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ihr 1280 noch den Rodenbek, ein kleines Gehölzin der Nähe.
Da bei den Volkswahlen der neuen Stadt-obrigkeit viele Ränke und Bestechungen ihr bösesSpiel trieben, so trug man 1301 das Wahlgeschäftzuerst einem Ausschusse von 40 Männern auf, welcheden Wahltag, Ianupstag genannt, mit Anhö-rung einer Wahlpredigt eröffneten und sich dann infeierlichem Zuge auf's Nathhaus begaben, wo sie nocheinen engeren Ausschuß von 12 Personen durch's Loosbestimmten. Darauf erschien auch der Wiggräfe,welcher den Zwölfen noch einen feierlichen Eidabnahm. Die Wahl der neuen Obrigkeit wardnun vorgenommen und mit einem frohen Feste be-schlossen. So schritt die Stadt in ihrer politischenEntwickelung immer weiter fort, und 1336 entwarfman das mindener Stadtrecht, welches sich, miteinigen Abänderungen und Zusätzen, bis auf dieneuesten Zeiten erhalten hat. Erst 1394 erfolgtedie Einführung des Bürgereides. Während dieserZeit hatten die Bürger, in den Fehden der Bischöfe,manchen Kampf bestanden: 1360 verbrannten dieGrafen von Hoya die St. Marienvorstadt, und1364 belagerte Graf Engelbert von der Markdie Stadt 3 Tage, weil der Bischof Gerhard II.seinen Bruder, den Bischof Theodorich von Os-nabrück, gefangen hielt. Eben so thaten sich dieMindener bei der Eroberung der festen SchlösserVlotho und Vahrenholz (1367 — 1369) hervor.Später halfen sie auch das Schloß Diepenau desGrafen Erich von Hoya, nach 14tägiger Bela-gerung, gänzlich zerstören, weil es aus Stiftsgebietlag und der Stadt beschwerlich war.
Glänzende Tage sah Minden wieder 1377,als Kaiser Karl IV. mit seiner Gemahlinn undgroßem Gefolge daliin kam. Der damalige BischofWedekind II. ging demselben, mit dem Dom-kapitel, der Geistlichkeit und dem Stadtrathe, in fei-erlicher Prozession, bis auf die Weserbrücke entge-gen, und auf deren Mitte übergab der Bürgermei-ster Vodendorp dem Bischof die Schlüssel derStadt, um sie dem Kaiser zu überreichen. DerKaiser gab sie dem Bischof und dieser dem Bürger-meister zurück. — Außer dem Domkapitel, bestan-den in Minden 2 Kollegiatstifte, 1 Benediktiner-Mönchskloster, schon seit 1042, 1 Dominikaner-Klo-ster und 1 Nonnenkloster. Noch gab es ein Be-quinenhaus, welches ein Ritter Mahne 1295für Frauenzimmer stiftete, die ihr Leben ehelos be-schließen müssen. Im Jahre 1396 gründete derBürgermeister Gi eseler für arme Fremdlinge dasNikolai- Gast- «der Armenhaus, welches derRath 1444 zum Stadtarmenhaus bestimmte. —Die Fehden dauerten auch fürMinden im 15., janoch im 16. Iahrbunderte fort, und 1469 belager-ten die Grasen Adolf, Erich und Ernst vonSchaumburg die Stadt 4 Tage vergeblich. Dagegeneroberte sie der Bischof Johann von Hildesheimin der Fastenzeit 1519, da er das Stift Minden,wie die Chronik erzählt, „im Namen der Jung-frau Maria, als seiner sonderlichen Patroninn undBeschützerinn, eben in der stillen Wochen angegrif-fen, daß er bei dem Blutvergießen im Stift Min-den sich des Leidens Ehristi erinnern könne!" —Erst 1520 gab er es dem vertriebenen BischofFranz I. zurück. Und die Mindener waren 1530bei der Eroberung und Zerstörung der Beste Had-
denhausen, so wie 1534 bei der Einnahme von We-digenstein.
