Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
Seite
154
Einzelbild herunterladen
 

154

L

l

»

sinne. Blücher wiederholte aber beharrlich seinGesuch, und nach 9monatlicher Haft verabschiedeteihn endlich der König mit folgenden Worten:DerRittmeister von Blücher ist aus dem Dienste ent-lassen und kann sich zum Teufel scheren." Dießwar ein harter Schlag für ihn; er schlug ihn abernicht zu Boden, so empfindlich er auch sein in-nerstes Leben und sein äußeres Glück traf. Blü-cher verlor selbst seinen frohen Muth und seinegute Laune nicht, sondern wußte sogleich im bür-gerlichen Stande sein anständiges Auskommen undeine nützliche Beschäftigung zu finden. Der un-gewöhnliche Mensch geht nicht auf den gewöhnlichenWegen fort.

Während seines Aufenthaltes in Polen warBlücher mit dem ehemaligen sächsischen Oberstenvon Mehling, der Güter in Polen gepachtet hatte,bekannt geworden. Dessen 16,ährige Tochter, durchSchönheit, Geist, Gemüth und Bildung ausgezeich-net, hatte seine Liebe erregt und erwiedert, und bliebihm auch nach seiner Verabschiedung noch treu, so-wie auch ihr Vater seine Einwilligung nicht ver-sagte. Blücher war aber nicht blos ein lustigerOffizier, sondern auch ein schöner Mann, der instimm 30. Lebensjahre stand und schon wegen sei-nes vorzüglichen Aeußeren, seiner frohen Laune undseines angenehmen Betragens der Liebling fast je-der Gesellschaft war. Er war wohl gestaltet, großund stark, und zeigte in allen seinen Körperbewe-gungen eben so viel Gewandtheit als Anmuth. Diegroße, freie Stirn und die scharf gerundeten Augen-braunen gaben seinem Angesicht« ein sehr ernstesAnsehen, welches aber sogleich verschwand, wennsich sein Mund in wohlklingender Stimme zu freund,licher Rede öffnete. Aus seinen schönen blauen Au-gen sprach Geist und Gemüth. Die gebogene Naseund die lebhaste Gesichtsfarbe vollendete die Anmuthseines Gesichts, welches noch im Greisenalter schöngenannt weiden konnte. Sein Schwiegervaterüberließ ihm das Gut Gerissunde in Unterpacht,und dieses bewirthschaftete er so gut, daß er sichschon in einigen Jahren ein eignes Landgut inPommern bei Stargard kaufen konnte. Auch datrieb er die Landwirthschaft so umsichtig und flei-ßig, daß er in der ganzen Umgegend Vorbild undRathgeber ward, und sich die Achtung und das Zu-trauen aller seiner Standesgenossen erwarb. DerAdel wählte ihn selbst zum Ritterschafts- oder Land-rath, und er rechtfertigte dieses ehrende Vertrauendurck die größte Sorgfalt für das allgemeine Beßte,so daß er von Hohen und Niederen immer mehrgeschätzt wurde.

Die Verdienste des nunmehrigen Landrathsvon Blücher blieben den höchsten Behörden nichtverborgen und kamen selbst zu den Ohren des Kö-nigs, welcher ihm daher auch erlaubte, sich ihmwieder zu nähern, ihn nicht nur bei den Truppen-musterungen in Pommern sprach, sondern sogar ei-genhändig an ihn schrieb, und ihm mehrmals an-sehnliche Summen, zur Verbesserung seines Gutes,zinsenfrei lieh, ja zuletzt schenkte, als er ihre guteAnwendung sah. Da erwachte auch seine Hoffnungauf Wiederanstellung; aber aus Liebe zu seiner Ge-mahlinn, welche nichts davon wissen wollte, unter-drückte er die heiße Sehnsucht bis zum Ausbruchdes baieriscken Erbfolgekrieges 1778. Da wollteer seinen Rücktritt in die Armee ernstlich betrei-

