abgehend, mit 25Schwadronen auf den Feind und trieb ihn zurück,bis er unter das französische Geschütz gerieth, wor-auf er sich eilig zurückziehen mußte. Und als ihmdas preußische Fußvolk zu Hilfe kam, rückte auchdas französische in Masse an. Blücher machteindessen noch immer wiederholte Angriffe auf denrechten Flügel und im Rücken des Feindes-, aberer war zu schwach, dessen geschlossene, von Artilleriegut unterstützte Vierecke zu zersprengen. Indessensuchte er, da nach der Verwundung des Herzogsvon Braunschweig von einem Oberbefehle nirgendsdie Rebe war, noch im Wirrwarr des ungeordne-ten Rückzuges den König auf, und mackte ihm dasAnerbieten, mit dem kampffähigen Theile des Hee-res noch einen Angriff zu unternehmen. Der Kö-nig gab die Erlaubniß dazu; als er sich aber aufden Feind stürzen wollte, erhielt er wieder Befehlzum Rückzüge.
Der dem Hauptheere als Generalquartier-Mei-ster zugetheilte Oberst von Scharnhorst blieb imGefolge Blüchers, und er schloß mit diesem schon
damals um so mehr eine enge Freundschaft, alsBeide eines Sinnes waren und mit gleicher That-kraft zu handeln pflegten. Der ältere General ließsich deßhalb gern von dem jüngeren Obersten undFreunde leiten und berathen, wenn ihn sein Unge»stüm über die Gränzen der Vorsicht hinaus führenwollte.— In Sömmerda sammelte sich am 15. Okt.ein Theil des zersprengten Heeres, und über diesengab der König daselbst dem Grafen Kalkreuthden Oberbefehl. Blücher mit seiner Reiterei undeinigen Füselier - Bataillonen sollte den Nachtrabführen. Aber schon den 16. Okt. sahen sich diePreußen, in der Gegend von Weißensee, überallvon den vorausgeeilten und verfolgenden Franzosenumringt. In dieser rettungslosen Lage war esBlücher allein, welcher den Kopf und den Mutl,nicht verlor, sondern durch eine Kriegslist noch Hilfeschaffte, indem er dem französischen General Kleindurch die Nachricht von einem Waffenstillstände be-wog, den Preußen deßhalb einen ungehinderten Ab-zug zu gestatten. Sie nahmen ihren Weg überSondershausen nach Nordhausen, von wo aus derweitere Rückzug, nach Blüchers Plane, über denHarz bis an die Elbe fortgesetzt wurde. Den Zugdes Geschützes, der am schwierigsten war, führteBlücher selbst. An der Spitze der beiden übrigenZüge standen der Fürst von Hohenlohe und derGraf Kalkreuth; aber nur Blücher führte sei-nen Plan vollständig aus, und traf den 24. Okt.auf langem und beschwerlichem Umwege bei San-dau an der Elbe ein.
Kaum hatte Blücher den Uebergang über dieElbe vollendet, als er noch denselben Tag zum Für-sten von Hohenlohe nach Neustadt an der Dossebeschieden ward und daselbst den Befehl erhielt, mitder Nachhut nach Ganzer aufzubrechen und vonda gegen Prenzlau zu ziehen, wo alle Haufen zu-sammentreffen sollten. Kaum in Ganzer angelangt,wo er den so nöthigen Rasttag halten wollte, erhielter wieder Befehl, ohne Verzug Tag und Nachtfortzumarschiren, um zum Haupt-Corps zu stoßen.Gegen diese übermäßigen Märsche, bei Mangel anNahrung und Kleidung, machte Blücher Gegen-vorstellungen, da schon mehre seiner Leute vor Hun-ger und Ermattung vor seinen Augen todt nieder-gefallen waren; aber vergeblich! Und als er endlichPrenzlau bald erreicht hatte, traf die traurige Nach-richt von der Kapitulation des Fürsten ein. Da-durch gerieth Blücher mit seinen 1<1,5W Mannin eine verzweiflungsvolle Lage, indem er von einervieisachen feindlichen Uebermacht umringt war. Aberauch jetzt gab er den Muth und die Hoffnung nichtauf, sich noch zu retten, und es gelang seiner Klug-heit, freilich nur auf kurze Zeit. Da er zuletztkeinen Ausweg mehr sah, warf er sich, nachdemer alle Kapitulations-Anträge abgewiesen hatte, den5. Nov. in das neutrale Lübeck. Aber schon amfolgenden Tage stürmten die Franzosen, und Blü-cher entging nur mit Mühe der Gefangenschaft,während der Oberst von Scharnhorst und derRittmeister Graf von derGolz in dieselbe gerielhen.Noch auf dem Rückzüge wäre er verloren gewesen,wenn ihn nicht der Hauptmann von Müffling geret-tet hätte. Alle seine Streitkräfte waren nun er-schöpft, nur sein Heldenmuth nicht gebeugt, wie-wohl er selbst von der übermäßigen Anstrengungerkrankte. Und so sah er sich denn, nachdem