L
Feinde mit Achtung genannt wurde. Nach demTode des Generals von Golz erhielt er den Ober-befehl über die Vorpostenkette des rechten Flügels,und damit einen großen Spielraum für seinen krie-gerischen Unternehmungsgeist. Aus dem Lager vonDoornik (24, Aug. 1793) führte er den Vortrabüber St. Amand, Mons und Namur links überdie Mosel zum königlichen Heere. Zum Lohne fürseine Heldenthaten (bei Moorlautern, Kaiserslauternund Kirweiler) beförderte ihn der König den4. Juni 1794 zum Generalmajor, ihn zugleich zumInhaber des Husarenregiments ernennend, an des-sen Spitze er bereits den preußischen Waffenruhmfast allein bewahrt und sich selbst einen Ehrenna-men bei Freund und Feind erworben hatte. Dieletztere Ernennung freute und ehrte ihn um so mehr,als er bei diesem Regiment« seine militärische Lauf-bahn begonnen hatte. Das Heer nannte ihn ei-nen anderen Zielen; sein Regiment galt als Vor-bild unübertrefflicher Reiterei; er hatte allein demFeinde 40N0 Gefangene, 1500 Pferde, 5 Fahnen,II Geschütze und 7 Munilions-Wagen abgenom-men, selbst aber nur 6 Mann verloren. Das Treffenbei Kaiserslautern, den 20. Sept. 1794, war dieletzte glänzende Wassenthat der Preußen in diesemKriege; der Friede von Basel, am 5. April 1795,endigte ihn für Preußen.
Schon am 28, April 1795 brach General Blü-cher mit seinem Regiment« nach Aurich in Ost-friesland auf, indem es zu dem Truppen-Corpsgehörte, welches die Demarkationslinie von Nord-deutschland bildete. Als der Generallieutenant vonRomberg am 2. Dez. den Oberbefehl niederlegte,führte ihn interimistisch Blücher bis zum 5. Aug,1?9li. In Aurich ward er durch sein liebenswür-diges Benehmen bald mit Hohen und Niederenvon Adel und Vürgerstand bekannt und befreundet.Und wiewohl er nun schon das 54. Lebensjahr er-reicht und die Kriegsanstrengungen in reichem Maßemitgemacht hatte, war er dennoch in diesem vor-gerückten Alter noch der gewandteste Tänzer, derkühnste Reiter, und übertraf an Lebhaftigkeit undfroher Laune die jüngsten Offiziere seines Regiments,Da er in seiner ersten Ehe so glücklich gewesenwar, und auch jetzt noch, als ein gesunder, kräfti-ger Mann, Liebe empfand und einstößt«; so war ernicht gar lange in Aurich, als er zur schönen Ama-lia, der jüngsten Tochter des Kammerpräsidentenvon Eolomb, eine große Neigung fühlte, welcheeine schnelle Erwiederung fand. Der gegenseitigenErklärung folgte rasch die Werbung, und diese kamnur der Bedenklichkeit der Aeltern zu schnell; dochdie Liebe der Braut selbst besiegte ihren Wider-stand, und der bejahrte Held führte die junge, schöneund liebenswürdige Amalia als Gattinn heim, dieihm seine Heldenlaufbahn mit den Blumen desehelichen Glücks bestreute. Bald darauf mußte ersein Standquartier nach Münster verlegen, nachdemer den Oberbefehl über die Vorposten des verstärk-ten Observations - Heeres unter dem Herzog vonBraunschweig erbalten hatte. Auch hier suchte diekatholische Geistlichkeit, nebst den zahlreichen Emi-grirten, das gute Vernehmen zwischen den Preu-ßen und Bürgern so viel als möglich zu stören,und nur Blüchers ausgleichende Persönlichkeitvermochte den Zwiespalt zu mildern. In seinemHause herrschte Glanz, Anstand und feine Sitte;
8 8
ll.
155
in seinen Gesellschaften, an seiner Tafel war jederausgezeichnete Mann willkommen, zu welcher poli-tischen oder religiösen Partei er sich auch bekennenmochte. >— Hier ließ er auch 1796 durch seinenAdjutanten, den Grafen von der Golz, seine „Ta-gebücher über seinen Antheil an den Feldzügen von1793 und 1794" für seine Freunde und sein Re-giment ordnen und zu einem Ganzen verbinden.
Viele Preußen, und unter »Knen auch Blücher,wünschten den Krieg gegen das siegreiche und immerweiter um sich greisende Frankreich, und als Fried-rich Wilhelm III. den Thron bestiegen hatte, hoffteman ihn mit großer Zuversicht; allein der weiseMonarch fand natürlich Preußens inneren Zustandnicht dazu geeignet und ließ ihn deßhalb die Fort-dauer des Friedens wünschen, welcher endlich auchmit Deutschland den 9. Febr. 1801 in Lunevillezu Stande kam. Unterdessen benutzte Blücher dieFriedenszeit, seine Truppen auf den Krieg vorzube-reiten, und auch der neue König erkannte seine Ver-dienste an, indem er ihn, den 20. Mai 1801, zumGenerallieutenant beförderte. Unterdessen hatte Preu-ßen, nach Aufhebung der Demarkationslinie (30.April 1801), Hannover mit 24,000 Mann besetzt,scheinbar feindlich, in der That aber zum Schutzegegen Frankreich. — In Folge jenes Friedens er-hielt Blücher, im August 1802, Befehl, von denan Preußen gefallenen Gebieten, Erfurt, Mühl-hausen, Nordhausen und Goslar mit ihren Distrik-ten, sowie die Stadt und einen Theil des BisthumsMünster, im Namen des Königs in Besitz zu neh-men. War dieses Geschäft überhaupt, besondersaber in Münster, schwierig wegen der Religions-verschiedenheit und des Einflusses der katholischenGeistlichkeit; so wußte Blücher dennoch alle Schwie-rigkeiten durch kluge Mäßigunq und Festigkeitzu überwinden. Am 10. Febr. 1803 ward er Gou-verneur von Münster und bezog das bischöflicheSchloß als Dienstwohnung. Hier setzte er das an-genehme Leben auf die bekannte Weise fort, seineZeit zwischen den Dienstgeschäften und den Freudender Geselligkeit theilend und im Sommer häufigPyrmont besuchend, wo er sich regelmäßig bei derBank einfand und große Summen gewann und ver-spielte, Beides ohne Einfluß auf seine Gemüthsstim-mung, da er nicht aus Gewinnsucht, sondern zuseinem Vergnügen spielte. — Neue Unannehmlich-keiten verursachte ihm 1803 die Besetzung Hanno-vers durch die Franzosen, welche durch ihren Ueber-muth und ihre Anmaßungen seinen Aerger oft biszur Erbitterung steigerten, weil er immer noch einfriedliches, ja selbst freundschaftliches Benehmen be-obachten mußte. Ungeachtet ihm aber die friedlichePolitik seines Hofes nicht gefiel, worüber erauch offen und unverholen seine Meinung sagte,unterdrückte er dennoch seinen Mißmuth und be-folgte streng den Willen seines Königs. — Ausbioser Liebe zur Sache übernahm er auch eine Lie-ferung von Kriegsbedürfnissen, wobei er dem Staategroße Summen ersparte, selbst noch ansehnlich ge-wann und das Militär besser als die Lieferantenversorgte.
Ein neuer Gewaltstreich Napoleons, dieVerletzung des neutralen preußischen Gebiets vonAnsbach, durch welches der französische MarschallBernadotte, im Okt. 1805, mit 100,000 Fran-zosen, Batavern und Baiern nach der Donau zog,