Unterdessen war auch die Reformation nachMinden gekommen, nachdem 1473 der erste und1516 der zweite Ablaßkrämer durch Geldschnei-derei, so wie die Bischöfe durch ihre beständigenFehden und die Klöster durch den Verfall der Zucht,Schaden und Aergerniß genug verursacht hatten.Schon 1435 wurden die Mönche von den Bürgernverspottet, als sie ihre Heiligthümer, bei Verlegungdes Benediktiner-Klosters in die Stadt, mit großerFeierlichkeit einbrachten. Im Jahre 1529 warddie Kirchenuerbefserung eine Volkssache, als der Abtjenes Klosters einen des Lutherthums verdachtigenMönch hatte einkerkern lassen, indem die Bürgeraus ihrer Mitte 36 Männer wählten, welche sie mitder längst gewünschten Einführung der Reformationbeauftragten. Nachdem sie bei Karl V., welcher1523 mit seiner Gemahlinn in Minden gewesenwar, um die Bestätigung ihrer Rechte und Frei-heiten nachgesucht und diese 1530 erhalten hatten,stellten sie sogleich alle papstliche Kirchengebräuche ab,ließen eine neue Kirchenordnung entwerfen, in die-sem Jahre drucken und bekannt machen, im Domi-nikanerkloster ein Gymnasium einrichten und forder-ten noch vor Ende des Jahres die katholische Geist-lichkeit, außer den Domherren, auf's Rathhaus, woman derselben folgende Beschlüsse vorlegte: das Be-nediktiner-Kloster solle dem Rathe unterworfen undohne dessen Willen kein neuer Mönch eingekleidetweiden; jedem Mönche solle es freistehen, das Klo-ster zu verlassen und die katholische Geistlichkeit inallen Pfarrkirchen die evangelische Lehre ungestörteinführen lassen. Diese raschen Sckritte, veranlaßtdurch den herbeigerufenen evangelischen Prediger,Nicolaus Eragius, einen großen Eiferer, ver-anlaßten nicht blos eine Klage der katholischen Geist-lichkeit beim Reichskammergericht, sondern auch Un-ruhen unter den Anhängern der alten und neuenLehre. Diese wurden jedoch bald unterdrückt undder mit Androhung der Reichsacht versehene Befehldes Reichskammergerichts, die katholische Geistlich-keit wieder in ihre Rechte einzusetzen, blieb unbe-achtet und daher ohne Wirkung, indem sichdie Stadt auf eine allgemeine Kirchenver-sammlung berief. Da aber die katholische Geist-lichkeit den Prozeß noch weiter fortsetzte, so schloßsich Minden, zu seiner Sicherheit, 1537 dem schmal-kaldischen Bunde an, und ward deßhalb vom Kai-ser d. 9. Okt. l.538, aber ebenfalls ohne Erfolg, indie Reichsacht erklärt; denn 1541 hob sie KarlV.selbst wieder auf und der speie rsche Reichstags-abschied von 1544 bestätigte die Aufhebung noch-mals. Dessenungeachtet siel die Stadt 1547 indie Gewalt der Kaiserlichen, von denen sie sich je-doch durch Zahlung von 6000 Thalern an den Kai-ser befreite.
Glücklicher Weise war 1529, bald nach An-nahme der Kirchenverbesserung, der Bischof Franz I.gestorben, und es fanden sich hierauf 2 Bewerber umdas Bislhum. Da das Domkapitel nach langemZögern ohne Zustimmung der Stadt den Grafenvon Waldeck Franz II. wählte und diese Wahl,erst nach 2 Jahren, die päpstliche Bestätigung er-hielt; so mußte er der Stadt, für ihre Anerken-nung, die öffentliche Duldung der evangelischenLehre versprechen. Auch die von Franz II. 1549