ben; aber auch dieses Mal verhinderte es seine Ge-mahlinn. Nichts desto weniger setzte er doch heim-lich seine Bemühungen fort; sie blieben aber beiFriedrichs Lebzeiten fruchtlos. Uebrigens warBlücher in seiner Häuslichkeit höchst glücklich:sein Hauswesen befand sich in der beßten Ordnung,und sein Vermögen vermehrte sich, wie seine Fa-milie. Seine ihn innig liebende und geliebte Gat-tinn, zugleich eine treffliche Hausfrau, gebar ihm6 Söhne und 1 Tochter. So verstrichen 15 Jahrein diesem friedlichen Berufe, in diesen glücklichenVerhältnissen; aber noch immer war seine Kriegs-lust gleich groß und unbesiegbar. Nach der Thron-besteigung Friedrich Wilhelms II. suchte er da-her, durch die Vermittelung seiner Freunde, vonneuem in den preußischen Kriegsdienst zu treten,so sehr ihn auch seine Gattinn, durch Bitten undVorstellungen, davon abzuhalten bemüht war. Erbegab sich deßhalb selbst nach Berlin und erhieltvon seinen Gönnern, den Generalen von Bischofs-weider und von Göckingk, die beßten Versiche-rungen. Diese gingen denn auch bei der Muste-rung in Pommern, den 23. März 1787, wo Blü-cher dem Könige sein Anliegen selbst vortrug, aberdoch mit den Worten:mit Freuden, wenn meinRecht mir wird," in die freudigste Erfüllung. Erwurde in seinem früheren Husarenregimente als Ma-jor angestellt, und seine Bestallung vom 14. April1779 zurückgeschrieben, so daß er dem Major vonIägersfeld wieder vorangestellt wurde. Nunfühlte er sich wieder ganz glücklich, und mit neuem,jugendlichem Eiser verrichtete er seine Dienstge-schäfte, während er zugleich sein Standquartier zuRummelsburg sich und seinen Freunden so angenehmals möglich zu machen wußte; aber leider trübtedieses vollkommene Glück bald daraus der Tod sei-ner theuern Gattinn, welche schon einige Monatenach seiner Wiederanstellung starb.

Unter diesen traurigen Umständen kam ihmder Zug nach Holland, im Sept. 1787, sehr gele-gen. Dieser war zwar nicht geeignet, Lorbeeren ein-zuernten, aber doch seinen Schmerz zu mildern, undsich durch Sorge für seine Leute, wie durch Scho-nung der Einwohner, einen ehrenvollen Rufzu erwerben, und die Gnade seines Königs zu ver-dienen. Dieser beförderte ihn auch schon den 3. Juni1788 zum Oberstlieutenant, verlieh ihm im Früh-jahre 1789 den Orden pnur le me'rite, und ernannteihn am 20. Aug. 1799 zum Obersten und Com-mandeur des 1. Bataillons im Regiment?. Jeweniger er sich in dem kurzen holländischen Feld-zuge hatte hervorthun können, desto mehr war dießder Fall in dem französischen Revolutionskriege von1793 bis zum Frieden von Basel 1795. Dennerst im Febr. 1793 rückte er mit dem 1. Batail-lone des golzischen Husarenregiments, dessen Be-fehlshaber er war, an den Niederrhein, wo er un-ter den Befehlen des Herzogs Friedrich vonVraunschweig-Oels, in Verbindung mit den Oest-reichein unter Latou r, stritt und sich in den verschie-denen Gefechten und Schlachten, an denen er Theilnahm, überall durch unermüdliche Wachsamkeit undkühne Tapferkeit mit Ruhm bedeckte und bei denverschiedenen Oberen und Heerführern, mit denener in Berührung kam, sowie bei den gemeinen Sol-daten und Bürgern, den Ruf eines klugen und mensch-lichen Kriegers erwarb, dessen Name selbst von dem