Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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Muleum lür preuhilche VaterlandsKunde.

Band m.

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Lief. 2V.

Gebhard Leberecht von Vlücher,

königlich preußischer Feldmarschall und Fürst von Wahlstatt.(Beschluß.)

Blücher trat hierauf als Junker in dasbellingsche schwarze Husarenregiment, und dieses gabihm bald Gelegenheit, Muth und Tapferkeit zu be-weisen, was seine schnelle Beförderung zur Folgehatte. So ward also durch einen Feind Preußens,nach einer seltsamen Fügung des Schicksals, Preu-ßens Retter den preußischen Fahnen zugeführt!

Bald nach seinem Eintritt« wohnte der jungeBlücher der mörderischen Schlacht bei Kuners-dorf (d. 12. Aug. 1759) bei, ward am 20. Sept.Körnet, im Jan. 1761 Secondlieutenant, und am3. Juli schon Premierlieutenant. Der Oberst vonBelling, unter dessen Augen er stets gefochtenhatte, blieb ihm feiner gewogen, kaufte ihm, sobalder Offizier geworden war, die Feldrüstung eines ge-bliebenen Offiziers und ernannte ihn zu seinem Ad-jutanten. In dem letzten Treffen des 7jährigenKrieges, bei Brand unweit Freiberg (d. 29. Okt.1762), erhielt Blücher eine leichte Schußwunde, vonwelcher er jedoch, noch vor dem Friedensschlüsse, den 15.Febr. 1763, hergestellt war, so daß er wieder insein Regiment eintreten konnte. Aber auch schonjetzt verwickelte ihn seine rasche Iugenbhitze oft inStreitigkeiten und Händel, welche ihm häusige Duellezuzogen, wie selbst noch in Leipzig, gleich nach sei-ner Genesung, geschah. Und durch viele glücklicheDuelle ward ihm die Neigung, sich mit dem De-gen Recht zu verschaffen, nach und nach so zur Ge-wohnheit, daß er sogar seinen General und Gön-ner, der ihn wegen eines Dienstversehens hart an-gelassen hatte, deßhalb fordern wollte. Der edle Bel-ling strafte ibn dafür durch Versetzung zur Schwa-dron des Majors von Podscharli. Dieser warzwar im Dienste unerbittlich streng, übrigens abermild und wohlwollend gegen seine Untergebenen,und theilte gern seine ausgebreiteten Kenntnisse undreichen Erfahrungen in der Kriegskunst den jünge-ren Offizieren mit. Der stets rüstige Blücher er-warb sich auch sein Wohlwollen sehr bald, und wiebis dahin Belling, so wurde nun Podscharlisein Lehrmeister im Kavalleriedienste, was er nochim hohen Alter dankbar rühmte. Seine unge-stüme Iugenbhitze verursachte ihm auch in die-ser Schwadron manchen Streit, und seine schlag-fertige Kampflust manches Duell, doch machte seingerades Wesen, seine edle Kameradschaftlichkeit undsein gemüthlicher Frohsinn bald Alles wieder gutund söhnte die gereizten Gegner eben so schnell mitihm aus, als er sie hervorgerufen hatte.

Das ruhige Garnisonleben ließ ihm, da ernicht gewohnt war, zu studiren, sehr .viele Zeitübrig, und diese brachte er denn, unbekümmert umGegenwart und Zukunft, auf der Jagd, beim

Spiele, auf Bällen, bei Gelagen, mit Fechten undReiten, in angenehmer Abwechselung zu. So einlustiges Leben er aber auch als einer der wildestenOffiziere führte, machte er sich doch keiner schlechtenStreiche schuldig, und wirthschaftete so haushälte-risch mit seinem geringen Solde, daß er, welchervom Hause keinen Zuschuß bekam und beinahe derärmste Offizier im Regimente war, dennoch fastimmer die beßte Ausrüstung und die schönsten Pferdehatte. So erhielt er sich auch fortdauernd die Gunstseines Majors von Podscharli und des Generalsvon Belling. Endlich führten 1770 die Un-ruhen in Polen für unseren kriegslustigen Vlüchereine erwünschte Veränderung und günstige Aussichtherbei, da Friedrich der Große in diesem Jahre,zur Sicherung seines Gebiets, einen Gränz-Cor-don unter Bellings Befehle auf polnischem Grundund Boden ziehen ließ. Allein jene erfreuliche Aus-sicht schwand nicht nur sehr bald, sondern die Sachenahm selbst für Blüchern eine sehr ungünstigeWendung, nachdem er am 3. März 1771 Stabs-rittmeister geworden war. Der General von Bellinghatte nämlich zugleich den schwierigen Auftrag, diePolen durch Freundlichkeit und Schonung für Preu-ßen zu gewinnen. Diese zeigten sich aber gegenseine Truppen höchst feindselig und ließen keine Ge-legenheit vorbei, die preußischen Offiziere und Sol-daten auf das Empfindlichste zu beleidigen. Derbiedere General ließ dieß nicht ungeahndet hingehenund vergalt Gleiches mit Gleichem. Die Folgedavon war, daß er das Kommando dem Generalvon Lossow übergeben mußte. So verlor Blücherseinen edelmüthigen Beschützer und fand bald andem neuen Generale einen erklärten Gegner. Denndiesem gefiel die kühne Entschlossenheit des jungenHusarenoffiziers nicht, und er behandelte ihn deß-halb mit aller Strenge, welcher Blücher, nachseinem Charakter, offenbaren Trotz entgegensetzte.Dadurch kam es dahin, daß, als Blücher eineSchwadron erhalten sollte, der General den jünge-ren Slabsrittmeister von Iägersfeld in Vortragbrachte. Einen rechtfertigenden Grund dazu gabbald Blückers eigenmächtiges Verfahren gegen ei-nen katholischen Pciester, welchen er, als erklärtenPreußenfeind und Anstifter der Grausamkeit, mitwelcher die Polen einzelne Preußen umbrachten,zum Scheine hatte erschießen lassen. Blücher klagteaber laut und stark über Zurücksetzung, und alsdieß nichts half, schrieb er, in seiner freimüthigenWeise, an den König:Der von Iägersfeld,der kein anderes Verdienst hat, als der Sohn desMarkgrafen von Schwede zu sein, ist mir vorgezo-gen worden; ich bitte Ew. Majestät um meinenAbschied." Der König, welcher weder dieses trotzigeBetragen leiden mochte, noch den wackeren Vlüchergern verlieren wollte, befahl den Rittmeister von Blü-cher zu verhaften, damit er sich eines Besseren be-